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Die Angst spielt mit

Zweites interkulturelles Kinder- und Jugend-Fußballturnier in Prohlis Die Angst spielt mit

Am Mittwoch fand in der Turnhalle des alten Gymnasiums Dresden-Prohlis das zweite "Kicken für Alle", ein interkulturelles Kinder- und Jugend-Fußballturnier, statt. Doch anders als beim ersten Hobby-Turnier im Mai nahmen nur vergleichsweise wenige Spieler teil.

Quelle: Miriam Harner

Dresden. „Los schnell, Justin, gib ab!“ – „Ahmed, pass auf, hinter dir!“ Turnschuhe quietschen begeleitet von hektischem Getrampel über den grau-grünen PVC-Boden der Turnhalle des ehemaligen Gymnasiums Prohlis an der Boxberger Straße. Die Stimmung ist angespannt, schließlich steht es 4:4 im entscheidenden Spiel zwischen dem FC Espagnol in Orange und dem FC Barcelona in Gelb. Auf den etwas zu groß geratenen Trikots prangt in schwarzen Druckbuchstaben „Gemeinsam in Dresden“, in ihnen stecken zwölf Jungs mit vor Anstrengung rot erhitzten Wangen. Die verschwitzten Haare, blond, braun und schwarz, sie kleben ihnen in Strähnen auf der Stirn, während die Kinder zwischen sieben und 15 Jahren um jeden Ball kämpfen.

Dann, Abpfiff. Sie werden wohl kaum um das Elfmeterschießen herumkommen, um festzustellen, wer denn nun tatsächlich die bessere Mannschaft ist. Wobei das letztlich auch egal ist. Denn jeder der Jungs aus Eritrea, Deutschland, Syrien und anderen teils weit entfernten Ländern hat an diesem verregneten Herbsttag beim zweiten „Kicken für Alle“- Fußballturnier in Dresden einen Heimsieg eingefahren. Sie haben gewonnen, weil sie sich nicht haben einschüchtern lassen.

Das Schulgebäude, zu dem die Turnhalle gehört, stand in den vergangenen Wochen mehrfach in den Schlagzeilen. Als die Stadtverwaltung in einem Gebäudeteil Flüchtlinge unterbringen wollte, rebellierten Anwohner sowie die Eltern der Grundschüler, die im zweiten Gebäudetrakt untergebracht waren. Nach einem Brandanschlag auf das Haus wurde die Schule kurzerhand ausquartiert. Ein Willkommensfest zwei Tage später wurde von Rassisten und Rechtsextremen gesprengt. Seitdem herrscht angespannte Ruhe, noch ist kein Asylsuchender eingezogen.

"Kicken für Alle" - 2. Interkulturelles Kinder- und Jugend-Fußballturnier

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Das interkulturelle Fußballturnier, das zum zweiten Mal gemeinsam von dem SPD-Landtagsabgeordneten Harald Baumann-Hasske und dem AWO Kreisverband Dresden organisiert wurde, kommt nach dieser offenen Drohung gegen alle, die nicht in das Weltbild der Täter passen, nicht ohne verschärfte Sicherheitsmaßnahmen aus. „Wir sind mit Ordnern und die Polizei mit Streifenwagen präsent. Wir tun alles dafür, dass die Kinder und Jugendlichen einen schönen Wettkampftag erleben“, so Baumann-Hasske.

Und doch haben die asylfeindlichen Ausschreitungen vor der geplanten Flüchtlingsuntebringung Wirkung gezeigt: Anders als beim ersten Turnier im Mai, bei dem rund 60 Kinder und Jugendliche aus aller Welt gemeinschaftlich in der Turnhalle Fußball spielten, finden sich bis zum späten Vormittag nur rund 25 Kinder und Jugendliche in der alten Turnhalle ein. „Viele Eltern hatten Angst, ihre Kinder herzuschicken, was nach dem Anschlag vom vergangenen Mittwoch und der aktuell aggressiven Stimmung in der Stadt verständlich ist. Aber auch das Wetter und der Termin an einem Wochentag haben uns heute einen Strich durch die Rechnung gemacht“, gibt René Vits, AWO-Vorsitzender des Kreisverbands Dresden, niedergeschlagen zu.

Dabei ist die Idee zu dem  kostenlosen Fußballturnier gerade als Antwort auf die öffentlichen Diskussionen um die wachsende Zahl der weltweit vor Krieg, Verfolgung und Not fliehenden Menschen und die Pegida-Bewegung entstanden. „Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern und Menschen anderer Nationalität sind bei den allermeisten Kindern schlichtweg nicht da. Durch Fußball kann man Leute toll integrieren, die Kinder lernen sich kennen und so wird hoffentlich vermieden, dass sich die Vorurteile vieler Erwachsener künftig auf die Kinder übertragen“, so Uwe Petersen, der am Mittwoch sowohl Schiedsrichter als auch Trainer war.

Trotz der geringen Teilnehmerzahl wollen die Organisatoren das Turnier, das unter der Schirmherrschaft der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping (SPD), steht, auch künftig fortführen. Vermutlich in den Winterferien soll es wieder heißen „Kicken für Alle“. Dann hoffentlich wieder mit mehr fußballbegeisterten Kindern und Jugendlichen. Das Turnier für sich entschieden hat übrigens der FC Barcelona. Preise wie Trikots von Dynamo Dresden und Freikarten für die Heimspiele der Dresdner Eislöwen haben am Ende aber alle Kicker bekommen.

mh

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