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Der Herr der Füchse - Der Dresdner Jäger Hartmut Geschke fängt Gevatter Fuchs - und lässt ihn wieder frei

Der Herr der Füchse - Der Dresdner Jäger Hartmut Geschke fängt Gevatter Fuchs - und lässt ihn wieder frei

Hartmut Geschkes Fuchsfallen sind allesamt Marke Eigenbau. Im früheren Leben sind sie Fischkörbe gewesen und deshalb deutlich größer als die, die es zu kaufen gibt.

"Der Fuchs will ja bequem hineingehen", meint der Jäger und lächelt spitzbübisch. Der 53-Jährige gehört zu den sieben ehrenamtlichen Jägern, die für das Stadtgebiet von Dresden zuständig sind. Einen bezahlten Stadtjäger wie in den 1930ern gibt es längst nicht mehr. Gemeinsam mit seinem Kollegen Philipp Georgi wacht Geschke über zwei sogenannte Jagdbögen. Der eine umfasst das Areal rund um die Südhöhe, der andere liegt im Dresdner Norden und meint das Gebiet von der Hansastraße mit ihren vielen Kleingartenanlagen bis hin zur Flügelwegbrücke. Seit 13 Jahren ist Geschke für die beiden Jagdreviere zuständig.

Im Moment ist Jagen verboten, die Füchse haben Schonzeit. Erst Ende Juni darf Hartmut Geschke seine Fuchsfallen wieder in Betrieb nehmen. Meist sind es kranke Tiere, die ihm in die Falle gehen. Viele Fuchsbaue seien verseucht. "50 Füchse pro Saison kommen schon zusammen", gibt er Auskunft. Wieviele Reineckes sich insgesamt in Dresden tummeln, vermag er nicht zu sagen. Und auch die Stadt hält sich bedeckt. "Zur Populationsgröße des Fuchsbestandes werden keine Statistiken geführt", sagt Stadtsprecher Karl Schuricht auf DNN-Anfrage. Weniger geworden seien es in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht, meint Geschke. "Ich habe jetzt an einem Abend im Jagdbogen 1 im Dresdner Norden eine Familie mit sieben Füchsen gesehen", berichtet er. Allein in dieser Gegend gebe es mindestens sieben, acht Fuchsbauten.

Längst nicht jeden Fuchs, der ihm in die Falle geht, bringt der Jäger auch zur Strecke: "Die gesunden Tiere lasse ich wieder frei", sagt er. Anders als für manch anderen Jäger sei das Schießen für ihn nebensächlich, betont er. "Bis vor einigen Jahren gab es sogar 20 Euro Prämie für jeden geschossenen Fuchs", weiß Geschke.

Warum er die kranken Tiere aus dem Verkehr zieht, liegt auf der Hand: Sie verbreiten Krankheiten. "Neulich hatte ich einen Fall, da lag ein schwer kranker Fuchs mitten im Wäschekorb auf der Wiese", berichtet er. Der habe gar keine Hemmungen mehr gehabt und auch das Katzenfutter gefressen, das über Nacht draußen stand. "Ich sag dann immer: Leute, nehmt das Futter rein und rührt den nicht an, damit ihr euch nicht ansteckt", warnt der Jäger. Oft werde ihm berichtet, dass sich Problemfüchse direkt mit ans Lagerfeuer setzen und warten, ob Grillreste für sie abfallen. "In einem Autohaus hat sich so ein Fuchs sogar bis in die Werkstatt hineingewagt und auf die Frühstückspause gewartet", berichtet Geschke. "Das Problem ist, dass viele Füchse in der Stadt nicht Ratten oder Mäuse fangen, wie sie eigentlich sollten, sondern ihr Fressen von Mc Donalds holen", ist seine Erfahrung. Zudem gebe es in der Innenstadt viele räudige Füchse, die in alten Häusern Unterschlupf finden. Die Räude ist bekanntlich eine ansteckende Milbenerkrankung, die auch auf Haustiere übergehen kann.

Eigentlich arbeitet Hartmut Geschke in einem Autohaus. Und die Jägerei ist seine Passion. Drei, vier Stunden ist er jeden Tag draußen. Den Jagdschein hat er 2002 gemacht. Seitdem bejagt er auch schon die beiden Reviere. Die Liebe zur Jagd, die hat er schon vom Großvater geerbt. "Erst bin ich nur mitgegangen, dann habe ich ihn eines Tages mit dem Jagdschein überrascht", sagt Geschke.

Sitzt ein gesunder Fuchs in der Falle, schnappt der Jäger ihn sich und schafft ihn weit weg. "Ich lasse ihn zum Beispiel in der Obstplantage in Borthen wieder frei, damit er dort die Wühlmäuse wegfängt", berichtet er. Versucht Gevatter Fuchs dann nicht wieder in seine alte Heimat zurückzukehren? Manchem Tier gelinge das tatsächlich, ist Geschkes Erfahrung.

Freilich laufen nicht nur Füchse in Geschkes beiden Revieren herum, sondern auch Wildschweine, Rehwild, Marderhunde, Dachse und Waschbären. "Der Marderhund verdrängt den Fuchs aus dem Wald und nimmt sein Revier ein", hat Geschke beobachtet. Dass die Waschbären mehr geworden sind, bestätigt Stadtsprecher Schuricht. "Die richten Schaden ohne Ende an, acht Waschbären haben wir allein letztes Jahr gefangen", berichtet der Jäger.

"Ich war gerade im Maisfeld gucken, die Wildschweine sind auch wieder da", erzählt Hartmut Geschke. Er ärgert sich immer, wenn die Bauern im Maisfeld nicht einen Meter Schneise lassen, damit er seinen Leiterbock aufstellen kann, um ein Wildschwein ausfindig machen zu können. Überhaupt sei es schwieriger, auf der Südhöhe zu jagen als in Moritzburg oder Tharandt. "Früh um 4 Uhr musst du hier sitzen, denn schon gegen 5 Uhr kommt der erste Jogger vorbeigelaufen", sagt er. Und wo Bewegung und Geräusche Unruhe verursachen, nützt selbst die größte Fuchsfalle nichts.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.06.2014

Katrin Richter

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