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Das zweite Leben von Spürnase Oskar

Militärhistorisches Museum Dresden Das zweite Leben von Spürnase Oskar

Der Belgische Schäferhund Oskar hat Schusswaffen und Sprengsätze im Kosovo und in Afghanistan aufgespürt. Jetzt dient er als Tierpräparat im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr.

Präparator Jens Hans mit Oskar.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Der Belgische Schäferhund Oskar hat Schusswaffen und Sprengsätze im Kosovo und in Afghanistan aufgespürt. Jetzt dient er als Tierpräparat im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr.

„Das hat der Präparator wirklich gut hinbekommen, genauso sah Oskar aus.“ Marcel M., der seinen vollen Namen nicht preisgeben möchte, betrachtet das präparierte Tier, das einmal sein Hund war. Und man merkt dem früheren Stabsunteroffizier und Diensthundeführer bei der Bundeswehr an, dass ihm die Begegnung mit seinem verstorbenen Vierbeiner verdammt nahe geht. Ein knappes Jahr ist es her, dass er den Belgischen Schäferhund zum letzten Mal lebend gesehen hat. Am 7. Dezember 2015 nämlich starb Oskar betagt mit 15 Jahren an Altersschwäche. Und nun komplettiert er gemeinsam mit weiteren präparierten Tieren – u.a. einem Dromedar, Gänsen und einem Pferd mit Gasmaske – die Dauerausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, die sich auch mit dem Einsatz von Tieren in Kriegszeiten beschäftigt. Allein neun Millionen Tiere, darunter eben auch zahllose Hunde, sind im Zweiten Weltkrieg eingesetzt worden.

Bis 2012 hatte der Belgische Schäferhund bei der Bundeswehr als Kampfmittelspürhund gedient und Schusswaffen, Munition und versteckte Sprengsätze aufgespürt. „2005 waren wir beide gemeinsam mit dem Fallschirmjäger-Bataillon 373 Doberlug-Kirchhain im Kosovo im Einsatz und 2008 gleich zweimal in Afghanistan“, berichtet Marcel M. Oskar sei in der Lage gewesen, 30 verschiedene Kampfmittelarten aufzustöbern. Dass sein Schäferhund in der Ausstellung in einem Brustgeschirr steckt und Maulkorb und Schutzschuhe an den Pfoten trägt, hat seinen Grund: Oskar ist im früheren Leben ein Fallschirmjäger-Diensthund gewesen. „Ich habe mich aus dem Hubschrauber abgeseilt und hatte den Hund dabei am Rücken hängen“, erklärt der 36 Jahre alte Ex-Bundeswehrangehörige. Ein ruhiger und zugleich mutiger Hund sei Oskar gewesen, einer, auf den man sich verlassen konnte. „Er hat seinen Job gut gemacht und in den früheren Kriegsgebieten allerhand Sachen gefunden“, fügt Marcel M. hinzu, ohne konkreter werden zu wollen. Vor vier Jahren hat der junge Mann gemeinsam mit seinem Hund den aktiven Dienst quittiert. Der frühere Diensthundeführer ist jetzt bei der Feuerwehr beschäftigt und hält privat wieder einen Belgischen Schäferhund – Enzo, einen Enkel von Oskar übrigens, der auch schon wieder acht Jahre alt ist.

Oskar beim Training für den Bundeswehreinsatz

Oskar beim Training für den Bundeswehreinsatz.

Quelle: Bundeswehr

Wenn Marcel M. dem Präparator sehr gute Arbeit bescheinigt, ist das für Jens Hans ein großes Kompliment. Der 48-Jährige hat den vierbeinigen Freund des Ex-Soldaten binnen vier Monaten aufwendig für das Museum hergerichtet. „Ich hatte vor der Begegnung ganz schön Muffensausen“, räumt der Tierpräparator ein. Ihm sei daran gelegen, dass die Leute ihre Tiere, an denen sie meist sehr gehangen haben, nach dem Präparieren wiedererkennen. Das hinzubekommen, sei schon eine Kunst. Zunächst hat Jens Hans dem verstorbenen Schäferhund das Fell über die Ohren gezogen – aber so, dass beispielsweise Ohren und Füße unversehrt blieben. Damit er Oskar sein Gesicht wiedergeben konnte, musste er dem Tier die Totenmaske abnehmen. Und er hat Fotos angeschaut, Anatomiestudien gemacht und das Tonmodell modelliert – „so wie ein Künstler seine Statue“, erklärt er. Zu seinen Werkzeugen gehören sowohl feinste Schnitzklingen als auch die Kettensäge. Bevor das Fell dann auf den Kunststoffkörper aufgezogen werden kann, muss es gegerbt und fünf bis sechs Wochen getrocknet worden sein. Dann geht Jens Hans daran, die Nähte mit Nadel und Faden fein zu vernähen.

Seltenheitswert haben die mundgeblasenen Kristallglasaugen. „Ich habe sie in den 1980er Jahren von einem Glasaugenmacher aus Lauscha bekommen“, verrät Jens Hans. Zuletzt koloriert er Augenränder und Schnauze des Schäferhundes mit Air-Brush nach, striegelt sein Fell mit einem Pflegemittel und fertig ist der präparierte Schäferhund. Um die 2500 Euro wird er wert sein.

Schätzungsweise 5000 Tiere hat Jens Hans in seinem Leben präpariert. Der gebürtige Leipziger war als Präparator auf Schloss Augustusburg angestellt, ist nach 24 Jahren entlassen worden, hat drei Jahre lang zum Erzieher umgeschult, arbeitet seit August im Montessori-Kinderhaus Freiberg – und präpariert jetzt im Nebengewerbe Tiere wie Oskar, den Belgischen Schäferhund. Sehr zur Freude von Marcel M. und zur Erbauung der Museumsbesucher.

www.mhmbw.de

Von Kathrin Richter

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