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Der Keim in uns - Gegen Antibiotika immune Keime führen auch in Dresden zu Krankenhausinfektionen

Der Keim in uns - Gegen Antibiotika immune Keime führen auch in Dresden zu Krankenhausinfektionen

Vor drei Jahren nach einer entzündeten Blinddarmoperation. Das war für die Operateure sicher ein Routineeingriff. Aber deren Können und die richtige Antibiotikatherapie haben mir das Leben gerettet.

Doktor Jatzwauk, wann haben Sie das letzte Mal Antibiotika genommen?

Führt die Verabreichung von Antibiotika zu Krankenhausinfektionen?

In den vergangenen Jahren hat der Anteil von Bakterien mit Resistenzen zugenommen. Das ist vor allem auf die großzügige Verabreichung von Antibiotika außerhalb und innerhalb der Krankenhäuser und der Tiermast in der Landwirtschaft zurückzuführen. Deswegen hat die Bundesregierung in der Novelle des Infektionsschutzgesetzes festgelegt, dass sowohl die Antibiotika-Medikamentierung als auch die Zahl der Krankenhausinfektionen genau zu dokumentieren sind.

Der Bundesregierung hat ein Gesetz geändert. Das deutet auf ein wirklich ernsthaftes Problem?

Laut der letzten großen repräsentativen Studie erleiden etwa 3,5 Prozent aller stationären Patienten in Deutschland Krankenhausinfektionen. Das sind etwa 700 000 Infektionen im Jahr.

Wie viele Infektionen führen davon zum Tod?

Etwa 30 000 bis 40 000 Patienten sterben zumindest unter Mitwirkung dieser Infektionen.

Auch in Dresden?

Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass es in Dresden anders ist .

Sie zählen die Krankenhausinfektionen am Uniklinikum nicht genau?

Doch. Im Gegensatz zu vielen anderen Krankenhäusern dokumentieren wir die gefährlichen Infektionen seit 10 Jahren und nehmen hier klar eine Vorreiterrolle ein. Das Land Sachsen überhaupt ist federführend, weil es grundlegende Voraussetzungen der Krankenhaushygiene seit 1998 in einer Hygiene-Rahmenverordnung regelt.

Kritiker werfen Krankenhäusern vor, sie setzen zu wenig Personal ein.

Die Ausstattung mit Hygienefachpersonal ist in der Verordnung geregelt. Doch nicht alle sächsischen Krankenhäuser halten sich daran. Das hat auch etwas mit den zur Verfügung stehenden Fachleuten und Geld zu tun.

Das Risiko an kleinen Kliniken ist also größer?

Nein. Das ist keine Frage von großer oder kleiner Klinik, sondern von einem optimalem Antibiotikaeinsatz und gut organisierter Hygienemaßnahmen. Viele kleinere Krankenhäuser sind vorbildlich und arbeiten mit Kooperationen. Solche bestehen beispielsweise seit Jahren zwischen dem Universitätsklinikum und den Krankenhäusern St. Joseph Stift, Pirna, Freital und dem Elblandklinikum.

Besucher werden nicht auf Krankheitserreger überprüft. Auch das wird oft kritisiert.

Der gesunde Besucher ist kein Risiko. Viel wichtiger ist das Desinfizieren der Hände im gesamtem Klinikbereich. Über die Hände werden 80 Prozent aller Infektionen übertragen. Wir führen für alle Mitarbeiter jährlich Schulungen zur Händedesinfektion durch. Als einziges Krankenhaus in Deutschland ist bei uns ein E-Learning-Seminar Pflicht für neues Klinikpersonal. Der Verbrauch von Händedesinfektionsmittel hat sich in den letzten 5 Jahren nahezu verdoppelt. Mittlerweile verbrauchen wir etwa 20000 Liter Händedesinfektionsmittel im Jahr.

Antibiotika gelten als Allzweckwaffe gegen Infektionen. Doch immer häufiger schlagen die Medikamente nicht an. Weil deswegen die Krankenhausinfektionen stark zunehmen, treffen sich Mediziner, Hygienefachkräfte, Pflegepersonal und andere Experten morgen zum ersten Hygienekongress Dresden. Zentrales Thema des Kongresses sind Hygieneprobleme in Krankenhäusern und Pflegeheimen sein. Etwa 200 Experten aus den neuen Bundesländern werden zu der Tagung der Sächsischen Landesärztekammer erwartet. Katrin Tominski sprach im vorab mit Lutz Jatzwauk, dem Krankenhaushygieniker des Uniklinikums.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.12.2011

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