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Der Familienbetrieb März Menü kocht für Kinder aus 19 Nationen

Der Irrtum mit der Tiegelwurst Der Familienbetrieb März Menü kocht für Kinder aus 19 Nationen

„Die Kinder sind der Schlüssel zur Integration“, sagt Katharina März (28), die gemeinsam mit ihrer Mutter den Essensversorger März Menü leitet. „Sie lernen so schnell die deutsche Sprache und kommunizieren dann mit uns.“

Leitet mit 28 Jahren einen Familienbetrieb: Katharina März in der Küche von März Menü.

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  „Die Kinder sind der Schlüssel zur Integration“, sagt Katharina März (28), die gemeinsam mit ihrer Mutter den Essensversorger März Menü leitet. „Sie lernen so schnell die deutsche Sprache und kommunizieren dann mit uns.“ Oft komme es vor, dass das Kind von Migranten sich seinen Speiseplan am Telefon in bestem Deutsch zusammenstelle und dann in Landessprache seinen Eltern erkläre, was es da gerade tut, so die Mitgeschäftsführerin. „Wenn die Kinder gut gebildet werden, kann Integration gelingen“, sagt sie.

März Menü beliefert unter anderem die 19. Grundschule Am Jägerpark, und dort werden Kinder aus 19 Nationen unterrichtet. Was sich auf den Speiseplan nicht sonderlich auswirke: „Ich frage regelmäßig das Wunschessen der Kinder ab. Da kommen aus der 19. Grundschule kaum andere Angaben als aus anderen Einrichtungen.“ Rund 2500 Portionen kocht März Menü am Standort Gottfried-Keller-Straße, Schüler haben die Wahl zwischen drei warmen Gerichten und einem Salat. Wobei der Salat vor allem von Lehrerinnen und Lehrern bestellt werde. Was prinzipiell richtig sei. Schüler bräuchten ein warmes Mittagessen.

„Wir fokussieren uns nicht auf eine bestimmte Gruppe, wenn wir die Speisepläne erarbeiten“, sagt Katharina März. Eine Menülinie sei prinzipiell vegetarisch, eine weitere orientiere sich an den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Danach muss einmal pro Woche genauso eine Suppe wie Fisch und ein vegetarisches Gericht auf den Tisch kommen, Süßspeisen werden zweimal im Monat empfohlen. Sächsische Gerichte wie Kartoffeln mit Quark oder Buchteln in Vanillesoße würden eine große Rolle spielen, aber auch Pastagerichte oder mediterrane Pfannen.

Für Kindertagesstätten gibt es kein Wahlessen, so die Mitgeschäftsführerin, die hin und wieder auch einmal eine Überraschung erlebt. „Eine Kita hat sich eines Tages gewünscht, dass wir doch einmal Tiegelwurst kochen. Das haben wir gemacht, die Kinder haben es ohne Murren gegessen“, so die Diplom-Betriebswirtin. In einer weiteren Kita komme nun auch hin und wieder Tiegelwurst auf den Tisch, während die dritte von dem Unternehmen belieferte Einrichtung dieses Angebot dankend ablehne.

40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei März Menü beschäftigt, wobei mit fünf die wenigsten in der Küche am Herd stehen. Die meisten fahren das Essen aus oder sind in den Schulen und Kindereinrichtungen mit der Essensausgabe beschäftigt. „Wir haben keine Springer“, so die Juniorchefin, „wenn jemand krank wird, müssen wir uns selbst zur Verfügung stellen und auch schon mal drei Stunden Geschirr spülen.“

Das sei aber auch ein Vorteil eines mittelständischen Unternehmens: „Wenn bei uns Kinder oder Eltern anrufen, haben sie keine Hotline am Apparat.“ Ab 5 Uhr stünde ein Mitarbeiter für Ab- oder Ummeldungen zur Verfügung, ab 6 Uhr seien drei Telefone besetzt. Und zwar nicht mit Callcenter-Mitarbeiterinnen. „Meine Mutter, mein Schwager und ich gehen da ans Telefon“, erklärt die junge Frau, warum März Menü ein Familienbetrieb ist. Wenn eine Schule ein Schulfest feiere, dann komme es schon vor, dass ihre Mutter, ihr Vater und sie selbst am Grill stehen würden. „Dieser enge Kontakt zu unseren Kunden ist uns wichtig. Wir wollen gemeinsam über Wünsche, Sorgen und Ideen sprechen.“

Denn eines dürfe nicht passieren: Dass Essen im Müll landet. „Nichts ist schlimmer, als wenn Kinder direkt von der Essensausgabe zum Müll gehen. Es ist nicht akzeptabel, Lebensmittel wegzuwerfen“, sagt Katharina März. Die Kinder würden das Essen zu Hause lernen, ein Anbieter habe kaum Einfluss auf Essgewohnheiten. „Aber wir versuchen, mit Aktionen wie ’Gesundes Frühstück’ und ’Knigge in der Mensa’ das Interesse für Ernährung zu wecken.“ Die Eltern würden nicht mehr nur noch Wert auf den Preis legen, sondern die Qualität spiele eine immer größere Rolle. „Es gab ja eine öffentliche Debatte zum Schulessen und ein Umdenken“, hat die Mitgeschäftsführerin bemerkt, „Mittagessen lässt sich mit Dumpingpreisen nicht auf einem hohen Niveau anbieten.“ Qualität heiße auch eine faire Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Essen auf den Tisch bringen. „Wir hatten die letzte Preiserhöhung bei Einführung des Mindestlohnes. Da mussten wir aber wenig diskutieren, die meisten Eltern haben es verstanden.“

Dass der Zustrom von Asylbewerbern nach Dresden Essensversorgern die Möglichkeit für zusätzliche Geschäfte bietet, weiß die Diplom-Betriebswirtin. „Aber wir haben in unserer Küche die Kapazitätsgrenze fast erreicht. Wir wollen diesen Betrieb in Familienhand lassen und streben kein ungesundes Wachstum an.“ Was es nicht einfacher mache, die Kapazitäten während der Schulferien auszulasten. „Da sind uns Catering-Aufträge sehr willkommen“, so die junge Frau, die durchaus auch mal eine Konferenz mit 1100 Teilnehmern versorgen kann. „Das geht aber nur, weil wir so ein gutes Team sind und jeder mit anpackt, wenn es darauf ankommt“, sagt sie stolz.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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