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Der Dresdner Verein Sukuma arts hat einen Kinospot über das Problem von Handyschrott gedreht

Der Dresdner Verein Sukuma arts hat einen Kinospot über das Problem von Handyschrott gedreht

Das Grauen hat einen Namen: Agbogbloshie. In der ghanaischen Stadt befindet sich die größte Elekroschrotthalde der Welt. Auf riesigen Bergen türmen sich hier Elektrogeräte, die bei uns niemand mehr haben möchte.

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Regisseur Thomas Frick (Mitte) mit den Darstellern des Kinospots Dominik Schiefner und Dagmar Jara.

Quelle: Norbert Neumann

Etwa zwei Millionen Tonnen Elektroschrott produzieren alle Deutschen nach Schätzungen der Vereinten Nationen pro Jahr. Nur 700 000 Tonnen gelangen davon in das bundesrepublikanische Recyclingsystem. Was mit dem Rest geschieht, ist unklar. Meist gelangt der Schrott auf dunklen Kanälen nach Afrika.

Damit sich an diesen unhaltbaren Zuständen etwas ändert, möchte der Dresdner Verein Sukuma arts die Menschen wachrütteln. Unter dem Motto "Du kaufst mehr als Du denkst" haben die Verantwortlichen ihren jährlichen Filmpreis für Nachhaltigkeit, den Sukuma Award, diesmal dem Thema "Faire Handys" gewidmet. "Obwohl wir alle täglich Handys nutzen, denkt kaum jemand darüber nach, wie sie hergestellt werden und was mit den Geräten passiert, wenn wir sie nicht mehr brauchen", sagt die Sprecherin des Awards, Carla Schweigert. Problematisch sei dabei nicht nur eine unsachgemäße Entsorgung, sondern auch das Horten von Handys in den Haushalten. "Während Computer oder Drucker eher in den Wertstoffhöfen abgegeben werden, ist das bei Handys kaum der Fall", so Schweigert.

Gerade in Dresden muss das eigentlich nicht so sein. Denn bereits seit 1995 werden die Geräte in den Behindertenwerkstätten des Vereins Lebenshilfe e.V. zerlegt und der Verwertung bzw. der umweltgerechten Entsorgung zugeführt. 1720 Tonnen Elektroschrott werden pro Jahr im Rahmen des Projektes "HandYcap" verarbeitet. Wertvolle Rohstoffe wie Kupfer, Silber, Gold und Palladium sind der Lohn der Arbeit. Allerdings sind gerade Mobiltelefone in den Sammelstellen noch immer deutlich unterrepräsentiert. Aber es tut sich etwas. Wurden 2013 1189 Handys abgegeben, waren es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits 1300.

Vielleicht trägt der Sukuma Award ja dazu bei, dass in Zukunft noch mehr Dresdner den Weg in die Sammelstellen finden. Ein ansprechender Kinospot kann da nicht schaden. Doch bevor es diese Woche mit den Dreharbeiten losging, mussten die Vereinsmitglieder aus den eingesendeten Drehbuchideen erst einmal das beste Konzept auswählen. "Wir hatten fast 100 Zusendungen und haben uns für eine Geschichte mit einem Manager entschieden, der eine Wahrsagerin besucht und dort erfährt, wie viel Leid sein geliebtes Smartphone verursacht", sagt Carla Schweigert. Das Resultat der Dreharbeiten ist am 26. August bei den Filmnächten am Elbufer zu bewundern. Zu sehen ist dann auf der großen Leinwand auch Dagmar Jara, die sich mit ihrer Filmidee bei dem Wettbewerb durchgesetzt hat. Sie spielt in dem Kurzfilm die Wahrsagerin. "Weil ich bereits Schauspielerfahrung habe, bin ich gefragt worden, ob ich auch mitspiele. Gern habe ich zugesagt", freut sich die 47-jährige Pädagogin.

"Ich bin ein großer Freund von einem nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen. Aus diesem Grund benutze ich meine Handys mindestens vier Jahre, bis sie dann irgendwann kaputt gehen", so Jara. Als Schauspiel-Profi steht ihr in dem kurzen Spot Dominik Schiefner zur Seite, der regelmäßig am Dresdner Staatsschauspiel und in Filmen zu sehen ist. "Für mich ist es Irrsinn, wenn man gerade ein neues Smartphone gekauft hat und bald darauf schon wieder darüber nachdenkt, was es Neues gibt", sagt Schiefner, der ehrenamtlich in dem Film auftritt.

Regie führt wie in den Vorjahren, als es beim Sukuma Award um die Produktionsbedingungen von sächsischen Polizeiuniformen in Osteuropa und um Lebensmittelspekulationen von Banken ging, Thomas Frick. Er gibt den eingesendeten Geschichten den letzten Schliff. "Ich bin auch Dramaturg und sorge dafür, dass die Geschichte am Ende kurz, knackig und emotional ist."

Wer am 26. August keine Zeit hat, kann den Spot auch ab September in der Schauburg oder im Cinemaxx-Kino sehen. Obwohl es Spaß machen soll, den Film anzusehen, ist den Mitstreitern von Sukuma vor allem eines wichtig: "Wir möchten die Menschen zum Umdenken bewegen", sagt Carla Schweigert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.08.2014

Stephan Hönigschmid

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