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Die Dresdner Ärztin Annett Göhler war eine Woche lang zum Lernen in der größten Geburtsklinik Asiens

Die Dresdner Ärztin Annett Göhler war eine Woche lang zum Lernen in der größten Geburtsklinik Asiens

Über die Geburtenzahlen aus Dresdner Kliniken für 2014 würde man im Fabella-Hospital in Manila wahrscheinlich höflich lächeln: 2519 Babys im Uniklinikum? 1356 im Diakonissenkrankenhaus? In der größten Geburtsklinik Asiens kommen im Schnitt 150 Babys am Tag zur Welt.

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Im Fabella-Hospital in Manila werden täglich 100 bis 200 Kinder geboren. Die Mütter bleiben 24 Stunden in ärztlicher Obhut - die Zeit verbringen sie in großen Sälen, in denen sie sich untereinander helfen. Wichtig: Gesunde Babys bleiben immer in engem Kontakt zur Mutter. Die Dresdner Ärztin Annett Göhler hat in Manila das Kiss-Syndrom untersucht - ein Symmetrieschaden bei Babys, der während der Geburt durch den Zug am Kopf entsteht. Das Problem ist unkompliziert zu beheben, wenn man weiß, wie es

Quelle: privat

Oft mehr. Macht schon pro Monat mindestens 4500! 1000 Mütter werden ständig stationär betreut - wenn auch jeweils nur für 24 Stunden, erzählt Dr. Annett Göhler.

Die Dresdner Ärztin war Anfang Januar im Fabella-Hospital, um zu lernen. "Die Globalisierung macht doch auch vor uns Ärzten nicht halt", begründet sie, warum sie sich alle zwei Jahre auf den Weg macht nach China, Indien oder in andere Teile der Welt. Sie hat in Dresden immer wieder auch Patienten aus völlig anderen Kulturkreisen. Denen kann sie in ihrem Verständnis von Medizin nur helfen, wenn sie eine Ahnung davon hat, "unter welchen Bedingungen sie aufgewachsen sind, welche Regeln sie geprägt haben, wie sie sich hauptsächlich ernährt haben, welche Besonderheiten es gab." Und sie möchte lernen, wie ihre "Kollegen in diesen anderen Regionen arbeiten", sagt sie.

Der unaufgeregte Umgang mit dem Thema Geburt in Manila hat ihr imponiert - bei allen Problemen der Philippinen mit Kindersterblichkeit und Großfamilien. Im Fabella liegen jeweils 140 Mütter in großen Sälen - in der Regel zu viert in zwei zusammengeschobenen großen Betten, wo sie sich gegenseitig helfen. "Dadurch", so Annett Göhler, "benötigt die Klinik viel weniger Betreuungspersonal." Die Frauen sind zwischen 16 und 42 Jahre alt - viele haben schon sieben und mehr Kinder und daher eine große Routine.

Den Mittellosen bezahlt der Staat die zwei Euro, die so eine Geburt dort kostet. Wenig? Keineswegs, wenn man bedenkt, dass eine zwölfköpfige Familie in Manilas Armenvierteln mit vier Euro am Tag auskommen muss. Ein Gesetz zur Familienplanung gibt es in dem streng katholischen Staat erst seit zwei Jahren - es erlaubt die Verteilung von Kondomen und die Sexualaufklärung an Schulen. Doch so schnell lässt sich ein Land nicht umkrempeln: Obwohl der Papst gerade deutliche Worte dazu gefunden hat, gilt Verhütung als Sünde.

Das Lernen in Manila war für Dr. Göhler keine Einbahnstraße. Die Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, die auch viel als Dozentin für Manuelle Therapie und für Akupunktur unterwegs ist, hat sich hier mit dem Kiss-Syndrom befasst. Weil eine Geburt selten abläuft, ohne dass das Baby am Kopf gepackt und herausgezogen wird, kann diese Symmetriestörung auftreten. In Deutschland gehört es zur Standardausbildung, Kinder daraufhin zu untersuchen und die Wirbel mit einem kleinen Dreh wieder ins Lot zu rücken. Annett Göhler hat das in Manila hundertfach getan und viel Interesse geerntet. Geld, das sie in Dresden eigentlich für einen Inkubator im Fabella gesammelt hat, wird nun umgewidmet: "Damit wollen die Kollegen jetzt die Ausbildung junger Ärzte in manueller Therapie bezahlen".

Den Inkubator haben die philippinischen Mediziner rundweg abgelehnt: Sie bräuchten 50, um den Bedarf annähernd zu decken. Täglich zu entscheiden, welches Frühgeborene in den Inkubator darf, das sei ihnen unmöglich, schildert die Ärztin aus Dresden das Dilemma, in dem ihre gut ausgebildeten, aber spartanisch ausgerüsteten Medizinerkollegen in Manila stecken. "Sie versuchen dort zwar alles, um die Kindersterblichkeitsrate zu senken", sagt sie, doch die Entscheidung über Leben und Tod, liege eben, nun ja, ausschließlich bei Gott.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.01.2015

Barbara Stock

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