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Deutschen Werkstätten Hellerau bauen für zehn Millionen Euro an

Deutschen Werkstätten Hellerau bauen für zehn Millionen Euro an

Um weiter zu wachsen, wollen die "Deutschen Werkstätten Hellerau" anbauen. Geplant ist ein rund zehn Millionen Euro teurer Neubau, der sich um das "Schraubzwinge" genannte historische Gebäudeensemble auf der Nordseite des Moritzburger Wegs schmiegen soll.

Das kündigte Geschäftsführer Fritz Straub bei einem Besuch von Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) an. Das Projekt soll im kommenden Jahr beginnen und etwa 2015/16 fertig gestellt sein.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, würde die Möbeldesign-Manufaktur mit dem Anbau gewissermaßen in die Vergangenheit zurückkehren: Der alte Komplex auf der anderen Straßenseite, der 1909/1910 nach Entwürfen von Richard Riemerschmid errichtet wurde, war der ursprüngliche Sitz der Werkstätten. Seit der Privatisierung 1992 hatte sich das Unternehmen zunehmend auf die luxuriöse Holz-Innenausstattung von Jachten, Schlössern und Villen spezialisiert und war gewachsen. 2006 zog die Manufaktur daher in den lichten Glas-Neubau auf der Südseite um.

Den neuen Anbau, der dann auch einen Schauraum für betuchte Kunden haben soll, sieht der Chef als Grundstein, um das Unternehmen in die nächste Liga zu führen: Sind die Deutschen Werkstätten beim Ausbau luxuriöser Privatschiffe bisher meist nur Sub-Unternehmer für Werften, rechnet Straub damit, dass durch die vielen mit Bravour realisierten Projekte der vergangenen Jahre der Name "Hellerau" wieder weltweit als eigene Marke wahrgenommen wird und Aufträge künftig direkt an die Werkstätten im Dresdner Norden erteilt werden.

Personalstärke soll sich auf 500 verdoppeln

"Ich schließe nicht aus, dass wir irgendwann beispielsweise zum Komplett-Innenausstatter von Jachten werden", sagte der Geschäftsführer. Damit wäre die Manufaktur dann selbst Generalauftragnehmer und nicht mehr Zulieferer. Sein Ziel: "In den nächsten fünf bis zehn Jahren sehe ich uns bei 100 Millionen Euro Jahresumsatz und etwa 500 Mitarbeitern." Derzeit beschäftigen die Werkstätten 250 Ingenieure, Architekten, Tischler und andere Spezialisten - davon 220 in Dresden, der Rest ist auf Niederlassungen in Russland, Arabien, England, Frankreich und der Schweiz verteilt. Im vergangenen Jahr realisierten die Werkstätten 33 Millionen Euro Umsatz. Angesichts millionenschwerer Aufträge, die bereits in Arbeit sind, rechnet Straub für dieses Jahr mit einer Steigerung auf 40 Millionen Euro.

Manufaktur schreibt seit Krise Verluste

Was auf den ersten Blick wie ein Durchmarsch wirkt, war und ist aber eine mühselige Rackerei. Bei 40 Millionen Euro Umsatz waren die Werkstätten nämlich bereits einmal: 2009. Dann schlug die Weltwirtschaftskrise voll zu, die arabischen Scheichs und russischen Magnaten strichen ihre Luxusausgaben zusammen und das Auftragsvolumen brach um ein Drittel ein. Zudem schreibt die Manufaktur derzeit rote Zahlen, rechnet erst ab 2014 wieder mit Gewinnen.

"Wir haben in dieser schweren Zeit keine Leute entlassen", betont Straub. "Aber wenn mir Freunde nicht unter die Arme gegriffen hätten - wer weiß, ob es uns heute noch gäbe-" Denn anders als der Laie denken mag, sind die Gewinnmargen im Luxussegment, in dem die Hellerauer segeln, eher niedrig, knallharte Preiskämpfe drücken die Profite. Da ein Kapitalpolster für Krisen zurückzulegen, ist den Werkstätten offensichtlich nie recht gelungen.

Einstieg in Privatjet-Ausstattung geplant

Der Wandel von einem DDR-Möbelbauer zum Highend-Ausstatter ist indes dennoch beeindruckend. Insgesamt 20 Jachten haben die Hellerauer beispielsweise seit der Wende für die Superreichen dieser Welt mit feinstem Holz-Interieur ausgestattet, zahlreiche Banken, Bibliotheken und Schlösser verschönert. Als Nächstes wollen die Holzexperten in den Privatjet-Markt einsteigen. Und wer den Designern und Tischlern bei der Arbeit zuschaut, versteht, warum die Damen und Herren Milliardäre zufrieden sind: Da wird solange im wörtlichen wie übertragenen Sinne gefeilt und poliert, bis kein Makel auf den Sonderanfertigungen bleibt und der IKEA-geschulte Otto-Normalverbraucher nur noch vor Neid erblassen kann.

Dieser Anspruch steht und fällt freilich mit dem richtigen Personal. 90 Prozent der Manufaktur-Mitarbeiter sind Hochschulabsolventen - und der Nachschub aus Deutschland wird rar. Deshalb holt sich Straub jetzt seine Jungakademiker zum Beispiel aus dem krisengeschüttelten Spanien. "Ich sehe die Arbeit hier als tolle Gelegenheit, zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln", sagt beispielsweise Nachwuchs-Architekt Jorge Gonzalez Porta, der aus dem westspanischen Galizien dem Ruf nach Hellerau gefolgt ist. "Meine Frau wird auch bald nachfolgen." Er ist nur einer von elf jungen Spaniern, die ab 1. September - nach einer firmeninternen Sprach- und Fachschulung - Jobs in den Deutschen Werkstätten antreten werden.

"Wir sind die Exoten im Vergleich zur Konkurrenz"

Neben den Investitionen in Anbauten und Personal sieht Straub aber noch eine dritte, besonders wichtige Säule, auf der er die Zukunft der Werkstätten aufbauen will: "Unsere Unternehmenskultur ist einzigartig, da zieht jeder mit", sagt Straub. Auch der besondere künstlerische Anspruch spiele eine Rolle. Der habe den Hellerauern beispielsweise erst kürzlich den ungewöhnlichen Auftrag eines Londoner Kunden eingebracht, dessen Heimbibliothek im Stile des großen katalanischen Architekten Antoni Gaudí (1852-1926) auszubauen. Straub: "Im Vergleich zu unseren Konkurrenten sind wir eben Exoten in der Branche."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.09.2013

H.Weckbrodt

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