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Der Großmarkt Kaditz versorgt die Dresdner Einzelhändler mit Gemüse, Blumen und vielem mehr

Der Großmarkt Kaditz versorgt die Dresdner Einzelhändler mit Gemüse, Blumen und vielem mehr

Rot glüht die Zigarette eines Lageristen, der auf der Laderampe neben einer "Ameise" für den Palettentransport steht. Weißes Neonlicht, das aus der großen fensterlosen Halle scheint, schneidet in die Dunkelheit.

Es ist kalt und noch sehr früh am Morgen - Hauptarbeitszeit in den Großmarkthallen in Kaditz. 24 Unternehmen sitzen in den drei Hallen auf dem Gelände. Die meisten versorgen Einzelhändler in großen Mengen mit Produkten unterschiedlichster Art. Da schon morgens die Regale in den Dresdner Geschäften gefüllt sein müssen, herrscht ab zwei Uhr Hochbetrieb im Großmarkt.

Uwe Scholten (49), der seit vier Jahren die Einkäufer für das Obst-Handelsunternehmen van Wylick betreut, hat sich an die Arbeitszeiten gewöhnt. "Wenn ich mittags nach Hause komme, halte ich erst einmal ein Nickerchen. Abends gehe ich dann ganz normal ins Bett und stehe um zwei Uhr auf", beschreibt der Mann mit dem Klemmbrett seinen gewöhnungsbedürftigen Tagesrhythmus. Sollte Scholten müde sein, merkt man ihm das zumindest nicht an. Angeregt unterhält er sich mit den meist vietnamesischen Kunden und trägt Zahlen in seine Tabellen ein.

"Die Vietnamesen sind heute fast für 85 Prozent unseren Umsatzes verantwortlich. Viele haben nach der Wende von der darbenden Textilindustrie auf den Einzelhandel mit Obst umgesattelt", erklärt van Wylicks Niederlassungsleiter Klaus Schneider und beklagt insgesamt einen starken Rückgang in der Branche. "Heute werden nur noch rund zehn Prozent des Gemüses umgesetzt, das noch zu DDR-Zeiten in den Neustädter Markthallen an der Schweriner Straße den Besitzer wechselte", sagt Schneider. Die großen Discounter würden Obst und Gemüse nur noch über eigene Betriebswege einkaufen. Einzelhändler brauchen nur noch kleine Mengen. Trotz des gesunkenen Umsatzes steckt man bei van Wylick nicht den Kopf in den Sand. "Unser Unternehmen arbeitet mittlerweile als große Obst-Vermittlungs-Agentur für Discounter in Polen und Tschechien. Der Einzelhandel spielt nur noch eine Nebenrolle", sagt Schneider.

Trotz des rückläufigen Verkaufs ist die Niederlassung modern ausgestattet. Im Dach der Halle befindet sich eine Reifeanlage für Bananen, die den bei den Deutschen besonders beliebten Südfrüchten den letzten Schliff verleiht. Bevor die gelben Früchte aus Südamerika oder Südafrika nach Deutschland verschifft werden, kühlen die Produzenten die Bananen auf unter 14 Grad herab und unterbrechen so den Reifeprozess. In Deutschland angekommen muss dieser wieder kontrolliert in Gang gebracht werden. Hierfür werden die Bananenkartons in große Kammern gefahren, in denen eine Temperatur von mehr als 16 Grad herrscht. Außerdem wird Ethylen eingeleitet, das als Reife-Katalysator dient. So ist eine Charge Bananen immer genau dann reif, wenn sie in den Verkauf gehen soll.

Nicht nur buntes Obst, sondern auch farbenprächtige Blumen, die hauptsächlich mit dem Lkw aus Holland speditiert werden, können in Kaditz gekauft werden. Kim Tuyet Vu Thi (40) aus Vietnam betreibt seit 14 Jahren zusammen mit ihrem Mann den TL-Blumenhandel. Tausende Tulpen, abgepackt in großen Kisten, liegen in diesen Tagen auf dem Boden ihres Teils der Halle zum Verkauf bereit. Die Hauptkunden der Vu This sind wie auch beim Obst vietnamesische Einzelhändler. Aber auch viele Dresdner Floristen kaufen in Kaditz ein. "Unser Angebot orientiert sich an der Nachfrage und ist sehr stark saisonabhängig", erklärt Vu Thi. Vor Mutter- und Valentinstagen stehen Rosen hoch im Kurs. In der Adventszeit und zum Totensonntag werden Tannenzweige nachgefragt. Rückt Ostern näher, sind Tulpen in allen Farben die Blumen der Wahl. "Trotzdem haben wir fast das ganze Jahr alle Blumensorten im Angebot", erklärt Vu Thi.

Oso Karacam, Geschäftsführer von Selin-Food Dresden, gehört zu den Exoten den Großmarktes. Sein Dienst beginnt erst um sieben Uhr, was da- ran liegen könnte, dass seine Kunden erst in den Abendstunden ihren Hauptumsatz erziehlen. Karacam verkauft auf 2000 Quadratmetern von Ayran über Apfeltee, Peperoni, Oliven und Efes-Bier bis hin zu Pizzakartons fast alles, was ein Dönerimbiss oder auch eine Pizzeria brauchen. Nur die massigen Kebabspieße hat er nicht im Angebot. Hierfür gebe es andere An-bieter, so Karacam. Waren in der Größenordnung von zwei Lkw-Ladungen verlassen die Selin-Food-Halle am Tag. Die meisten türkischen Lebensmittel würden nicht, wie viele denken, direkt aus der Türkei importiert, sondern kommen aus Holland und Spanien, so Karacam.

Abdullah Tosuner betreibt einen Döner- und Pizza-Imbiss in Siebenlehn. Er fährt einmal in der Woche mit seinem Transporter nach Kaditz, um sich mit Lebensmitteln und Verpackungen einzudecken. "Ich kaufe schon seit Jahren bei Selin-Food. Hier sind alle Mitarbeiter sehr freundlich - man kennt sich eben - und ich bekomme alles, was ich benötige, zu sehr günstigen Konditionen", sagt Tosuner und fügt hinzu: "Ich nutze auch das umfangreiche Gemüseangebot in den anderen Hallen. So habe ich mit einer Fahrt fast meinen ganzen Wocheneinkauf für den Imbiss erledigt".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.03.2014

Hauke Heuer

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