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Der Niedersedlitzer Gummitechnik-Betrieb Kautasit ist wieder auf Erfolgskurs

Der Niedersedlitzer Gummitechnik-Betrieb Kautasit ist wieder auf Erfolgskurs

Binnen 20 Jahren hat Jahn den Betrieb auf Kurs gebracht - nun steht ein Generationswechsel an. Das Schild im Chefbüro der "Kautasit Gummitechnik" steht für ein Stück Firmenkultur.

Von Heiko Weckbrodt

Darauf steht ein Spruch des alten Zigarrenpaffers Winston Churchill: Viele sehen den Unternehmer als bösen Wolf, den es zu erschlagen gelte, heißt es da, andere sehen in ihm die Kuh, die man immer wieder melken könne - aber nur wenige erkennen im Unternehmer das Pferd, das den Karren zieht.

Sieht und hört man Kautasit-Chef Wolfgang Jahn zu, erscheint das Zitat an der Wand als Programm: Der grau melierte Maschinenbauingenieur, der Damen so würdig die Türen aufhält, aber nur selten lächelt, ist ganz Unternehmer der alten Schule. Ein Mann, der die DDR als Betriebsleiter in einem Dichtungsmittel-VEB von landesweitem Ruf untergehen sah. Der dann erlebte, wie ein Westfale die Dresdner Kautasit-Fabriken 1992 übernahm und wie binnen Kurzem von einst über 1000 Jobs nur ein paar Handvoll Leute übrig blieben. Und der nicht tatenlos zusehen mochte, wie der Betrieb den Bach runterging, 1993 zum Unternehmer wurde, auf Pump die Kautasit-Reste in Niedersedlitz kaufte - und das Boot wieder auf Kurs brachte.

"Das war nicht einfach", erinnert er sich. "Die Qualität der Konkurrenz im Westen war besser, das kann man nicht wegreden. Wir hatten zwar eine breite Produktpalette, aber unsere Kapitaldecke war viel zu dünn, um in dieser Breite weiterzumachen." Es waren der Gang in die Nische und ein Aufholprogramm, die den Traditionsbetrieb wieder genesen ließen. Jahn investierte über 700 000 Euro in neue Spritzguss-Anlagen, Maschinensteuerungen für Heißpressen und andere Technik, machte Qualität zum A und O, konzentrierte sich auf die Stammkunden: Firmen aus der Hydraulik, dem Kältebau, der Schwingungstechnik, dem Maschinenbau. Auch verzichtete Kautasit auf ein Vollsortiment eigener Produkte, fokussierte sich auf Dichtungs-Sonderanfertigungen im Kundenauftrag.

Die Gummi-Ringe, Hochdruckdichtungen und anderen Produkte der Dresdner halten nun wieder Anlagen in ganz Ostdeutschland dicht. Auch das Unternehmen ist gewachsen, nicht in großen Sprüngen, aber eben solide, wie Jahn gern betont: Die Belegschaft hat sich seit dem Neustart auf 36 Mitarbeiter etwa verdoppelt, der Umsatz kletterte von umgerechnet knapp einer Million Euro 1994 auf 2,8 Millionen im vergangenen Jahr - 2012 will Jahn auf drei Millionen Euro kommen.

2012 wird sein letztes Jahr als Unternehmer: 66 Jahre alt ist Jahn. Er will die Geschäfte im Dezember an Sohn und Tochter übergeben. Im Ruhestand warten zwei Hunde, ein paar Schafe, ein kleiner Wald auf ihn. "Man soll sich nicht ewig an einen Stuhl klammern, sondern auch mal den Jüngeren Platz machen", sagt er. "Ich will hier nicht eines Tages aus dem Unternehmen rausgetragen werden."

Mehr Infos im Netz: blog.dnn-online.de/oiger

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.02.2012

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