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Der mit den Motorrädern spricht: Nick Bernhardt aus Dresden macht Schrauberkunst

Der mit den Motorrädern spricht: Nick Bernhardt aus Dresden macht Schrauberkunst

Ein Kronkorken rollt scheppernd über den Boden, Nick Bernhardt setzt die Flasche an und nimmt den ersten Schluck. Er muss kurz nachdenken, zieht an seiner Zigarette und bläst den Rauch in seine Werkstatt.

Von Christoph Springer

"Mit den Autos ist das so, wie wenn du gerne Schnitzel isst", sagt er. "Wenn Schnitzel dein Lieblingsessen sind und du ganz viel davon isst, dann hast du sie irgendwann satt." Der Satz sitzt. Nick blickt zufrieden durch die alte Fabrikhalle, mustert die Wände mit seinem Werkzeug, einen Tank, der an einer Wand hängt und zwei aufgebockte Motorradgerippe. Das mit den Autos hatte er vor zwei Jahren satt.

Seitdem ist Nick Bernhardt sein eigener Herr und schraubt nur noch an Autos herum, wenn er richtig Geld verdienen muss. Deshalb liegt zur Zeit ein mächtiger Porsche-Motor auf der Werkbank gleich neben den Motorradresten. Sein Handwerk hat er in Hainichen gelernt, dort wurde Nick Bernhardt geboren, dort hatte sein Vater ein Autohaus, dort hat er Autos repariert, von der Karosserie über die Motortechnik bis hin zur Elektrik. "Früher habe ich mich mit Autos identifiziert", erinnert er sich an seine beste Zeit als Kfz-Mechaniker.

Das ist Geschichte und irgendwie hat auch sein Vater dazu beigetragen. "Der hat mich mit acht Jahren aufs Moped gesetzt", erinnert sich Nick Bernhardt. Als das Moped kaputt war, hatte Papa keine Zeit für die Reparatur, Nick musste selbst Hand anlegen. Nach der Wende hat er dann mit der Motorradschrauberei sein Taschengeld aufgebessert, inzwischen ist seine Leidenschaft zum Beruf geworden. "Ich muss kreativ arbeiten können", sagt der 33-Jährige, "Autos haben zu viele gerade Flächen, an einem Motorrad kann man viel freier arbeiten."

Nick trinkt einen zweiten Schluck Bier und stellt dann fest: "Ich bin eigentlich ein Künstler und man kann viel mehr Kunst mit einem Motorrad machen als mit einem Auto." Sein erstes Kunstwerk ist das Motorrad seiner Partnerin Steffi Prechtel: Eine 1953 gebaute Maschine der Marke Triumph, umgebaut in gemeinsamer Arbeit in einer Werkstatt an der Grundstraße. Alte Fundstücke wurden dabei zu Motorradteilen: Dicke Muttern ersetzen die Gummis der Fußrasten, ein Blechgitter dient als Hitzeschutz am Auspuff, ein Zahnrad ersetzt den Benzinhahn und der runde Griff eines Ventils umschließt den Tankdeckel. "Man muss schon wissen was geht und die Tüv-Regeln kennen", sagt Nick Bernhardt. Alles Weitere bleibt sein Betriebsgeheimnis.

Zur Zeit denkt der 33-Jährige über den Umbau einer NSU-Maschine nach, bei der die Ventilsteuerung offen über dem Zylinder sitzt. Die kleinen Hebel klacken auf und nieder, wenn der Motor läuft, das soll man später gut sehen können. Mehr Details will er nicht verraten. Vielleicht kennt er sie selbst noch nicht, denn sie fallen ihm zufällig ein oder wenn er vor einer Maschine sitzt und sie betrachtet. "Irgendwann fängt sie dann an, mit dir zu sprechen", beschreibt er den Weg zu seinen Umbauideen. Mit der NSU hat er ein solches Gespräch bisher noch nicht geführt.

Dafür hat sich Nick Bernhardt vor mehreren Monaten schon mit dem Roller seines Sohnes Lenny ausgetauscht. Das Zweirad des Vierjährigen ist nun ein Einzelstück, hat schicke rote Felgen und kurze Schutzbleche wie die Triumph seiner Mama Steffi.

Nick Bernhardt ist Einzelkämpfer. In seiner Werkstatt an der Großenhainer Straße schraubt und schweißt er vor allem im Sommer, eine gute Heizung für den Winter fehlt noch. Den ersten Stock des Fabrikbaus will er ebenfalls zur Werkstatt machen, ein Lastenfahrstuhl führt nach oben. Der 33-Jährige braucht Platz, ständig gibt es Zuwachs. Erst vor wenigen Tagen hat er die Reste eines Berlin-Rollers aus Radeberg abgeholt. Berührungsängste mit anderen Vertretern seiner Zunft hat er nicht, in einem reichlichen Monat will er sich sogar mit seinen Kollegen messen. Gerade hat Nick die Einladung zur "Custombike 2012" in Bad Salzuflen (NRW) bekommen, der größten europäischen Messe für Fans individualisierter Motorräder. Schon die Einladung ist ein Beweis für die Qualität seiner Arbeit, denn die Messeveranstalter selbst haben aus zahlreichen Bewerbern die besten ausgesucht und zur Messe zugelassen. Nick ist dabei mit der Triumph von Steffi.

www.dirtybikes-dresden.de; Weitere Motorradveredler in Dresden (Auswahl): Custom Gang, 01097 Dresden, Fritz-Reuter-Str. 41; Big Bike Station, 01099 Dresden, Fischhausstraße 15; Näheres zur Messe unter www.custombike-show.de.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.10.2012

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