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„Der erste Eindruck“: Wissenschaftler der TU Dresden suchen für Studie 5400 Teilnehmer

Wissenschaft „Der erste Eindruck“: Wissenschaftler der TU Dresden suchen für Studie 5400 Teilnehmer

„Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“ heißt ein gängiger Spruch. Wieviel tatsächlich von den ersten Sekunden der Begegnung mit einem anderen Menschen abhängt, untersuchen jetzt Wissenschaftler der Professur Diagnostik und Intervention der TU Dresden unter Leitung von Prof. Dr. Daniel Leising. Sie suchen deutschlandweit Teilnehmer für eine Online-Befragung.

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Beschäftigt sich seit 13 Jahren mit Verhaltensbeobachtung: Prof. Dr. Daniel Leising, Wissenschaftler an der TU Dresden.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“ heißt ein gängiger Spruch. Wieviel tatsächlich von den ersten Sekunden der Begegnung mit einem anderen Menschen abhängt, untersuchen jetzt Wissenschaftler der Professur Diagnostik und Intervention der TU Dresden unter Leitung von Prof. Dr. Daniel Leising. Für die Studie werden deutschlandweit 5400 Teilnehmer für eine Online-Befragung gesucht.

Reichen denn wenige Minuten oder gar Sekunden, um eine Person zutreffend beurteilen zu können?

Die ersten Beobachtungen haben in der Tat einen starken Einfluss auf den Gesamteindruck, der am Ende stehen wird. In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit ist es wahrscheinlich oft überlebenswichtig gewesen, so schnell wie möglich Informationen über sein Gegenüber zu bekommen. Wenn Ihnen in der Savanne ein Mensch entgegen kommt, den Sie vorher noch nie gesehen haben, müssen Sie zum Beispiel ganz schnell beurteilen können, ob der Ihnen was Böses will oder nicht. Eindrücke entstehen sehr schnell und sind recht langlebig. Man kann sich später oft nur schwer wieder freimachen davon.

Treffen sie aber auch zu?

Ja und nein. Das, was man über einen anderen Menschen lernen kann, lernt man tatsächlich relativ schnell. Wenn Sie mit jemandem fünf bis acht Minuten zugebracht haben, lernen Sie schon eine ganze Menge über ihn. Trotzdem können Sie sein zukünftiges Verhalten dann immer noch nicht so richtig gut vorhersagen. Wir tendieren aber dazu, die Genauigkeit unserer Eindrücke zu überschätzen, und wir glauben auch oft zu Unrecht, dass andere den gleichen Eindruck von einer Person haben wie wir selbst.

Manchmal spielt ja auch einer dem anderen etwas vor, nicht?

Das ist für mich im Moment eine besonders spannende Frage. Es gibt Leute, die sind besonders gut darin, anderen etwas vorzuspielen – und zwar zum eigenen Nutzen. Die kriegen es hin, einen Eindruck zu erwecken, der damit, wie sie wirklich sind, nicht so viel zu tun hat. Denken Sie mal an Heiratsschwindler. Sie können eine Fassade ganz perfekt kultivieren, so dass ihnen andere auf den Leim gehen. Oder nehmen Sie Donald Trump. Er schafft es offenbar, seine Anhänger Glauben machen, dass er der tatkräftige Kämpfer für die Armen und Entrechteten ist. Gleichzeitig scheint es aber so zu sein, dass er sich oft selbst widerspricht, die Unwahrheit sagt, und von Politik nicht wirklich etwas versteht. Dieses Zusammenspiel von Schaumschlägerei und Leichtgläubigkeit haben wir wissenschaftlich noch nicht wirklich gut verstanden, glaube ich . Wir sollten es aber verstehen.

Auf welche Fragen erhoffen Sie sich bei Ihrer Studie eine Antwort?

Es geht hier um Grundlagenforschung – unser Ziel ist vor allem die Prüfung einiger wichtiger Annahmen aus theoretischen Modellen zur Urteilsbildung. Das betrifft zum Beispiel die schon angesprochene Frage, ab wann ich über einen Menschen nichts Wichtiges mehr dazulerne.

Welche Auswirkungen können die Erkenntnisse aus der Befragung denn für die Praxis haben?

Ich kann mir kaum ein Themengebiet vorstellen, das noch alltagsrelevanter ist. Es geht ja darum, wie Menschen einander im Alltag beurteilen, und das tun wir eben alle ständig. Wenn ich der Ansicht bin, jemand ist intelligent oder unzuverlässig oder lügt mich an, dann wird das bestimmen, wie ich in Zukunft mit demjenigen umgehe. Oder denken Sie an die klinische Diagnostik. Wann halte ich jemanden für schizophren oder für persönlichkeitsgestört? Auch bei der Partnersuche geht es um Eindrücke: Wann empfindet man einen Mann oder eine Frau als zu sich passend? Oder: Jemand gehört einer bestimmten Partei an. Welchen Einfluss hat diese Information auf meinen Eindruck von demjenigen? Das sind alles Fragen, die in dieser Art der Forschung berührt werden.

Auch beim Vorstellungsgespräch zählt ja der erste Eindruck, oder?

Ja, wie überall sonst auch. Wer allerdings herausfinden will, ob ein Bewerber für den Job tatsächlich geeignet ist, sollte ihn nicht nur mal eben eine halbe Stunde lang ein paar Dinge fragen, die ihm gerade einfallen. Das ist nachgewiesener Maßen wenig hilfreich, eben weil viele es hinbekommen sich positiv darzustellen und ihre tatsächlichen Schwächen zu übertünchen – oder sich umgekehrt viel zu negativ präsentieren. Ich glaube, dass unsere Forschung vor allem hilft, einem die Grenzen der eigenen Urteilsfähigkeit vor Augen zu führen.

Wie müssen wir uns die Online-Befragung konkret vorstellen?

Wir haben einmal Leute, die werden beurteilt. Von denen haben wir bereits Videos gemacht. Wir haben 200 Probanden zu uns ins Labor gebeten und alle denselben Situationen ausgesetzt. Sie mussten beispielsweise eine Rechenaufgabe lösen oder eine Geschichte erzählen. Das hat insgesamt neun Monate gedauert. Und jetzt suchen wir Leute, die Urteile über diese Personen aus den Videos abgeben. Es handelt sich immer um zehn Videos von jeweils ein bis zwei Minuten Dauer. Zu jedem der zehn Videos müssen die Teilnehmer etwa drei Dutzend einfache Fragen beantworten. Da muss man nicht lange drüber nachdenken. Das geht relativ schnell. Sich da durch zu klicken, dauert insgesamt etwa 45 Minuten.

Wieviele Teilnehmer benötigen Sie?

Wir sind deutschlandweit auf der Suche und brauchen mindestens 5400 Personen. Die Bewerber müssen volljährig sein und Deutsch als Muttersprache sprechen. Sie können sich per E-Mail bewerben (verhaltensbeobachtung@mailbox.tu-dresden.de) und müssen lediglich Angaben zu Alter, Geschlecht und höchstem Schulabschluss machen.

Wird jeder Bewerber genommen?

Nein, denn wir brauchen ja einen möglichst repräsentativen Querschnitt. Wer schließlich genommen wird und unsere Fragen alle beantwortet, bekommt eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro.

Wie lange dauert das Projekt?

Es ist auf zwei Jahre ausgelegt. Die Daten müssen ja auch noch aufbereitet werden, um sie später für andere Wissenschaftler zugänglich machen zu können.

Wird das Projekt in irgend einer Weise gefördert?

Ja, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 160 000 Euro.

Interview: Katrin Richter

Von Katrin Richter

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