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Die Evolution der Tube

Die Evolution der Tube

Bei Kosmetik kauft das Auge mit. Die Verpackung muss etwas hermachen, dann bekommt die Marke eine Chance. Die Dresdner Firma Essel tut viel dafür, dass Marken beim Käufer punkten.

Sie stellt täglich eine Million Tuben her - vor allem für Hunderte von Kunden aus der Kosmetikbranche. Doch in der Landeshauptstadt kennt das Unternehmen kaum jemand. Das soll sich mit der Langen Nacht der Industrie ändern.

Tuben sind Saisonware. Vor dem Winter hat Schuhcreme Konjunktur, vor dem Strandurlaub Enthaarungscreme. Deshalb rattern bei Essel in Dresden schon jetzt im Auftrag des Kosmetiklabels Veet massenhaft entsprechend bedruckte Kunststoffbahnen durch die Maschinen. Enthaarungscreme für Europa und Asien. Dresdner kommen halt rum...

Essel-Chef Matthias Lütkemeier weiß alles über Tuben. Egal ob sie aus Blei, Weißblech, Aluminium, Polyethylen oder zuletzt Laminat bestehen - seit über 100 Jahren werden in ihnen halbfeste Inhalte abgefüllt. Blei und Weißblech sind heute nicht mehr so en vogue, doch für die übrigen Tubenmaterialien haben sich über die Zeit die Herstellungsverfahren verfeinert. Das war und ist überlebenswichtig, denn die Kundenwünsche werden immer ausgeklügelter und differenzierter.

Siegeszug der Laminattube

Die Laminattube, die unter anderem von Essel in Dresden produziert wird, ist die jüngste im Bunde. Und doch bestückt sie schon rund 30 Prozent des gesam- ten Tubenmarktes. Ein Siegeszug, der im Triumph enden wird, ist sich Lütkemeier sicher. Heißt wohl frei nach Darwin: Gäbe es auf diesem Feld die Bestenauslese, die Laminattube stünde quasi am Ende der Evolution.

Denn sie hat einen entscheidenden Vorteil. Anders als ihre Pendants aus Aluminium oder Polyethylen wird die Verbindung aus mehreren Kunststoff- und Metallisierungsschichten nicht umständlich im Nachhinein - also in Tubenform - bedruckt, sondern vorher. Wie beim Zeitungsdruck spulen sich die Kunststoffrollen in eine Druckmaschine ab, erhalten Farbe, Prägung, Designelemente. Im Endlosband werden sie gefalzt, zum Schlauch verschlossen, zugeschnitten und von Automaten mit Verschlüssen bestückt. Der Boden bleibt offen, damit der Kunde später problemfrei einfüllen kann, was hinein soll.

Der Druck bestimmt die Wertigkeit

Essel war 1999 entstanden, als die Dresdner Dental Kosmetik sich von ihrer Tubenproduktion trennte. Damals übernahm die indische Essel-Gruppe 30 Mitarbeiter und die Anlagen und baute gemeinsam mit zwei weiteren Investoren im Jahr 2000 eine neue Fabrik im Technopark Nord - in Sichtweite des Chipproduzenten Infineon. Gut 25 Millionen Euro sind seitdem in den Standort geflossen. "Für eine Tubenanlage ist noch Platz, dann müssen wir erweitern.", sagt Matthias Lütkemeier. Doch das seien Pläne für die nächsten Jahre.

Dass sie Realität werden, ist für den Essel-Chef keine Frage. Denn die Kundschaft wächst kontinuierlich. Dazu gehören Abfüller für Drogeriemärkte wie dm und Rossmann sowie Markenartikler wie L'Oreal, Veet, Florena, Und natürlich der Mitgesellschafter Dental Kosmetik mit seinen Zahncremes Putzi, Perlodont oder Elkamed.

Weil der Markt für Zahnpasta unter den Großen der Branche wie GlaxoSmithKline, Colgate, Procter&Gamble sowie Unilever gefühlt seit Urzeiten aufgeteilt ist und die erwartbaren Margen eher klein sind, hat sich Essel auf die Kosmetikbranche konzentriert. Bis zu 40 Prozent des deutschen Marktes decken die Dresdner hier inzwischen ab.

Und weil gerade bei Kosmetik das Auge mitkauft, hat sich das deutsch-indische Joint-Venture vor etwa drei Jahren entschieden, seine Druckkompetenz auszubauen. Hochwertiger Kombinationsdruck, der früher an Dritte vergeben wurde, ist seitdem in die Essel-Produktion integriert. Ein Viertel der 130-köpfigen Belegschaft feilt mit an Farben und Design, hilft, die Maschinen für innovative Lösungen fit zu machen und sorgt für ein lupenreines Druckbild.

"Früher war unser Slogan: ,Wir sind die Dresdner Tubenmacher'", erzählt Lütkemeier. Doch es sei ein Fehler gewesen, die Druckkompetenz aus der Hand zu geben. Denn heute gilt: "Der Druck bestimmt die Wertigkeit der Tube", so der Essel-Chef.

Essen und Schuhcreme in Tuben

Dass sein Unternehmen die richtige Entscheidung getroffen hat, beweist eine Auszeichnung des europäischen Tubenverbandes ETMA. 2012 und 2013 wurde eine für L'Oreal hergestellte goldfarbene Verpackung "Tube of the year". Als Knüller in der Branche gilt, was Verbrauchern eher wenig auffällt: Die Laminattube kann inzwischen nahtlos bedruckt werden. Kein weißer Streifen, der das Druckbild stört. "Inviseam Technology" nennt Essel die in Dresden entwickelte Veredlung und ist sicher, dass das die Kunden honorieren. "Im Mai kommt eine neue Druckmaschine aus der Schweiz", kündigt Lütkemeier an. Dann werden die Angebote an die Kunden noch ausgefeilter. Für die Zwei-Millionen-Investition sucht Essel in absehbarer Zeit zehn Leute.

Doch Kosmetik deckt nicht das ganze Angebotsspektrum ab. In Essel-Tuben füllen auch zunehmend Lebensmittelhersteller Produkte wie zum Beispiel Senf oder Schokocreme (Nudossi) ab. Und auch in der Haushaltschemie mischt Essel mit: Der Schuhcremehersteller Erdal ordert in Dresden seine Verpackung, Waschmittel und Klebstoffe könnten langfristig hinzukommen, wagt Matthias Lütkemeier eine Prognose.

Rund eine Million Tuben verlassen das Werk täglich, an fünf Tagen in der Woche rattern die Maschinen im Dreischichtsystem. Im vergangenen Jahr lag der Ausstoß insgesamt erstmals deutlich über 200 Millionen Tuben, erzählt Lütkemeier. Zahlen zu aktuellem Umsatz und Gewinn nennt er mit Blick auf Konkurrenten nicht, avisiert aber fürs laufende Jahr erneut ein Wachstum von 15 Prozent.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.03.2014

Barbara Stock

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