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Die Dresdner Sozialarbeiterin In Am Sayad Mahmood erhält am Donnerstag das Bundesverdienstkreuz

Die Dresdner Sozialarbeiterin In Am Sayad Mahmood erhält am Donnerstag das Bundesverdienstkreuz

In Am Sayad Mahmood ist eine kleine, zierliche Frau, die ihr Herz sprichwörtlich am rechten Fleck hat. Als ich ihre helle Vierraumwohnung mitten in der Dresdner Innenstadt betrete, empfängt mich die 58-Jährige mit einem breiten Lächeln und einer Umarmung.

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In Am Sayad Mahmood lebt seit 18 Jahren in Dresden und unterstützt mit viel Herzblut Asylsuchende.

Quelle: Carola Fritzsche

Der Duft von Weihrauch liegt in der Luft. Gemeinsam setzen wir uns auf ihr rotes Sofa. Ihre Wohnung zieren zahlreiche Fotos von der Familie, Wandteppiche und orientalische Gemälde fallen dem Besucher sofort ins Auge. In Am Sayad Mahmood schenkt mir einen Schluck Wasser ein. "Ich habe schon seit Wochen nicht mehr auf diesem Sofa gesessen", erzählt die Wahldresdnerin.

Dass Mahmood ihr Sofa nur selten nutzt, ist kein Wunder. Denn die 58-Jährige ist eine vielbeschäftigte Frau. Hauptberuflich ist sie im Ökumenischen Informationszentrum (ÖIZ) als Bildungsreferentin für den christlich-islamischen Dialog verantwortlich. "Ich gehe beispielsweise in Schulen oder Kirchgemeinden, um Vorurteile gegenüber dem Islam abzubauen. Das Bild der Religion ist durch Medienberichte stark verzerrt. Natürlich gibt es Menschen, die im Namen des Islam schlimme Dinge tun, aber deswegen ist nicht jeder Muslim böse", erklärt Mahmood. Das versucht sie auch, ihren Zuhörern zu vermitteln.

Neben ihrer Arbeit im ÖIZ engagiert sich die Sozialarbeiterin ehrenamtlich in fünf verschiedenen Gremien und Einrichtungen. So organisiert sie einmal pro Woche mit zwei Kolleginnen im Namen des Ausländerrates einen Frauentreff. "Dieser fand zum ersten Mal am 31. August 2009, kurz nach dem Mord an Marwa El-Sherbini im Dresdner Landgericht, statt", so Mahmood. Das Ziel des Treffens sei es gewesen, muslimischen Frauen ihre Ängste zu nehmen. Die Angst vor ihren Männern, die Angst davor, allein auf die Straße zu gehen, die Angst vor der ihnen unbekannten Kultur. "Als wir das erste Mal im Johannstädter Kulturtreff beisammen saßen, spürte man regelrecht die Bedenken und die Zurückhaltung der Frauen. Sie wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten, waren sich nicht sicher, ob sie überhaupt reden durften", erklärt die Dresdnerin. Doch durch die sprachlichen Kompetenzen der 58-Jährigen - sie spricht fließend arabisch und persisch - tauten die Teilnehmerinnen rasch auf und die Treffen wurden zu einem Erfolg. "Bald kamen auch Migrantinnen aus anderen Ländern", erzählt Mahmood. Mittlerweile sind die Frauen eine eingeschworene Gemeinde, sie unterstützen sich gegenseitig und helfen einander. "Wir haben beispielsweise eine Lehrerin, die einigen der Migrantenkindern Nachhilfe gibt", berichtet die ehrenamtliche Leiterin.

Vor 18 Jahren hat sie diese Hilfe ebenso gebraucht, wie viele Asylsuchende heute. 1996 floh die damals 40-Jährige mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern aus dem Irak: "Mein Mann wurde politisch verfolgt. Viele Jahre versuchten wir, uns zu verstecken, doch irgendwann hatten wir keine Kraft mehr. Also flohen wir nach Deutschland." Unbemerkt ein Land zu verlassen ist allerdings schwierig, noch schwieriger wird es allerdings, wenn man einen schwer behinderten Sohn hat. "Er war damals neun Jahre alt, saß im Rollstuhl. Die Flucht war sehr schwierig", erinnert sich die studierte Elektroingenieurin. In Deutschland angekommen, musste die Familie noch knapp zweieinhalb Jahre warten, bis ihr Asylantrag endlich für rechtskräftig erklärt wurde.

Ihre Erfahrungen und ihre Kraft gibt In Am Sayad Mahmood heute an andere Asylsuchende weiter. Neben ihrem wöchentlichen Frauentreff, arbeitet sie ehrenamtlich beim Gemeindedolmetscherdienst. Mit ihren Persisch- und Arabischkenntnissen unterstützt sie Flüchtlinge bei Behördengängen, ist bei der Schulanmeldung behilflich und steht Familien bei Arztbesuchen als Übersetzerin zur Seite.

Ein weiteres Ehrenamt führt die zweifache Mutter in die Justizvollzugsanstalt Dresden. Dort spricht sie mit den Insassen über Moral und Ethik. Bald soll sie zusätzlich eine Gruppe muslimischer Insassen zur Betreuung bekommen. Über Politik und aktuelle Geschehnisse spricht In Am Sayad Mahmood zudem regelmäßig mit einer Gruppe irakischer Männer. "Ich bin Mitglied im irakischen Kulturclub", so die Sozialarbeiterin. Und ganz nebenbei ist sie übrigens auch ein ehrenamtliches Mitglied im sächsischen Migrantenbeirat.

Für all diese selbstlosen Tätigkeiten bekommt die Dresdnerin am Donnerstag den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Gemeinsam mit 23 weiteren Bürgern wird sie von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue ausgezeichnet. Nominiert für den Preis hat sie der sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo. "Ich habe bereits im vergangenen Jahr den Sonderpreis des sächsischen Integrationspreis bekommen. Natürlich freue ich mich über diese Ehrungen, aber ich habe nie auf solche Preise hingearbeitet", erklärt Mahmood. Die Hilfsbereitschaft lege ihr einfach im Blut, sie könne gar nicht anders.

Dass ihr Engagement überhaupt möglich war, verdankt sie aber besonders ihrem Mann, der vor zwei Jahren starb. "Während ich meine Weiterbildungen absolvierte, arbeiten ging und mich ehrenamtlich engagierte, hat er sich um unseren Sohn gekümmert. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein."

Nadine Steinmann

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