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Die Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden sind auf der Suche nach neuen Wachstumsbereichen

Die Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden sind auf der Suche nach neuen Wachstumsbereichen

Mit großen, edlen Yachten kennt sie sich schon aus; bald könnten luxuriöse Privatjets dazukommen. Die Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH sucht nach Wachstumsmöglichkeiten.

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Tischlermeister Christian Edert (re.) und Tischleraltgeselle Maik Lotzmann arbeiten in den Deutschen Werkstätten Hellerau an einer Zimmer-Tür für ein Pariser Appartement.

Quelle: Christian Juppe

Das Traditionsunternehmen prüft derzeit, neue Märkte zu erschließen oder die Produktpalette zu erweitern, teilte Firmensprecherin Eva Schläfer auf DNN-Anfrage mit.

Es gebe so etwa Gedankenspiele, ins Flugzeug-Geschäft einzusteigen. Erste Gespräche würden geführt, hört man aus der Forschungsabteilung der Werkstätten. "Wenn wir uns dem Innenausbau von Flugzeugen zuwenden sollten, dann würde dies nur Einzelanfertigungen für große Flieger von Privatpersonen betreffen", erklärt die Sprecherin weiter. Inneneinrichtung in Serie zu produzieren, entspreche nicht der Unternehmensstrategie.

Die 1898 von Karl Schmidt gegründeten Deutschen Werkstätten zählen zu den führenden Anbietern für hochwertigen Innenausbau und Innenarchitektur weltweit. Nach der Reprivatisierung 1992 entfernte sich das mittelständische Unternehmen davon, seriell zu fertigen, um einem breiten Publikum hochwertige Einrichtungen zu erschwinglichen Preisen anbieten zu können.

Vielmehr legt der laut eigenen Angaben mit 21 Lehrlingen größte Ausbildungsbetrieb für Tischler in Sachsen seither sein Augenmerk auf den Innenausbau von Villen, Residenzen, Unternehmensstandorten und vor allem auf die Einrichtung von so genannten Megayachten. Von Schiffen also, die länger als 60 Meter sind. Zudem werden häufiger Sonderanfertigungen verwirklicht, wie zum Beispiel das vom britischen Getränkekonzern Diageo bestellte, von Porsche Design erdachte wuchtige metallene Bar-Möbel zur Aufbewahrung von Magnum-Flaschen der Marke Johnny Walker - Blue Label.

Die größte Yacht der Welt

Derzeit tüfteln die Dresdner ferner an Lösungen für den Innenausbau der größten Yacht der Welt. Das zirka 180 Meter lange Boot eines Auftraggebers aus dem Mittleren Osten wird laut Eva Schläfer Ende 2013 fertig gestellt.

Das Yacht-Geschäft macht derzeit rund 40 Prozent der Firmenaufträge aus. Der Umsatz lag 2012 bei rund 40 Millionen Euro und konnte damit im Vergleich zum Jahr zuvor um fünf Millionen gesteigert werden. Die Umsätze lägen damit in etwa auf dem Niveau vor Beginn der Wirtschaftskrise, in der die jährlichen Umsätze auf rund 21 Millionen Euro zurückgegangen seien.

Seit 2002, als die erste Mega-Yacht zu Wasser gelassen worden war, bei der die Werkstätten beteiligt waren, schippern sieben der 16 größten Yachten der Welt mit Mobiliar, Wandverkleidungen und Technik aus dem Dresdner Norden. Der Sultan von Oman, der saudische König und sehr reiche Unternehmer zählen zu Auftraggebern der Boote, die mit Beteiligung der Dresdner Experten meist in deutschen Werften gebaut werden.

80 Tonnen Dämmmaterial

Auch bei der "Octopus" von Microsoft-Mitgründer Paul Allen aus den USA war das Wissen der Sachsen gefordert. Denn der Multimillionär wollte auf seiner Yacht ein eigenes Musikstudio einrichten. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, doch nicht zu kniffelig für die Dresdner. "Dort sollte Musik aufgezeichnet und es daher von äußeren Akustikquellen, von Motoren und anderem, abgeschirmt werden", erinnert sich Hans Glöckner, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Deutschen Werkstätten. Die Holz-Blei-Verbindungen, die sie schließlich zur Geräuschreduzierung verschraubt hatten, wogen aber fast 80 Tonnen. Dennoch wurden gesetzliche Normen eingehalten und den Ansprüchen der Kunden und Designer entsprochen. "Wir können vieles, nur nicht die Naturgesetze außer Kraft setzen", erklärt Glöckner. "Ein Designer wollte so etwa Nussbaum-Massivholz für die Inneneinrichtung verwenden. Und das Holz sollte nicht brennbar sein - das geht natürlich nicht."

Stattdessen kämen immer häufiger nicht brennbare, direkt bei den Werkstätten entwickelte Holz-Verbundstoffe zum Einsatz. Sie sehen massiv aus und erfüllen die strikten gesetzlichen Materialvorgaben für solche Riesen-Yachten.

Das Know-how aus Hellerau ist rund um den Globus gefragt, wobei Mitarbeiter der Werkstätten vor allem in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und der Schweiz aktiv sind. Als Komplettanbieter für den Innenausbau setzen die Dresdner die Kundenwünsche und Vorgaben von international agierenden Designern um und koordinieren dabei zusammen mit Partnern aus anderen Verarbeitungsbereichen in In- und Ausland die Arbeitsprozesse von Konstruktion über Fertigung bis zum Einbau.

Die rund 220 Mitarbeiter in Hellerau haben derzeit alle Hände voll zu tun. In dem rund 10 000 Quadratmeter großen 2006 bezogenen Produktions- und Bürostandort gegenüber der alten denkmalgeschützten Werkstätten wird geforscht, konstruiert, gefertigt und verkauft. Da die Auftragslage gut, deutsche Fachkräfte aber rar seien, werben die Deutschen Werkstätten im Ausland um Spezialisten. Ende Juni organisiert das Unternehmen laut Eva Schläfer in Spanien eine Job-Messe. Schrittweise sollen zehn neue Konstrukteure für das Werk in Dresden eingestellt werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.06.2013

Klingbeil, Stephan

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