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Der letzte Tag in Laubegast: In der traditionellen Dresdner Schiffswerft ist am Montag endgültig Schluss

Der letzte Tag in Laubegast: In der traditionellen Dresdner Schiffswerft ist am Montag endgültig Schluss

"Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich heute bis zum Ende bleibe." Michael Lohnherr, der ganz offiziell noch bis zum Montag Interimsgeschäftsführer der Dresdner Schiffswerft ist, zieht seinen langen schwarzen Mantel an für einen Rundgang auf dem Werftgelände an der Österreicher Straße in Laubegast.

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Der letzte Dampfer wird zu Wasser gelassen, die Reparatur muss am Liegeplatz am Terrassenufer beendet werden.

Quelle: Martin Förster

Die Runde führt entgegen dem Uhrzeigersinn über die Fläche, vorbei an der unter Denkmalschutz stehenden Slipanlage, auf der am Morgen noch der Dampfer "Kurort Rathen" stand. Das Schiff musste zu Wasser gelassen werden, ohne dass die Reparatur abgeschlossen werden konnte. Die Teile, die noch eingebaut werden mussten, kamen zu spät, nun sollen sie am Liegeplatz am Terrassenufer montiert werden. Nur noch eine alte Dampffähre der Oberelbischen Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS) ist auf der Slipanlage aufgebockt, dazu der Schiffskörper einer vor Jahren havarierten Fähre und der riesige rostige Unterbau des Seebäderschiffs Undine. "Heute früh rief der Denkmalschutz an und fragte nach einer Begehung", schimpft Lohnherr, "denen habe ich gesagt, dass ich heute dafür keine Zeit habe." Schließlich mussten noch Rechnungen geschrieben werden, ein letztes Treffen mit den Kollegen im Speiseraum war geplant, Schiffe wurden abtransportiert.

Plötzlich bleibt Lohnherr stehen und zeigt auf den Boden. "Das ist wohl von der Rathen liegengeblieben", deutet er auf zwei grün lackierte Eisenprofile, die neben einem leeren Farbtopf liegen. Zur gleichen Zeit verabschiedet sich die OVPS-Fähre "Winterberg" mit einem langen Hupton von der Werft. "Die haben wir lange hier gehabt", sagt Lohnherr und winkt dem Schiff hinterher, "die hat unter anderem einen neuen Motor bekommen, der gesamte Auftrag hat 80000 Euro gekostet".

Kein Schiff fährt heute an der Werft vorbei, ohne zu grüßen. Auch der Dampfer "Pirna" nicht, der von Pillnitz stromab Richtung Blasewitz vorbei kommt. Lohnherr führt unterdessen in ein großes weißes Zelt, in dem vier Schiffsrümpfe und ein schickes historisches Holzboot liegen. "Tom II" steht an diesem Boot, es stammt aus der Schweiz. "Vorn war früher eine Kanone montiert, damit patroullierte das Boot über den Genfer See um zu zeigen, dass man die Schweiz nicht einfach einnehmen kann." Drinnen ist das Boot perfekt ausgestattet, mit Leder und feinstem Holz verkleidet. Es wird voraussichtlich im Mai mit versteigert, wenn die Maschinen, Betriebsstoffe, Büromöbel, das Werkzeug, die Computer und alles, was man für den Werftbetrieb sonst noch braucht, unter den Hammer kommen.

Da ist Lohnherr endlich Rentner, Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko hat dann allein das Sagen in Laubegast und mit ihm ein sogenannter Verwerter, ein Profi für solche Versteigerungen. Auch ein altes Polizeiboot, "ein Top-Schiff", so Lohnherr, drei Autos und die Anleger werden dann wahrscheinlich verkauft.

Kurz vor dem Abschied von der Werft taucht noch Betriebsratschef Wolfgang Reichelt auf. "Es ist schon eine Träne im Auge", beschreibt er den letzten Arbeitstag, "der Gedanke, dass die Werft geschlossen wird, lässt einen nicht los." Anders als Lohnherr will er die Hoffnung nicht aufgeben, dass das Traditionsunternehmen eine Zukunft hat.

Es könnte ja vielleicht doch noch ein Investor zuschlagen, hofft Reichelt und ist deshalb froh, dass Danko die Werft bis zur sogenannten Verwertung in betriebsfähigem Zustand halten will. Noch-Chef Lohnherr ist dann Pensionär. Für ihn ist übermorgen ganz sicher der letzte Tag in Laubegast.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.03.2013

Springer, Christoph

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