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Der Sessel des Jägers - Peter Weiser gehören 14 Jagdkanzeln im Schönborner Revier - Von dort aus hat er das Wild gut im Blick

Der Sessel des Jägers - Peter Weiser gehören 14 Jagdkanzeln im Schönborner Revier - Von dort aus hat er das Wild gut im Blick

Sicher kennen Sie die kleinen Holzhütten auf Stelzen. Meist stehen sie am Waldrand. Zwar führt eine Leiter nach oben. Aber ein Blick in ihr Inneres wird uns im Allgemeinen verwehrt.

Von Bernd Lichtenberger

"Jagdliche Einrichtung. Betreten verboten", steht unmissverständlich auf einem kleinen Schild. Unterschrieben ist das Verbot mit "Jagdberechtigter". So ein Jagdberechtigter ist der Schönborner Peter Weiser. 14 solcher Jagdkanzeln sind sein Eigentum. Dazu kommen noch ein paar mobile Kanzeln. Der gelernte Stahlbauschlosser und Schweißer hat sie alle selbst gebaut und auf seinem 450 Hektar großen Pachtgelände dort aufgestellt, wo er das Wild am Besten im Blick hat.

Das Thema Reh- und Schwarzwild ist für Peter Weiser in diesem Jahr abgehakt. Der große Maisschlag zwischen Schönborn und Grünberg, in dem es stand, ist abgeerntet, der von der Jagdbehörde bestätigte Abschussplan mit neun Rehen erfüllt. Arbeitslos ist der Schönborner im Dezember aber nicht. "Jetzt gehen wir mehr auf das Raubwild und Raubzeug", sagt er und meint Fuchs und Marder, aber auch Marderhund und Waschbär, die sich im Dresdner Norden breitmachen.

Außerdem sind vor dem Winter die Futterplätze für das Rehwild zu säubern. Ohne solche Futterstellen würden die Tiere die kalte Jahreszeit nur schwer überstehen. Zwar wird Rehwild üblicherweise erst gefüttert, wenn der Schnee 40 Zentimeter hoch liegt. Aber das gilt im Schönborner Revier nicht. Hier sind zu viele Leute unterwegs, Spaziergänger, Hundebesitzer. "Das Rehwild ist unser Standwild, es ist standorttreu, steht in den wenigen Dickungen. Wenn es da 25 Mal in der Woche gestört und raus gejagt wird, dann braucht es dafür zu viel Energie. Ohne Fütterung wär's das", erklärt Weiser. Er füttert an diesen Stellen aber nicht nur die Rehe, sondern auch Vögel. Wenn ringsum alles Acker ist, dann haben auch Blaumeise, Kohlmeise, Zaunkönig, Amseln und Drosseln zu kämpfen, weil es an Sämereien fehlt. Peter Weiser weiß, wovon er spricht, denn er ist nicht nur Jäger, sondern seit reichlich 30 Jahren auch Naturschutzbeauftragter.

Peter Weisers Jagdrevier, das er von den einstigen Bauern gepachtet hat, umfasst 450 Hektar. Nur wenige Hektar davon sind Wald. Um die großen Feldflächen überschauen zu können, braucht er die aufgestelzten Jagdkanzeln. Manche dieser kleinen Hütten sind fast ein bisschen luxuriös ausgestattet, mit einem bequemen Drehstuhl, einer mit Auslegeware bezogenen Sitzbank für zwei oder sogar einem Sessel aus der guten Stube. Dazu gibt es Schiebe- oder Kippfenster und kleine Ablagen an den Seitenwänden. Solche Kanzeln stehen vor allem dort, wo garantiert Wild kommt, erklärt der Jäger. Allesamt sind sie Marke Eigenbau. Jahrzehntelange Jagderfahrungen standen dabei Pate. "Der Jäger kann nicht ungeschützt die Nacht durchsitzen, bei Regen und Sturm", erklärt Weiser.

Dass die Kanzeln auch stabil und sicher sein müssen, ist für ihn selbstverständlich. Erst kürzlich wurden sie von der Berufsgenossenschaft einer Kontrolle unterzogen. Bis auf die Empfehlung, hier und da noch einen kleinen Handlauf anzubringen, gab es nichts zu bemängeln. Aber Weiser sorgt sich nicht nur um seine eigene Sicherheit. "Um den Schaden zu begrenzen, den die Wildschweine in der Landwirtschaft anrichten, sind wir als Jäger verpflichtet, Schwarzwild zu schießen. Eigens dafür schneidet uns das Agrarcentrum Grünberg alljährlich Nischen in seine großen Maisschläge. Auch dort stellen wir Kanzeln auf. Und dann erlebe ich, dass nachts um elf Uhr Reiter ohne Lampe durch die Schneise reiten. Eine kreuzgefährliche Situation." Doch nicht nur nächtliche Reiter sind ein Riesenproblem für ihn. Wenn der Mais halbwegs reif ist, erlebt Weiser auch immer wieder, dass Leute nachts mit Säcken unterwegs sind und Maiskolben stehlen. "Dann sitzt man als Jäger da, hört, wie es knackt und bricht und denkt angespannt: Wann wird denn die Sau endlich die Schneise wechseln. Bisher habe ich Gott sei Dank immer noch mitgekriegt, dass es kein Schwein war. Trotzdem grübele ich dann eine ganze Nacht, was hätte passieren können, wenn..."

Peter Weiser geht auf die 69 zu, konnte sich bisher aber immer auf sein gutes Gehör verlassen. Er hört nachts oder am späten Abend jedes Geräusch, jede Maus nagen. "Wenn man jahrelang draußen war, kann man jedes Geräusch zuordnen, merkt auch genau, wenn etwas Fremdes im Wald ist", sagt er.

Bekanntschaft mit der Jagd hat er schon als Zwölfjähriger gemacht. "Mit den sowjetischen Soldaten, die in Dresden-Klotzsche stationiert waren, bin ich mit jagen gegangen", erzählt er. Damals wohnte er noch in Weixdorf. Heute ist er Diabetiker, braucht viel Bewegung und frische Luft. Das verschafft ihm die Jägerei. Und natürlich den weihnachtlichen Wildbraten. Eine Rehkeule. Die liegt schon in der Tiefkühltruhe.

Doch zurück zum Thema Jagdkanzeln. Wer seine Neugierde partout nicht zügeln kann und das Verbot ignoriert, so eine Jageinrichtung zu erklimmen, der sollte sie danach wenigstens so verlassen, wie er sie vorgefunden hat, und vor allem wieder verschließen. Oft genug muss der Schönborner vor allem nach Feiertagen alle Kanzeln abklappern und wieder verriegeln, damit sie von Wind und Regen nicht zerstört werden. Das ärgert ihn mächtig.

Heute öffnen wieder Millionen Kinder und vermutlich fast ebenso viele Erwachsene ein weiteres Türchen ihres Adventskalenders. Und auch die Dresdner Neueste Nachrichten öffnen für Sie, liebe Leser, bis zum 24. Dezember jeden Tag ein ganz besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Türen. Heute nehmen wir Sie mit zum Schönborner Jäger Peter Weiser. Er hat 14 Jagdkanzeln gebaut, um das Reh- und Schwarzwild, aber auch Fuchs, Marder und Waschbär gut im Blick zu haben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.12.2011

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