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Dresdner Elbe Flugzeugwerke arbeiten am Prototypen

Die A330 als Frachtflugzeug Dresdner Elbe Flugzeugwerke arbeiten am Prototypen

Neues Kapitel bei den Dresdner Elbe Flugzeugwerken (EFW): Hier entsteht bis Ende 2017 aus einem alten A330-Flugzeug ein Frachtflieger. Mit der Arbeit am Prototypen nimmt die neue Strecke für die künftige Serienumrüstung Gestalt an. Von 2018 an sollen jährlich 20 der Großraumflugzeuge von Airbus umgerüstet werden. Wo genau, ist noch offen.

Blick von oben in den frisch aufgeschnittenen Prototypen eines A330-300. Das Großraumflugzeug soll ab 2018 in Serie bei den Dresdner Elbe Flugzeugwerken zum Frachter umgebaut werden
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Jetzt haben wir das Gefühl: Es wird Realität.“ Andreas Sperl, Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke (EFW), beschreibt den Moment Anfang November, als ein Mechaniker den ersten Schnitt in den Rumpf eines A330-300 setzte. Mit der Arbeit an dem Prototypen für den Erstkunden DHL beginnen die Flugzeugprofis im Dresdner Norden ein neues Kapitel als exklusiver Umrüster von Airbus-Passagierfliegern in Frachter.

Der Umbau des Großraum-Airbus’ ist für alle Neuland. Zwar hat die einstige Airbustocher EFW, die seit Januar 2016 offiziell mehrheitlich zu ST Aerospace aus Singapur gehört, viel Erfahrung mit dem Zweitleben von Flugzeugen, denn das haben sie seit 1996 bereits weit über 100 Maschinen des deutlich kleineren Typs A300 beschert. Doch für die A330-300 braucht es komplett neue Arbeitsabläufe, gilt es, die technologische Idee in die Wirklichkeit zu überführen. Die Entwicklung des ingenieurtechnischen Know Hows hatte federführend Mehrheitseigner ST Aerospace in der Hand, „natürlich in enger Kooperation mit uns“, sagt EFW-Chef Sperl.

Ziel: Jährlich 20 Umrüstungen

Die Akquise der in Zukunft erwarteten 20 Umrüstaufträge im Jahr liegt ebenso bei EFW wie die Entscheidung darüber, wo der Umbau stattfindet. „Derzeit gehen wir davon aus, dass wir 70 Prozent in Dresden machen, 30 Prozent in Singapur. Das kann aber alles ganz anders werden. Abhängig von den Investitionsbedingungen und den Kunden können die Umbaustrecken durchaus auch in den USA entstehen. Das Gesamtpaket muss stimmen“, sagt Sperl.

Für den A330-Umbau errichten die Elbe Flugzeugwerke gerade eine neue Halle. Die soll – sobald die Aufträge wie gewünscht anrollen – 200 mal 90 Meter groß sein und künftig drei Großraumflugzeugen Stellfläche bieten. Weil sie dafür ein freitragendes Dach benötigt, liegen die Investitionskosten bei beachtlichen 50 Millionen Euro. Doch die EFW lassen es langsam angehen und bauen zunächst nur ein Drittel der Halle. „Alles andere wäre betriebswirtschaftliches Harakiri“, begründet Andreas Sperl mit Blick auf die Betriebskosten die Entscheidung. Schließlich stünden erst vier Aufträge für DHL in den Büchern. Und den ersten umbauwürdigen A330-300 zu finden – ordentlich gewartet und mit überschaubaren Mängeln – habe sechs Monate länger gedauert als gedacht.

Kein gutes Omen für volle Auftragsbücher – oder? „Das liegt daran, dass Airbus mit dem neuen A350 Verspätung hatte. Aus diesem Grund haben viele Flottenbetreiber ihre A330 länger im Einsatz gehabt als gedacht. Wenn jetzt die Auslieferung des A350 vorankommt, steigt für uns das Angebot und die Preise sinken“, erklärt Sperl die Anlaufprobleme.

Unterdessen gehen am Prototypen die Arbeiten voran. Das frisch hineingeschnittene rund 30 Quadratmeter große Loch im Rumpf soll die Rahmenschale für das künftige Frachttor aufnehmen. „Wir gehen Schritt für Schritt vor“, beschreibt Sperl das Vorgehen, „viele Fragen tauchen erst auf, wenn man versucht, die Pläne umzusetzen“. Bis Ende 2017 soll der Prototyp fertig sein. „Beim zweiten Flugzeug lernen wir noch, dann biegen wir langsam ein die Serienfertigung“, gibt Sperl den Zeitrahmen vor.

Umbaupläne für A320 gedeihen

Parallel zur Arbeit am künftigen DHL-Frachter laufen bei den EFW auch die Wartungsarbeiten für vier A380-Riesen von Air France.

Außerdem nehmen die Umrüster mit dem Airbus A330-200 zum Jahresende 2017 den nächsten Prototypen für Egypt Air ins Visier, so der EFW-Chef.

Dass zu all dem Ende nächsten Jahres auch noch die Umrüstung des Brot- und Butterfliegers von Airbus, des A320 bzw. A321, in Angriff genommen werden soll, schreckt den EFW-Manager Sperl nicht. Das Interesse am A320-Projekt, das im Juni 2011 am russischen Partner gescheitert war, ist ungebrochen. Eine jüngste Tagung in Miami, bei der 90 Prozent der Marktteilnehmer anwesend waren, gab Anlass zu viel Optimismus, so Sperl.

Auf die 1250 Mitarbeiter umfassende Stammbelegschaft rollt damit jede Menge Arbeit zu. Künftig soll sich in Klotzsche die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden – die auch die Wartung und die Teilezulieferung für Airbus umfasst – von 500 000 auf eine Million verdoppeln. Werde die neue Halle auf drei Stellplätze erweitert, gebe das Arbeit für 200 neue Kollegen, sagt Sperl. Schon jetzt sucht das Gemeinschaftsunternehmen von ST Aerospace und Airbus händerringend Strukturmechaniker und arbeitet mit Zeitarbeitsfirmen zusammen, die eigens für den Job ausbilden.

Zweites Werk in Kodersdorf wächst

Auch in Kodersdorf liege man mit dem Aufbau des zweiten Werks im Plan, erklärt Sperl. Die Investition sei nötig geworden, weil Airbus die Produktion des A320 bis 2018 von 48 auf 60 im Jahr erhöhen will und damit mehr Fußbodenpaneele braucht. „Außerdem“, so Sperl, „hat das Ganze einen Sicherheitsaspekt. Wenn die Paneel-herstellung in Dresden aus irgendeinem Grund ins Stocken geriete, könnte Aírbus seine Zulieferkette stabil halten.“ 2018 soll die neue Tochterfirma in der Lausitz mit 100 Mitarbeitern in Betrieb gehen.

https://www.elbeflugzeugwerke.com/

Von Barbara Stock

Dresden, Grenzstraße 1 51.129288 13.772798
Dresden, Grenzstraße 1
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