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Debatte über Gott und Moral: Uraufführung "X2" im Festspielhaus Hellerau

Debatte über Gott und Moral: Uraufführung "X2" im Festspielhaus Hellerau

Nichts Geringeres als die Zehn Gebote, genaugenommen aber noch viel mehr, steckt hinter dem unscheinbaren Kürzel X, mit dem Harriet und Peter Meining bzw. das Team der norton.

commander.productions ihr aktuelles Projekt überschreiben. Dahinter steckt so viel Ansatz, Überlegung und Diskussion(sbedarf), so viel in unterschiedliche Richtungen driftende spielerische Fantasie, dass das alles, wenn überhaupt, unmöglich in einem Anlauf zu bewältigen ist. So nahm man sich beim ersten Abend im vergangenen Jahr den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies vor sowie die Verbote von Mord und (geistigem) Diebstahl. Schräges Theater mit Menschen und Gummitieren, ein Film in Monty-Python-Manier und ein Konzert mit John Lennons "Imagine" in X Arrangements - jedes Genre auf seine Weise diente der doppelbödigen Desillusionierung ohne greifbare Botschaft, die über die recht allgemeine Einsicht hinausgegangen wäre, dass es um die Menschheit nicht zum besten bestellt ist.

Im zweiten Teil, der heute wiederum im Festspielhaus Hellerau seine Uraufführung erlebt, sollen nun die losen Fäden verzwirnt werden. Dafür soll nicht nur ein kurzer Film sorgen, mit dem, wie sich das für Mehrteiler gehört, das Vorangegangene in Erinnerung gerufen wird, sondern in erster Linie die anschließende Debatte. Die findet sozusagen im Hörsaal oder einer Art Amphitheater statt, in dem sich die Zuschauer u.a. einem Aufgebot von 50 Plattenspielern nebst zugehörigen Miniverstärkern und Boxen gegenübersehen, einem tönenden Archiv voller Argumente, denen man freilich nicht gar zu viel zutrauen sollte. Zumal nicht in Bezug auf die tatsächlich hochwissenschaftliche Statements und exakt philosophischen Fragen, die geradewegs auf das vermeintliche Kernproblem zusteuern, nämlich auf den Beweis der Existenz oder Nichtexistenz Gottes bzw. auf die Frage: Kann es eine moralische Gesellschaft geben ohne Glauben an Gott? Vier Dozenten in Nadelstreifen wetteifern mit einer attraktiven Kollegin auf High Heels um die besten Argumente, geraten dabei jedoch immer wieder unversehens in die Untiefen ihrer eigenen (zum Teil authentischen) Geschichte und handeln so eine Reihe gern und regelmäßig übergangene Gebote ab (keine anderen Götter haben, den Namen nicht missbrauchen, den Feiertag ehren, nicht ehebrechen, des Nachbarn Haus nicht begehren).

"Die Psychologin aufzusuchen, kostet Gott einige Überwindung, doch was bleibt ihm anderes übrig, er will seine Kinder zurückgewinnen, er hat doch sonst niemanden", heißt es im Programmblatt, gar nicht so fern von Thomas Manns Überlegungen in "Joseph und seine Brüder". Auch Brecht ist nicht weit: Wir können es uns leisten, über Moral zu debattieren, denn wir haben ja mehr als genug zu essen. Ein paradiesisches Jenseits, stellt Peter Meining fest, interessiere entsprechend wenig. Der norton.commander ist darauf programmiert, lustvoll über die Verantwortung für das Diesseits nachzudenken, ohne jemandem die eigenen Schlussfolgerungen abzunehmen. Die beiden ersten Teile des Projekts versuchen dabei eine Art Bilanz aus Vergangenheit und Gegenwart , der dritte soll sich An- und Aussichten für die Zukunft widmen.

Aufführungen heute und morgen, 20 Uhr, Festspielhaus Hellerau

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.10.2012

Tomas Petzold

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