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Die Hochbergers aus Dresden übernehmen nicht nur für ihre eigenen Kinder Verantwortung

Die Hochbergers aus Dresden übernehmen nicht nur für ihre eigenen Kinder Verantwortung

In der Wohnung von Maika und Ralf Hochberger ist es noch ruhig. Lediglich Dala, die Familienhündin, bringt etwas Unruhe in die Stille des Nachmittags.

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Trotz Trubel und Stress ist immer Zeit zum Kuscheln da. Die Pflegeeltern Maika Hochberger und Ralf Hochberger kümmern sich liebevoll um ihre Kinder und Pflegekinder.

Quelle: Hagen Jakob

Es ist früher Nachmittag. Freundlich lächelnd bittet Maika Hochberger in ihr Zuhause. Zwei Stockwerke stehen der Familie aus Dresden-Strehlen in dem Mehrfamilienhaus zur Verfügung. Hier leben neben den drei leiblichen Söhnen (20, 22, 23) noch die drei Pflegekinder Sandra, Fabian und Joe.

Alle drei Kinder stammen aus schwierigen Verhältnissen. Sandra ist mit 13 Jahren die älteste der Drei. Die geistig Behinderte verlangt schon manchmal viel Geduld ab. Fabian, elf Jahre, ist Autist und Joe (Anm. d. Autorin: Name wurde auf Wunsch der Familie geändert), neun Jahre, ist ein ADHS-Kind.

Seit nunmehr 13 Jahren sind die Hochbergers dabei - davon vier Jahre in der Bereitschaftspflege. Wie sehr sich der Alltag ändern würde, konnte sich damals die ganze Familie nicht vorstellen. Mit den drei Pflegekindern zogen noch mehr Verantwortung und noch mehr Trubel ein. "Es ist schon manchmal so, dass die eigenen Kinder dann doch genervt sind. Gerade am Wochenende, wenn man mal die Chance hat, dass alle zusammen am Tisch sitzen, und der Kleine dann gerade mal wieder seinen Rappelanfall bekommt und erst mal durch die Gegend rennen muss, dann ist das schon manchmal störend." Beinahe entschuldigend klingt die Pflegemutter aus Leidenschaft.

Morgens um sechs beginnt für die gelernte Heilerzieherin und sozialpädagogische Betreuerin der Tag. Dann muss Sandra rechtzeitig für den Fahrdienst fertig sein, der sie zur Schule bringt, und Fabian und Joe müssen auch in die Schule. Danach geht Ehemann Ralf Hochberger (48) in seine eigene Firma, einem Computer-Notdienst, und Maika Hochberger in den Dresdener Pflege- und Adoptivkinder e.V. "Wegen uns", wo sie auf 400-Euro-Basis tätig ist. Nachmittags, wenn die Kinder heimkommen, sind sie zu Hause. Erst abends, wenn die Kinder im Bett sind, ist wieder die Zeit für Arbeit und die eigenen Kinder da.

So wie den Hochbergers geht es auch 179 anderen Pflegefamilien in Dresden. Im Jahr 2012 lebten 243 Pflegekinder in den Familien auf Zeit. Jedes dieser Kinder hat auf die eine oder andere Art ein Trauma erlitten - sei es durch seelische, aber auch körperliche Misshandlung oder Vernachlässigung. Viele bleiben bis sie 18 Jahre alt sind, einige wechseln zwischendurch die Familien oder kehren in die eigenen Familien zurück.

Jedes Jahr kommen neue Pflegekinder hinzu. Gegenwärtig suchen neun Kinder eine Pflegefamilie in Dresden, in der sie die Liebe und Geborgenheit erfahren, auf die sie bisher verzichten mussten.

Maika Hochberger wollte schon immer etwas mit Kindern machen. Als sie die Werbeplakate für Pflegefamilien sah, beschloss sie, dass ist es. Ihr Mann Ralf (46) suchte alles zusammen, was über das Thema zu finden war. Blieben nur noch die eigenen Kinder, die eingeweiht werden mussten. "Wir haben das immer wie eine Familienkonferenz gemacht." Die sympathische Pflegemutter lacht, "wir haben uns die Kinder hingesetzt und gesagt: Passt mal auf, wir haben folgende Idee. Was haltet ihr davon?". Dieselbe Konferenz wurde dann bei jedem Kind abgehalten, das kam und bleiben sollte. Inzwischen herrscht richtig Trubel in der Bude. Dala bellt, ein Baby schreit und Joe verlangt nach Aufmerksamkeit. Mittendrin wirken Ralf und Maika wie der berühmte Fels in der Brandung. Das müssen sie auch. Wer ein Pflegekind übernimmt, braucht starke Nerven. Fast alle Kinder stammen aus schwierigen Verhältnissen. Interessenten werden deshalb genauestens geprüft. Alleinstehende, gleichgeschlechtliche Paare, aber auch Ehepaare mit eigenen Kindern dürfen Pflegekinder aufnehmen. Stabile wirtschaftliche Verhältnisse, ein einwandfreies Führungszeugnis, ein Lebensbericht, bei dem das eigene Leben reflektiert werden soll, und die Teilnahme an einem Kurs für Pflegeeltern sind die Grundvoraussetzungen. In Gesprächen mit den Mitarbeitern vom Pflegekinderdienst, der Pflegeelternberatung der Diakonie oder dem Verein "Wegen uns" wird dann noch einmal ausgesiebt. Erst dann stellt sich heraus, wie ernst es die potenziellen Pflegeeltern wirklich meinen und erst dann erhält auch das Jugendamt die Unterlagen. Ist diese Hürde überwunden, steht einer Pflegeelternschaft nichts mehr im Wege. In enger Zusammenarbeit mit dem Kinderpflegedienst des Jugendamtes, dem Verein "Wegen uns" und dem Diakonischen Werk bieten Pflegeeltern ihren Schützlingen einen Weg ins Leben.

Wie viele andere Pflegeeltern werden auch die Hochbergers manchmal mit Vorurteilen konfrontiert. "Wenn ich höre, wir bekämen 3000 Euro im Monat, staune ich schon manchmal." Die selbstbewusste 46-Jährige schüttelt den Kopf. "In Dresden gibt es die Regelung, dass Pflegeeltern Erziehungsgeld bekommen." Der Normsatz beträgt dann 230 Euro im Monat pro Kind. Darüber hinaus gibt es die materiellen Aufwendungen, von denen die Miete fürs Kind, Taschengeld, Schulgeld, Ausflüge etc. bezahlt werden. Das ist trotzdem nicht genug, um den Kindern wirklich etwas bieten zu können. Ein Ferienlagerplatz für Sandra kostet 750 Euro. Nur in speziellen Lagern ist die Betreuung 1:1 für behinderte Kinder wie dem Mädchen gewährleistet. Diesen Betrag müssen die Pflegeeltern selbst aufbringen. Auf drei Pflegekinder hochgerechnet, kommt da eine Summe zusammen, die ein normales Einkommen und das Budget für einen ganzen Familienurlaub übersteigt. "Wir waren", sagt Maika, "schon lange nicht mehr richtig weg."

Unsanft scharrt ihr Stuhl über den Boden. Das Baby ist wach und schreit. Vorsichtig nimmt sie es aus dem Bett und ruft nach ihrem Mann. Beinahe routiniert bereitet er ein Fläschchen für den unerwarteten Familienzuwachs zu und reicht sie seiner Frau... iWer ein Pflegekind aufnehmen möchte, kann sich an den Dresdener Pflege- und Adoptivkinder e.V. "Wegen uns" in der Pirnaer Landstraße 140 oder an das Diakonische Werk - Stadtmission Dresden e.V. in der Georgenstraße 1-3 wenden und sich beraten lassen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.03.2013

Kossack, Diana

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