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Die Becken halten das Wasser

23 Millionen Euro Investition in Dresden-Kaditz Die Becken halten das Wasser

Becken eins hat den Test bestanden. Es ist dicht. Jetzt kommt Becken zwei dran. Ist das Ergebnis wieder positiv, fließt ab April 2017 Abwasser. Die Stadtentwässerung Dresden investiert 23 Millionen Euro in neue Kapazitäten. Die werden wegen des Bevölkerungswachtsums dringend benötigt.

Treffer und versenkt: Johannes Pohl beim Einschlagen des letzten Nagels.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Fünf Millimeter machen den Unterschied: Wenn der Wasserspiegel im ersten neuen Klärbecken um diese minimale Differenz gesunken wäre, hätten die Bauarbeiter nacharbeiten müssen. „Dann hätten wir die Dichtigkeitsprüfung nicht bestanden“, erklärt Kirsten Bollrich, Projektleiterin bei der Stadtentwässerung Dresden (SEDD). Doch der Wert blieb innerhalb der erlaubten Toleranz, deshalb konnte das Entsorgungsunternehmen feiern: Richtfest für die beiden neuen Becken auf der Kläranlage in Kaditz.

Wobei der Begriff Richtfest komisch anmutet für ein Bauwerk ohne Dach, merkte SEDD-Geschäftsführer Johannes Pohl an. Bergfest trifft es vielleicht besser, meinte SEDD-Prokurist Ralf Strothteicher. Die Hälfte des drittgrößten Investitionsvorhabens der SEDD seit 1990 ist abgeschlossen. Bis 2018 investiert das Unternehmen 23 Millionen Euro in den Neubau zweier Umlaufbecken und zweier Umlaufverteiler mit einer Gesamtkapazität von 48 Millionen Kubikmeter Abwasser.

Die neuen Becken sind laut Pohl ein Erfordernis des Bevölkerungswachstums. „Seit 2005 sind die Schmutzfrachten Jahr für Jahr gestiegen – ein Ausdruck für eine positive Einwohner- und Gewerbeentwicklung.“ Die Schallmauer von 30 Millionen Kubikmeter Abwasser aus Dresden sei im vergangenen Jahr durchbrochen worden, hinzu kämen zehn Millionen Kubikmeter aus dem Umland. Unter anderem Pirna und Heidenau lassen das Abwasser in Dresden klären, ab 2018 kommen Wilsdruff, Ortsteile von Freital, Tharandt und Klipphausen dazu. Der Abwasserzweckverand „Wilde Sau“ will laut Pohl das Abwasser entlang der Autobahn 4 nach Dresden pumpen, das sind eine Million Kubikmeter zusätzlich.

„Wir wollen nur das bauen, was wir benötigen“, so der SEDD-Geschäftsführer, überdimensionierte Anlagen werde es in Kaditz nicht geben. Dafür aber Reserveflächen, falls größere Kapazitäten benötigt werden. „Ab November reißen wir alte Becken ab und könnten dort bei Bedarf neue errichten“, so Torsten Dörnbach, Projektmitarbeiter bei der SEDD.

Hält auch das zweite Becken das Wasser, dann wird ab April Abwasser in den Neubauten fließen. Zuvor müssen sie aber noch mit der Elektro- und Maschinentechnik ausgestattet werden. So werden Rührwerke eingebaut, die den Abwasserstrom in Bewegung halten. 1100 Belüfter-Teller aus einer Gummimembran pro Becken werden Luft einblasen, um den Stoffwechsel der Mikroorganismen anzuregen, die das Abwasser reinigen, erläutert Strothteicher.

Die SEDD verfolgt ehrgeizige Ziele: „Wir wollen weniger Chemie für die Klärung verwenden“, kündigt der Prokurist an, „und trotz der größeren Anlage wollen wir nicht mehr Energie verbrauchen.“Das klinge einfacher, als es ist: Die Belüftung der Becken sei ein wahrer Stromfresser.

Intern gehe die SEDD von 600 000 Einwohnern in Dresden in naher Zukunft aus. 96 000 Kubikmeter Kapazität stünden in den sechs im Jahr 2005 eingeweihten Becken zur Verfügung, nun kämen noch einmal 50 Prozent dazu. „Damit sind wir erst einmal für die Zukunft gewappnet“, so Strothteicher.

Das Vorhaben sei in 21 Baulose aufgeteilt worden, um Betrieben aus Dresden und Umgebung die Chance zu geben, sich um einen Auftrag zu bewerben. „Außerdem sparen wir uns die Gebühr für den Generalunternehmer, die bis zu 20 Prozent des Bauvolumens betragen kann“, so Strothteicher, der die Baufirmen für das Halten von Terminen und Kosten lobte.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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