Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Die Dresdner Medizinerin Antje Bergmann über die Grippewelle

Die Dresdner Medizinerin Antje Bergmann über die Grippewelle

Die Grippewelle hält Dresden auch weiterhin in Atem. Nachdem die beim Gesundheitsamt gemeldeten Fälle Anfang Februar von 121 auf 55 Erkrankungen pro Woche zurückgegangen waren, ist spätestens seit dem Ende der Winterferien wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.

Voriger Artikel
Keine Engstellen beim Krankenhauspersonal in Dresden
Nächster Artikel
Baugenehmigung für Einkaufszentrum an der Großenhainer Straße in Dresden-Pieschen steht

Prof. Antje Bergmann

Quelle: privat

Allein vorige Woche wurden nach Angaben der Stadt 152 neue Influenza-Fälle registriert. Davon entfielen 25 auf den H1N1-Erreger, der auch als Schweinegrippe bekannt ist. Seit Jahresbeginn sind 505 Dresdner an Grippe erkrankt. Obwohl die Influenza jedes Jahr auftritt, gibt es noch immer viele Missverständnisse. Vor allem der Unterschied zum grippalen Infekt ist vielen nicht klar. Um Licht ins Dunkel dieser Krankheit zu bringen, haben wir mit Professor Antje Bergmann gesprochen, die am Universitätsklinikum der TU Dresden den Lehr- und Forschungsbereich Allgemeinmedizin leitet.

Frage: Wie schätzen Sie die gegenwärtige Grippewelle ein?

Antje Bergmann: Seit etwa zwei Wochen bemerken wir nach dem Ende der Winterferien wieder einen Anstieg der Infektkrankheiten. Es ist aber zum jetzigen Zeitpunkt schwer abschätzbar, ob es mehr als im letzten Jahr sind, weil in dieser Jahreszeit immer viele virale Infekte auftreten.

Was versteht man eigentlich darunter, wenn man gemeinhin sagt, jemand habe die "Grippe"?

Meist ist ein Virusinfekt gemeint mit Schnupfen, Husten, Halsweh, Kopf- und Gliederschmerzen, keine "richtige" Grippe.

Welchen Unterschied gibt es zum grippalen Infekt?

Eine Influenza zeichnet sich durch einen plötzlichen Beginn mit hohem Fieber, trockenem Husten, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen sowie einem Schwächegefühl aus. Wenn Patienten derartig erkrankt sind, möchten sie in der Regel gar nicht aufstehen. Eine Virusinfektion durch andere Viren hat hingegen oft einen eher schleichenden Beginn. Sie tritt nicht so schlagartig auf und die Symptome sind etwas schwächer. Es können aber auch Husten, Schnupfen und Fieber auftreten. Wenn man sich unsicher ist, dann sollte man zum Hausarzt gehen.

Kann man sich durch eine Impfung wirksam schützen?

Die jährliche Grippeschutzimpfung ist tatsächlich eine hervorragende vorbeugende Maßnahme gegen die Infektion mit den Influenzaviren A und B. Sie wird jährlich an die zu erwartenden Stämme angepasst und in der Regel von den Patienten gut vertragen.

Auf welche Weise steckt man sich an?

Die Infektion passiert über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch, daher sollte man kranke Menschen meiden sowie beim Niesen die Nase säubern und die Hände waschen. Außerdem wäre es ratsam, das Händeschütteln möglichst zu meiden.

Wie lange dauert es, bis Symptome auftreten?

Bei der "richtigen" Influenza kommen die Symptome sehr rasch - oft ein bis drei Tage nach der Infektion.

Wie kann eine Influenza-Erkrankung diagnostiziert werden?

Bei Verdacht könnte ein Erreger-Schnelltest mit einem Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum durchgeführt werden. Bei dieser Methode werden aber nicht alle Ausprägungen der Influenza erkannt. Als weitere Möglichkeit gibt es Erregernachweise im Blut selbst. Diese sind jedoch nicht schnell ablesbar. Unter Umständen muss man zwei bis drei Werktage auf das Ergebnis warten.

Was sollten Erkrankte beachten?

Wichtig ist die körperliche Schonung. Das heißt, wenn man im Arbeitsleben steht, ist man arbeitsunfähig und sollte die Signale des Körpers auch ernst nehmen. Zudem ist es notwendig, für ausreichend Flüssigkeit zu sorgen und sehr viel zu trinken. Das Fieber kann mit entsprechenden Medikamenten wie zum Beispiel Paracetamol gesenkt werden. Husten und Schnupfen sollten symptomatisch angegangen werden, zum Beispiel mit pflanzlichen Hustenlösern (Thymian, Efeu) oder Inhalationen mit Sole. Natürlich sollte man es vermeiden, andere in der Familie oder Bekanntschaft anzustecken. Es gilt daher - Abstand halten!

Welche Therapie steht für Grippekranke zur Verfügung?

Wenn man sicher ist, dass es sich um eine Influenza-Erkrankung handelt, kann man sogenannte Neuraminidasehemmer wie zum Beispiel Ostelamivir (Tamiflu) verordnet bekommen. Diese greifen an der Virusoberfläche an, verändern sie und verhindern eine Aufnahme in die Wirtszelle oder das Freisetzen von neuen Viren aus der Wirtszelle. Dafür muss aber ein sehr rascher Therapiebeginn nach dem Ausbruch der Krankheit gewährleistet sein. Wie bei allen Medikamenten treten jedoch auch hier Nebenwirkungen auf. Deshalb immer das Für und Wider abwägen - meist reichen die anderen Maßnahmen völlig aus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.02.2013

Hönigschmid, Stephan

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.