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Debatte um Erinnerungskultur am 13. Februar in Dresden: "Rechthaberei von allen Seiten"

Debatte um Erinnerungskultur am 13. Februar in Dresden: "Rechthaberei von allen Seiten"

Die Erinnerungskultur gleiche einem alten Haus, das einer ständigen Renovierung bedarf. Diesen Vergleich zog der Historiker Justus Ulbricht am Mittwoch bei einer Diskussion um die Erinnerungskultur zum 13. Februar in Dresden.

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Die Menschenkette am 13. Februar 2015 in Dresden

Quelle: Dominik Brüggemann

An der Diskussion des Dresdner Geschichtsvereins und des Stadtmuseums Dresden nahmen zudem Joachim Klose, Moderator der AG 13. Februar, Frank Richter, Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) und Claudia Jerzak, Doktorandin an der TU Dresden, teil.  

Vom Ausgangspunkt, dass der 13. Februar ein kollektives Datum der Erinnerung in Dresden ist, führten die Moderatoren Erika Eschebach und Hans-Peter Lühr, Herausgeber der Dresdner Schriften, zur Diskussion um den aktuellen Stand und das zukünftige Erinnern an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. „Wir haben einen würde- und ehrenvollen sowie friedvollen 13. Februar betrachten können“, so Lühr über das Gedenken zum 70. Jahrestag, an dem auch Bundespräsident Joachim Gauck als Ehrengast in der Dresdner Frauenkirche teilnahm.  

Dabei sei die Planung in der AG 13. Februar keinesfalls vergnügungsteuerpflichtig, wie Joachim Klose, der die Gruppe seit 2013 moderiert, sagte. Die teils stark polarisierenden Gruppen in der Stadt arbeiteten trotzdem gemeinschaftlich an einer Suche nach einem sinnvollen Gedenken.  

Plädoyer für Menschenkette 

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Joachim Klose, Moderator der Arbeitsgruppe 13. Februar. (Archiv)

Quelle: Hauke Heuer

Die Menschenkette sei dabei ein sichtbares Zeichen für den Austausch der gemeinsamen Verbundenheit. Klose plädierte für den Erhalt der Menschenkette, auch wenn die Neonazis nicht mehr am 13. Februar in der Stadt präsent seien: „Sie steht nicht nur gegen etwas, sondern auch für etwas. Wir müssten sie neu erfinden, wenn es sie nicht bereits gäbe“, so Klose. Bei der Zusammenarbeit sei es wichtig, Gutes auch als gut zu bezeichnen. Der Mahngang Täterspuren des Bündnis „Dresden – Nazifrei“ sei ein solches Beispiel, auch wenn das Bündnis selbst nicht zur AG gehöre. 

  „Das Gedenken ist frei“  

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Frank Richter, Leiter der SLpB. (Archiv)

Quelle: Dominik Brüggemann

Als eminentes Politikum der Stadt bezeichnete Frank Richter, ehemaliger Moderator der AG 13. Februar, das Datum der Zerstörung und das heutige damit verbundene Gedenken. „Die Kultur, wie wir an die Vergangenheit erinnern, sagt mindestens ebenso viel über die Gegenwart aus“, so der Leiter der SLpB, der betonte, das es keine Deutungshoheit über die Vergangenheit gebe: „Nicht nur die Gedanken sind frei, auch das Gedenken ist frei.“ Allein in diesem Jahr Quartal stehen über 140 Veranstaltungen rund um den 13. Februar im Internetportal der Stadtverwaltung. Die Frage laut Richter sei, ob die Gesellschaft bereit ist, diese Vielfalt an Erinnerung auszuhalten. 

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Dresden am 15. Februar: Neonazi-Demo und lautstarke Gegenproteste

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Rechthaberei von allen Seiten  

Dabei kritisierte er auch die beteiligten Gruppen, die als Veranstalter rund um den 13. Februar in Erscheinung treten: „Ich verspüre eine große Menge an Rechthaberei.“ Es handele sich um eine unversöhnliche Rechthaberei, bei der sich viele Vertreter für das aus ihrer Perspektive jeweils „richtige“ Gedenken einsetzten. „Wie kann man den ernsthaft meinen, ein stilles Gedenken durchsetzen zu wollen. Und wie kann man umgekehrt meinen, denen, die still gedenken wollen, jenes zu vergelten, in dem man Blitzknaller wirft“, so Richter. Dies seien alles Erlebnisse, die er in den vergangenen Jahren beobachtet habe, jedoch nur zur Unversöhnlichkeit beitrügen.  

Zukunftiges Gedenken    

Der Historiker Ulbricht betonte, dass es Aufgabe der Dresdner ist, die Erinnerung weiterzugeben. „Wer nicht ins Vergessen verschwinden darf, sind die Toten. Aber sie sind nicht der alleinige Teil der Erinnerung. Auch die Ursachen müssen immer betrachtet werden.“ Dresden habe es bei der Erinnerung an durch Bombardements zerstörte Städte irgendwie auf Platz 1 geschafft. Er stellte dabei mehrere Gedenkoptionen in den Raum, die Perspektive zu ändern: „Wir könnten als Beispiel an den 13. Februar 1946 erinnern – ein Jahr des Neuanfangs.“ Flüchtlinge seien ebenso unterwegs gewesen, Weihnachten könnte als Fest des Friedens betrachtet werden und auch viele andere Städte in Sachsen seien zerstört worden.  

Aus dem Publikum kam mehrfach die Forderung nach einem zentralen Mahnmal, an dem jährlich an den 13. Februar 1945 gedacht werden könnte. Der Historiker Ulbricht betonte, das Erinnerungskultur drei wichtige Funktionen mit sich bringe. Die Trauer für die Erlebnisgeneration – die auch an einem Mahnmal stattfinden könnte, die Erinnerung und die Wissensvermittlung. Letztere sei entscheidend darüber, wie Dresdner Schüler mit dem Datum umgingen. „Eine Anschauung vor Ort und die Vermittlung der Ursachen“ helfe, ein umfassendes Wissen zu generieren. „Ein Blick über den Tellerrand, auch an allen Tagen im Jahr und nicht nur am 13. Februar“, könne helfen, mit dem für Dresden wichtigen Datum besser umzugehen, so Richter in seinem Fazit.

Dominik Brüggemann

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