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Die Dresdner Farb- und Stilberaterin Gisela Braune entdeckt in Menschen ungeahnte Dinge

Die Dresdner Farb- und Stilberaterin Gisela Braune entdeckt in Menschen ungeahnte Dinge

Gisela Braune ist wie ein warmer Frühlingswind. Sie öffnet die Tür, wedelt die Gäste in ihr hell-freundliches Atelier hinein, bittet an den Tisch und serviert erst einmal einen Kaffee.

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Frühling, Sommer, Herbst und Winter: Die Farbtypologie strikt nach Jahreszeiten ist längst überholt. "Oft sind wir von jedem ein bisschen", erklärt Gisela Braune der Autorin.

Quelle: Carola Fritzsche

Dabei strahlt sie, reicht den Zucker hinüber und vermittelt so ein festliches Gefühl, als ob Geburtstag und Weihnachten zusammenfallen. Feierlich ist es ja auch irgendwie: Immerhin dreht sich bei ihr in den nächsten Stunden alles um den geneigten Gast. Dieser nippt gerade noch am Kaffee und versucht mit großen Augen bunte Raumfragmente zu erfassen. Noch weiß er nicht, was ihm blüht. Irgendwas mit Orientierung und Persönlichkeitsbetonen.

Gisela Braune ist Farb- und Stilberaterin in Dresden. Kunden aller Branchen haben schon einmal bei ihr auf dem Stuhl gesessen. Die charismatische Dame berät Bänker und Versicherungskaufleute, sitzt mit Kreativen zusammen und Ärzten, analysiert Steuerfachleute und Weinkenner. Nein, hier sitzen nicht nur Frauen. Auch viele Männer lassen sich von Gisela Braune beraten. Sie hoffen, dass sie dann mehr Verträge abschließen, höhere Umsätze generieren oder größeren Erfolg in der Damenwelt haben. Manche werden auch geschickt - vor großen Anlässen von der Partnerin, Freunden oder auch von der eigenen Mutter. Gäste aus allen Altersgruppen gehen bei der Stilberaterin ein und aus. Wer allerdings denkt, hier handelt es sich nur um profane Äußerlichkeiten, hat sich kräftig geirrt. Gisela Braune geht es um das große Ganze, um den Menschen, seine Persönlichkeit und seine Ausstrahlung. Und das fängt bei der Physiognomie an.

"Ich sehe in Ihnen einen sehr kommunikativen Menschen", legt die Expertin auf einmal los. "Alles, was im Gesicht nach vorn geht, deutet auf Kommunikation." Dabei dirigiert sie zum Drehstuhl vor dem Spiegel und strahlt immer noch. Die Nase, fährt sie fort, deute darauf hin, dass ich mich durchsetzen kann. "Ein großer Augenabstand weist auf eine weitsichtige Denkweise hin", erklärt Braune. "Enganliegende Augen hingegen stehen für detaillierte Betrachtungen, für Menschen die sehr genau sind." Tiefliegende Augen seien ein Zeichen für Tiefgründigkeit. Anscheinend kann man dem Körper nicht nur ansehen, welches Leben er führt, sondern auch welcher Charakter ihm innewohnt. Gisela Braune jedenfalls muss es wissen. Sie hat eine Psycho-Physiognomik-Ausbildung an der Dresdner Heilpraktikerschule und bei Wilma Castrian in Hannover sowie Seminare zu Physiognomie und Körpersprache in den Niederlanden absolviert. "Wenn man einen Menschen lesen kann, kann man ihn viel besser verstehen", sagt Braune. "Stil hat was mit Gefühl zu tun".

Neben großen Mündern, die sprechen wollen, sozialen Nasen und sanftmütigen Wangen hat Gisela Braune auch verdammt viele Geschichten zu erzählen. Von Frauen, die ein Rezept für gutes Aussehen wollen, von dem alternativen Typen, der im neuen Look doch noch einen Kredit für sein Start-Up erhielt. Oder der Görlitzer Dame, die nach Arbeitslosigkeit beim Bewerbungsgespräch punktete und Gisela Braune heute noch Dankesbriefe schreibt. "Menschen müssen sich nicht verkleiden", sagt Braune. Wichtig sei mit Farben, Formen, Mustern und Stil die Persönlichkeit zu unterstreichen. "Dann wirkt auch ein lässiger Mann im Sakko nicht verkleidet."

Wenn Gisela Braune ihre Kunden berät, gibt es keinen Bereich, den sie nicht unter die Lupe nimmt. Angefangen bei einer ausführlichen Farbanalyse geht es über die Frisur, zur Brille und zur Kleidung, die Expertin informiert über Make-up und Schmuck, Krawatten und Hemdknöpfe. "Muster zeigen die Denkstruktur der Menschen", sagt Braune. Während Nadelstreifen für Geradlinigkeit stehen, zeugen wilde Muster von Kreativität. Menschen die Unifarben lieben, seien klar in ihrem Denken und strukturiert. Mathematiklehrer zum Beispiel trügen erstaunlich oft Karomuster. "Im Grunde suchen wir uns automatisch den Stil, der zu uns passt", erklärt die Stilberaterin. Durch die Beratung würden lediglich bestimmte Facetten hervorgehoben, welche die Persönlichkeit besonders unterstreichen.

Die Expertin berät seit mehr als zwanzig Jahren im gesamten Bundesgebiet sowie in Österreich, Bulgarien und Estland nicht nur Privatperso- nen, sondern auch Mitarbeiter von Unternehmen in Farbe, Stil und Image. Eigentlich ist die geborene Erzge- birglerin Diplomarchitektin. Schon früh hat sie sich jedoch auf Stil- und Farbberatung konzentriert. "Kleidung ist Architektur am Körper", sagt sie heute.

Seit 1990 tourt sie in Deutschland und der Region Dresden umher. Die Spezialistin arbeitet eng mit Friseuren und Optikern zusammen und hat eine Palette von 2000 Farben, die sie in verschiedenen Kombinationen an den Gästen testet. Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterfarbtypen soll es geben, denken viele Menschen. "Es ist alles viel komplexer", sagt Gisela Braune. "Menschen lassen sich nicht in eine Schublade stecken, man darf nie pauschalisieren." Die meisten Frauen und Männer seien Mischtypen und hätten Eigenschaften mehrerer "Jahreszeiten".

Das letzte Seminar der Expertin ist nach kurzer Zeit voll gewesen. Zum Thema "50 sind die neuen 30" haben sich Damen mittleren Alters von Kopf bis Fuß beraten lassen. "Alles was hängt - zum Beispiel lange Ohrringe - macht älter", warnt Braune. Und auch Beige, von vielen gern genutzt, sei absolut nicht zu empfehlen. Braune hat noch viele weitere Tipps und Tricks auf Lager: Dreiviertel-Ärmel machen die Beine länger, Kurzarm-Hemden sollten Männer im Business-Bereich meiden. Und: "Jeans und Schlips geht nicht miteinander, das sind 80er."

Trotz aller Euphorie warnt die Stilberaterin: "Schönheit darf nicht zum Lebensinhalt werden." Zwischen einer gut gekleideten Person und einer Persönlichkeit liege ein himmelweiter Unterschied. "Kleidung kann vieles bewirken, sie ist aber nicht imstande, über eine unterentwickelte Persönlichkeit hinwegzutäuschen."

Zum Abschluss drückt mir Gisela Braune einen Farbfächer in die Hand und verweist auf den Philosophen Arthur Schopenhauer mit seinen Satz "Stil ist die Physiognomie des Geistes." Dabei strahlt sie wieder und fährt fort. "Guter Stil drückt sich in einer authentischen Persönlichkeit aus. Er ist ein Gesamtkunstwerk aus modischem Gespür und Persönlichkeit, aus Understatement und Offenheit, sowie Mut zum Tabubruch. Dazu gehören innere Zufriedenheit und ganz viel Selbstwertgefühl."

Katrin Tominski

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