Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Google+
Datenausspäher vor Gericht: Dresdner Polizei schneller als Bundesbeamte

Datenausspäher vor Gericht: Dresdner Polizei schneller als Bundesbeamte

Über ein Jahr waren die Ermittler des Bundeskriminalamtes den vier Bulgaren auf den Fersen. Fassen konnten die Experten die Kriminellen nie. Das gelang erst der Dresdner Polizei im Januar: Als ein Kunde am Vormittag an einem Geldautomaten der Deutschen Bank auf der Kesselsdorfer Straße eine Manipulationseinheit entdeckte, mit der die Kartendaten von Bankkunden ausgespäht werden sollten, legten sich die Dresdner Beamten auf die Lauer.

Ihre Geduld wurde belohnt: Gegen 22 Uhr erschienen drei Personen, die die Daten aus dem Gerät auslesen wollten. Die Ermittler griffen zu - und stellten die Verantwortlichen für einen der bundesweit größten Fälle von Datenklau, wie Staatsanwalt Thomas Hellmich am Freitag sagte. Ein vierter Mittäter allerdings konnte entkommen und bis heute nicht gefasst werden - mehrfach entwischte er bereits der bulgarischen Polizei.

Auf das Konto des Quartetts gehen laut Anklage 18 Ausspäh-Attacken auf Geldautomaten in Zwickau, Glauchau, Arnstadt, Jena, Potsdam, Berlin, Eisenberg, Wangen (Allgäu) und eben Dresden. In der Landeshauptstadt hatten die vier Bulgaren auch ihr Quartier aufgeschlagen - in einer Wohnung in Gorbitz, die ihnen laut Hellmich ein Komplize zur Verfügung gestellt hatte. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten mehrere Ausspähgeräte und Doubletten von ec-Karten, deren Besitzer an manipulierten Geldautomaten Geld abgehoben hatten.

Es war nicht leicht, die Manipulation zu entdecken - das Lesegerät brachten die Bulgaren am Kartenschacht an, dann legten sie eine hauchdünne Tastatur über den richtigen Tastenblock, um die PIN-Nummern auszuspähen. In einigen Fällen versteckten sie auch eine Videokamera in einem täuschend echten Werbeschild. Die Daten mailten sie an Komplizen in der ganzen Welt. Wenige Tage nach den Ausspäh-Attacken wurden die Konten der betroffenen Kunden geplündert - an Geldautomaten in Sofia, Warna, Moskau, New York, aber auch Lima hoben Unbekannte Bargeld ab. Sehr hohe Summen. Der Gesamtschaden beläuft sich laut Hellmich auf 856 655,10 Euro.

Die 3. Große Strafkammer unter Vorsitz von Joachim Kubista bot Strafobergrenzen von zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis bis sechs Jahre und sechs Monate an, wenn die Angeklagten Geständnisse ablegen und auch ihre Hintermänner benennen. Der Prozess wird Anfang Januar fortgesetzt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.12.2011

Thomas Baumann-Hartwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
21.08.2017 - 12:52 Uhr

Der 26-Jährige, der auf den Fußballer schoss und dessen Tante tötete, muss ins Gefängnis.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.