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"Die Bienen flüchten in die Stadt". Projekt "Biene sucht Blüte" - Dresden soll summen

"Die Bienen flüchten in die Stadt". Projekt "Biene sucht Blüte" - Dresden soll summen

Überall ist vom Bienensterben die Rede. Doch in Dresden gibt es keinen akuten Mangel an Honigbienen, heißt es. Über diesen Widerspruch sprach DNN mit den beiden Imkern Alexander Schlotter, Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Biene sucht Blüte" im Imkerverein Dresden, und Tino Lorz, Stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins Dresden.

Frage: Ist das propagierte Bienensterben Unsinn?

Tino Lorz: Nein. Grundsätzlich sind alle Bienen gefährdet. Ihnen machen Pflanzenschutzmittel und Monokulturen zu schaffen. Von den einst in Sachsen existierenden 411 Wildbienenarten sind zwei Drittel ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Auch weil ihnen Nistmöglichkeiten wie Totholz, Trockengraswiesen und Ödland sowie geeignete Blütenpflanzen fehlen, ihnen also Lebensräume und Nahrungsgrundlagen genommen werden. Die Honigbiene ist zusätzlich von der vor 30 Jahren eingeschleppten Varroamilbe bedroht. Sie kann mittlerweile nicht mehr in der freien Natur überleben, sondern in Deutschland nur mit Hilfe des Imkers existieren. Und deren Zahl ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter zurückgegangen. Doch in Dresden ist eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Man könnte sagen, die Bienen flüchten in die Stadt. Denn hier gibt es durch die vielen Kleingärten, Grünanlagen, bepflanzten Balkons, die Elbwiesen, die Heide, Ödland und die vielen Bäume viel mehr Blütenpflanzen als in ländlichen Gegenden und immer mehr Leute, die ein Bewusstsein für die Natur entwickeln und bewusst wieder Lebensräume auch für die Bienen schaffen wollen.

Und wie sieht es mit dem Imkernachwuchs aus?

Tino Lorz: In Dresden steigt die Zahl der Imker wieder an. Der typische Imker hier ist relativ jung und weiblich - ganz anders übrigens als auf dem Land. Der Imkerverein Dresden hat gegenwärtig 150 Mitglieder. Das sind doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Das ist erfreulich, aber nicht zufriedenstellend. Denn in den 1920er Jahren zählte unser Verein 550 Imker.

Alexander Schlotter: Manche machen durchaus die Beobachtung, dass es in ihrem Kirschbaum nicht summt. Meist sind dies Bewohner des Stadtrandes im Übergang zum ländlichen Raum. In der Dresdner Innenstadt jedoch ist die Bienendichte sehr hoch. Wir vermuten, dass zu den 150 Imkern des Imkervereins noch mal so viele Dresdner hinzukommen, die Imkerei betreiben, aber nicht im Verein organisiert sind.

Wozu gibt es das vor einem Jahr ins Leben gerufene Projekt "Biene sucht Blüte"?

Alexander Schlotter: Unser Ziel ist es, Wildbienen zu schützen, die ökologische Honigbienenhaltung zur fördern und die Lebensbedingungen für Wild- und Honigbienen zu verbessern. Mit der Honigbiene als Botschafterin wollen wir die über 400 sächsischen Wildbienenarten ins Licht der Öffentlichkeit rücken, um Lösungsansätze gegen den Verlust von Nahrungsgrundlagen und Lebensraum zu diskutieren.

Was konkret unternehmen Sie, um diesem Ziel näher kommen?

Alexander Schlotter: Wir halten Vorträge, organisieren Workshops und führen Informationsveranstaltungen durch, um Ämter, Institutionen, Firmen und Vereine zum Mitmachen zu bewegen und die Menschen darüber aufzuklären, was sie selbst für den Schutz und die Versorgung der (Wild)bienen tun können. Der eigene Balkon zum Beispiel ist ein hervorragendes Betätigungsfeld, indem man Pflanzen auswählt, die als Bienenweide dienen.

Zum Beispiel?

Tino Lorz: Kräuter, Erdbeeren, Tomaten, Heidekraut. Auch ein Rosenstock lockt Bienen an. Wichtig ist, möglichst einheimische Pflanzen zu wählen, die keine geschlossenen Blüten haben. Pelargonien sind für Bienen wertlos.

Welche Firmen, Institutionen und Ämter haben Sie denn schon zu Bienenfreunden gemacht und wie unterstützen diese das "Biene sucht Blüte"-Projekt?

Alexander Schlotter: Ganz aktuell unterstützt uns das Hygiene-Museum. An der Gebäude-Südseite unmittelbar am Blüherpark haben jetzt zwei Bienenvölker ein neues Zuhause. Der aus den Bienenstöcken gewonnene Honig soll künftig im Museumsshop verkauft werden. Zudem wird künftig das Thema Biene bei Bildungsveranstaltungen eine Rolle spielen, vor allem im Zusammenhang mit der im September ge-planten Eröffnung des neuen Museums-Themenraumes über das Essen und Trinken.

Weitere Partner sind der Naturgarten e.V., der Verein Lebensträume, die Nabu Regionalgruppe Meißen, das bundesweit agierende Netzwerk blühende Landschaft, das Kooperationsprojekt "Insekten Sachsen" der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, des Naturschutzfonds und des Arbeitskreises Entomologie im NABU Landesverband Sachsen. In den Dresdner Gemeinschaftsgärten stoßen wir auf großes Interesse. Sehr glücklich sind wir auch über die Zusammenarbeit mit der Stesad. Auf einem kleinen begrünten Stesad-Büro-Balkon auf der Königsbrücker Straße haben wir die erste Bienenbeute der Initiative "Biene sucht Blüte" aufgestellt.

Tino Lorz: Die Stesad GmbH und der Imkerverein Dresden richten gerade den ersten gemeinschaftlichen Honigschleuderraum in einer deutschen Großstadt ein. Damit wird Imkern in Dresden einfach, weil sich nicht jeder seinen eigenen Honigschleuderraum schaffen muss. Das ist nicht nur eine Platz-, sondern auch eine Geldfrage. Denn die Ausrüstung dafür kostet rund 3000 Euro.

Unterstützt die Stadt Dresden die Bieneninitiative?

Tino Lorz: Ja. Nur so können wir auch das Ziel erreichen, dass Dresden die deutsche "Bienenstadt" wird. Das Amt für Stadtgrün hat uns die Türen zur Zusammenarbeit geöffnet. Bei der Planung, Bepflanzung und Pflege von Grünanlagen kann man viel für Bienen tun. Die Hauptbibliothek möchte in ihrem neuen Domizil im Kulturpalast eine Bienenbibliothek anlegen. Und es steht das Konzept, um künftig Bienenweide-Saatgut und Dresdner Honig bei der Dresden-Information als Souvenir aus der "Bienenstadt Dresden" zu verkaufen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.04.2014

Catrin Steinbach

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