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"Der Weg ist das Ziel!": Hartmut Kohn ist Extremläufer, Koch und Familienvater

"Der Weg ist das Ziel!": Hartmut Kohn ist Extremläufer, Koch und Familienvater

Im sportlichen Outfit joggt ein Läufer durch Wald und Wiesen, über Berge und durch Täler, bei schönem und schlechtem Wetter und vor allem eines: immer am Limit.

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Ein Spagat zwischen Extremen: Hartmut Kohn ist begeisterter Langstreckenläufer, aber auch leidenschaftlicher Koch.

Quelle: D. Flechtner

Was für viele ein Graus wäre, ist für Hartmut Kohn ein Hobby. Nachdem er seine Leidenschaft erst relativ spät entdeckte, läuft er inzwischen auch sportliche 190 Kilometer in zwei Tagen. Letzte Woche nahm er sich der Strecke von Dresden nach Prag mit einigen Sportbegeisterten an. Doch seine Leidenschaft gilt nicht nur dem Sport, sondern auch dem Kochen, das er hauptberuflich ausführt. Das bedeutet für ihn ein Spagat zwischen Familie, Beruf und extremen Hobby.

Der gebürtige Görlitzer kam 1989 beruflich nach Dresden, um beim Interhotel als Koch zu arbeiten. "Ich fühlte mich von Anfang an sehr wohl in Dresden", sagt Kohn. Inzwischen ist er seit 15 Jahren Koch im Restaurant "Kahnaletto". Sein Beruf mache ihm Spaß, sei aber eben auch ein Knochenjob. "Ich bin acht Stunden auf Arbeit hochkonzentriert. Danach brauche ich einfach meinen Ausgleich", so der 46-Jährige. So nutze er auch den Arbeitsweg von Klotzsche bis in die Innenstadt als Trainingsstrecke mit dem Rad oder zu Fuß. "Am Anfang haben meine Kollegen immer den Kopf geschüttelt. Inzwischen wundert das hier niemanden mehr", erzählt er.

Seine Leidenschaft zum Sport begann erst spät und auf ärztlichen Rat. "Ich war in meiner Jugend eher faul." 2007 bekam er den Rat vom Arzt, sich sportlich zu betätigen und "auszupowern". So kam es dazu, dass er zum ersten Mal mit seinem Restaurantchef Michael Schellnock in der Freizeit joggte. "Ich glaube, mein Chef hat das bis heute bereut, denn da wurde eine unbezwingbare Leidenschaft entfacht", sagt Kohn lachend.

Inzwischen trainiert Hartmut Kohn fünf Tage in der Woche mit einem Personal Trainer. Dieser müsse ihn in seinem Drang zum Sport bremsen. "Ich habe inzwischen eine regelrechte Sportsucht", so der 46-Jährige. Inzwischen ist er schon Einzelstrecken von weit über 100 Kilometer gerannt und veranstaltet traditionell in den Winterferien seit 2012 einen sogenannten Ultralauf. Das sind Läufe mit Strecken von über 42 Kilometern.

Die Idee, solche Events zu planen, entstand aus einem Kindheitstraum. "Ich wollte immer gern in meine Heimatstadt Görlitz laufen", erzählt der 46-Jährige. 2011 startete er allein von Dresden nach Görlitz. "Ich wollte sehen, wie weit ich komme und ob ich das schaffen kann", erzählt der Läufer. Bis nach Bautzen rannte er 42 Kilometer, danach musste erschöpft aufgeben. "Ich habe dort gemerkt, wo meine Schwächen liegen und wollte sie verbessern", berichtet er. So versuchte er es im Jahr darauf noch einmal mit einer Strecke von 70 Kilometern in die Stadt Löbau. Innerhalb der letzten Jahre rannte der Sportler so von Dresden nach Görlitz und Berlin sowie von Terezín in Tschechien nach Dresden. "Alle Ziele waren eigentlich immer erst Schnapsideen", sagt er lachend.

Letzten Dienstag nahm er sich mit neun Sportbegeisterten in zwei Tagen der Strecke von Dresden nach Prag an - eine Distanz von insgesamt 190 Kilometern. Die Planung stemmt der 46-Jährige neben Familie und Beruf komplett allein. Dabei geht es vor allem um die Absegnung der Strecken vom Straßenverkehrsamt und der Verpflegung der Läufer. Zur Vorbereitung ist er die gesamte Strecke außerdem zwei Mal mit dem Fahrrad abgefahren. Unzählige Stunden der Vorbereitung lagen hinter ihm, als es letzten Dienstag morgens um 6 Uhr losging. "Es war herrliches Wetter in diesem Jahr und es hat alles wunderbar geklappt", freut sich Kohn.

Nach 142 Kilometern musste der Sportler den Lauf nach Prag jedoch abbrechen. "Der Körper hat gestreikt, es ging nicht mehr", berichtet der Extremläufer. Doch für ihn sei das keine Niederlage: "Ich sehe das positiv und ärgere mich nicht darüber. Immer nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel." Vor allem die Motivation bei solchen Läufen sei sehr wichtig. Er motiviere sich während des Laufens mit Schlagermusik oder mit anderen Läufern, die ihn anspornen.

Beim alljährlichen Ultralauf ist ihm auch der gute Zweck wichtig. "Ich habe mir seit dem Lauf von Terezín immer einen Sponsor gesucht", so der 46-Jährige. "Es ist mir wichtig, mit den Läufen etwas zu erreichen und die Gemeinschaft zu unterstützen." In diesem Jahr wurde er von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS gesponsert. So rannte er auch schon für eine Spende an behinderte Sportler im Sächsischen Epilepsiezentrum Radeberg sowie den jüdischen Friedhof in Teplice.

"So besteht mein Leben aus Arbeit, Familie und Sport", erzählt der gebürtige Görlitzer. Seine Frau und seine zwei Töchter unterstützen ihn bei seinen Unternehmungen, auch wenn es mitunter schwierig werden kann. "Manchmal ist es gar nicht so einfach, das alles unter einen Hut zu bekommen", gibt er zu.

Der Sportbegeisterte will sich auch in diesem Jahr weiter steigern. Im Juni steht ein Triathlon auf dem Programm. "Ich will am Vortag 3,8 Kilometer schwimmen, in der Nacht 180 Kilometer Rad fahren und am Morgen beim Schlosstriathlon Moritzburg 42 Kilometer laufen", so der ehrgeizige Sportler. Dafür trainiere er bereits. Für den nächsten Ultralauf schwebt ihm das 170 Kilometer entfernte Hof als Ziel vor. Die Pläne für dieses Jahr sind also abgesteckt. Für die Zukunft wünsche er sich gesund und erfolgreich durchs Leben zu kommen, sowohl sportlich als auch privat. "Ich habe kein anderes Hobby als das Laufen und ich will auch gar kein anderes", sagt der 46-Jährige lächelnd.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.02.2015

Juliane Just

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