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Die Dresdnerin Waltraud Rabich gibt seit fast 40 Jahren Tanzunterricht

200 verschiedene Tänze in petto Die Dresdnerin Waltraud Rabich gibt seit fast 40 Jahren Tanzunterricht

Waltraud Rabich gibt seit fast 40 Jahren Tanzunterricht – ehrenamtlich. 200 verschiedenen Tänze hat sie in petto. Im Sommer wird die grazile Frau 80 Jahre alt.

Waltraud Rabich (M.), hier mit Evelyn Weber (l.) und Helga Wolf, leitet den Kurs „Geselliger Tanz“ im Seniorenzentrum „Amadeus“.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Grazil und zugleich ein kleines bisschen wie aus der Zeit gefallen wirkt Waltraud Rabich in ihrer rosafarbenen Bluse und dem blauen Faltenrock. Manchmal streicht sie sich eine schlohweiße Haarsträhne, die ihr ins Gesicht fallen will, wieder nach hinten. Dann geht es los. Es ist Mittwoch, 17 Uhr. 15 ältere Damen und ein Herr sind heute zum „Geselligen Tanz“ ins Seniorenzentrum „Amadeus“ an der Striesener Straße 2 gekommen. „Bei uns heißt es nicht Seniorentanz, wir wollen doch alle noch keine Senioren sein“, erklärt Waltraud Rabich und schmunzelt ein bisschen. „Die Fischer von San Juan“ sind jetzt dran. Der Ohrwurm aus den 1980ern von Tommy Steiner gehört zu den Lieblingsmelodien der Frauen. Was man danach tanzt? Rumba natürlich. Kaum jemand muss der Lehrerin noch auf die Füße schauen. Die Schritte sitzen inzwischen. Und weil es nicht genügend Männer gibt - genau genommen ist es ja nur der eine - übernimmt die Hälfte der Damen eben den Herrenpart.

Der guten Laune tut das keinen Abbruch. „Tanzen macht schön“, ist Waltraud Rabich überzeugt. Es sei das charmanteste Fitnesstraining und außerdem gut für die Muskulatur, das Reaktionsvermögen, das Immunsystem und überhaupt. „Wir treten auch nicht auf, sondern tanzen nur zu unserer eigenen Freude“, sagt sie. Im September wird Waltraud Rabich 80 Jahre alt

Zwölf Kurse gibt die agile Frau pro Woche: „Montags und dienstags sind es drei, mittwochs einer, donnerstags und freitags zwei und am Sonntag noch mal einer.“ Sie finden nicht nur in Striesen, sondern auch in Zschertnitz, Klotzsche und in der Tanzschule Weise am Pohlandplatz statt. Ein Kurs dauert bei ihr anderthalb bis zwei Stunden. Je nachdem. Und Waltraud Rabich macht das alles ehrenamtlich. Um die 100 ältere Herrschaften tanzen bei ihr. Evelyn Weber ist mit 63 die Jüngste, die ehemalige Solotänzerin Elfriede John die Älteste. Sie ist 92 Jahre. „Manche Teilnehmerinnen kommen mit dem Stock, lehnen ihn an den Stuhl und los geht’s“, verrät die Tanzleiterin, die im Übrigen selbst Autodidaktin ist.

„Wir machen nicht nur Ringelringelreihe, wir sind anspruchsvoll“, sagt Waltraud Rabich selbstbewusst. Die Damen üben Walzer, Polka, Rumba, Cha Cha Cha und auch Linedance. Langweilig wird’s jedenfalls nicht, denn die Leiterin hat 200 verschiedene Tänze in petto. Und sie stellt auch selber Choreographien aus vorgegebenen Schrittfolgen zusammen. Die Schrittfiguren heißen z.B. „Birne“, „Spot turn“, „New Yorker“, „Balancer“, „Twisty Box“, „Hand to Hand“, „Cucaracha“, „Basketball“ und „Schlange“. „Und wenn‘s nur drei Schritte sind, das Ding hat einen Namen“, erklärt die zartgliedrige Frau. Einen Lieblingstanz hat Waltraud Rabich aber nicht.

Die rüstige Seniorin, jetzt gebrauchen wir die Bezeichnung doch, ist so ziemlich jeden Tag von früh bis spät auf Achse mit ihrem knallroten Toyota. Denn sie muss ja auch ihre Technik immer dabei haben – eine Sammlung von 100 CDs und oft auch den CD-Player. Seit 1961 fährt sie Auto. „Erst einen 353er Wartburg, nach der Wende dann einen VW und jetzt den Toyota“, berichtet sie. Mehrmals im Jahr gibt sie ein Tanzfest für alle. Da befördert sie dann schon auch mal noch den Laptop und die Lautsprecher im Wagen. Und zweimal im Jahr lässt sie sich weiterbilden: „Da fahre ich jeweils eine Woche auf Lehrgang“, sagt sie.

Der Tanz ist ihr Lebenselixier. „Ich bin fit – toi, toi, toi“, sagt Waltraud Rabich und klopft auf den Tisch. Wie lange sie das noch machen will? „So lange, wie es geht. Eigentlich noch länger. Also unendlich lange.“ Eigentlich würde sie gern noch zwei neue Kurse aufmachen. Aber es sei schwer, in Dresden bezahlbare Räume zu finden.

Dabei gibt die temperamentvolle Frau bereits seit 1978 Tanzkurse. Damals war sie 42 und ging arbeiten. „Ich bin Fotografin bei der Denkmalpflege gewesen – ein Knochenjob war das“, berichtet sie freimütig. Zum Tanzunterricht gekommen ist sie eigentlich über ihre Mutter: „Als mein Vater 1974 starb, saß sie zu Hause und war ganz verzweifelt, das kann man sich ja denken“, erzählt sie. Eine Jugendfreundin habe ihre Mutter, die eine leidenschaftliche Tänzerin war, auf den Gedanken gebracht, Tanzkurse zu geben. Der erste Kurs mit 30 Schülern fand dann einmal pro Woche bei der Volkssolidarität statt. Dem Tanz ist Waltraud Rabich bis heute treu geblieben. Tanzunterricht zu geben, hat sie zwar nicht zum Beruf gemacht. Aber es ist ihre Berufung geworden.

Von Katrin Richter

Dresden, Striesener Straße 2 51.048963 13.760241
Dresden, Striesener Straße 2
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