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Das Militär entdeckt sein Herz für Kinder - an der Marienallee Dresden entsteht die größte Kita Sachsens

Das Militär entdeckt sein Herz für Kinder - an der Marienallee Dresden entsteht die größte Kita Sachsens

Ein ungewöhnliches Projekt privater Investoren nimmt derzeit an der Marienallee in der Dresdner Albertstadt Gestalt an. Inmitten militärischer Einrichtungen soll in den Räumen der ehemaligen Landesbibliothek bald fröhliches Kinderlachen erschallen.

Von Jane Jannke

Auf rund 10 000 Quadratmetern werden hier ab 2013 mehrere Hundert Schul-, Kita- und Krippenkinder betreut. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die zunächst ungewöhnlich anmutende Standortwahl so abwegig gar nicht ist, denn ein wesentlicher Partner des Projektes ist die Bundeswehr.

Der positive Trend in Sachen Nachwuchs macht auch vorm Militär nicht halt. "Seit Jahren wächst bei uns die Nachfrage nach Kita-Plätzen", erklärt Oberstleutnant Wolfgang Spindler, Beauftragter für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Bundeswehrstandort Dresden. Auch aufgrund der zunehmenden Zahl von Frauen, die eine Militärlaufbahn einschlagen, sei das Thema immer vordergründiger geworden. Bereits 2007 trug man sich daher mit dem Gedanken, eigene Kita-Plätze vorzuhalten. "Damals lag der Bedarf bei 45 Plätzen. Das war problematisch, aber zu wenig, um eine eigene Kita zu eröffnen." Derzeit werden am Bundeswehrstandort 27 Kita-Plätze gebraucht, davon acht in der Heeresschule. Das scheint nicht viel, doch immer häufiger stellt die Unterbringung des Sprösslings auch angehende Offiziere, die aus der ganzen Welt kurzfristig zu ihrer Ausbildung anreisen, vor kaum lösbare Probleme. "Eine Anwärterin musste ihren Lehrgang bereits absagen, weil sie ihr Kind nicht untergebracht bekam", berichtet Spindler.

Abhilfe soll nun der Kita-Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft schaffen. "Als klar war, dass die Kita kommt, haben wir umgehend Kontakt mit den Investoren aufgenommen." Belegungsrechte für sieben Krippen- und 14 Kita-Plätze erhält die Bundeswehr nun am neuen Standort. Im Umkehrschluss stellt die Heeresschule Stellplätze bereit, damit die begrenzten Außenanlagen rings um die Landesbibliothek ausschließlich als Spielfläche für die Kinder genutzt werden können. "Intern werden bereits Spenden für Spielgeräte und Inneneinrichtung der Kita gesammelt", verrät der Familienbeauftragte.

Noch ist kaum vorstellbar, dass in dem 117 Jahre alten Gebäude bald Hunderte Kinder im Alter zwischen null und zehn Jahren herumwuseln werden. So aber lautet der Plan der Investoren. Patrick Aldorf kaufte Haus und Grund vor zweieinhalb Jahren vom Freistaat. Anfang des Jahres gründete er mit dem Dresdner Bauunternehmer Uwe Töpfer die Marienallee Dresden Verwaltungs GmbH. Gemeinsam investieren die beiden Gesell- schafter zehn Millionen Euro in den neuen Kita-Standort. Planmäßig werden im Erdgeschoss 67 Krippenkinder einziehen, im ersten und zweiten Obergeschoss bekommen 250 Kinder- gartenkinder ihr neues Reich. Unters Dach zieht die einzügige Melli-Beese-Grundschule, die später auf zwei Züge erweitert werden kann. Noch steht die Baugenehmigung aus, doch derweil sind an der Marienallee 12 zunächst Sicherungs- und Abrissarbeiten im Gange.

Die Stadt als Mieterin sucht derzeit noch einen Träger für Kita und Grundschule. Fest steht bislang nur, dass es in beiden Fällen ein freier Anbieter sein wird. "Wichtig ist, dass die künftigen Betreiber die Historie des Gebäudes mittragen", sagt Investor Uwe Töpfer. So soll der frühere Musiklesesaal im zweiten Obergeschoss künftig als Kreativraum der Kita fungieren, die - so Töpfer - "anders funktionieren wird als gewöhnliche Kitas."

Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Heizungsanlage und Haustechnik des Gebäudes müssen erneuert werden, ebenso die sanitären Anlagen. Nicht zuletzt die Schul- und Kita-Räume müssen noch bedarfsgerecht hergerichtet werden. "Wir versuchen, dabei so viel historische Substanz wie möglich zu belassen", betont Töpfer. So soll etwa der riesige Lesesaal mit den historischen Holzeinbauten erhalten bleiben. Hier wird die Kleiderkasse der Bundeswehr künftig ein Geschäft für Militärbekleidung (LHD) betreiben. Der historische Saal bleibt damit auch weiter für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Übrigen werden auch die Sächsische Landesbibliothek und die Staatlichen Kunstsammlungen, die bislang im Haus waren, am Standort verbleiben.

Unklarheit herrscht dagegen noch hinsichtlich der Essensversorgung. Während der Bundeswehr eine Vollversorgung mit vor Ort frisch zubereitetem Essen vorschwebt, präferiert der Investor eine Lösung mit halbfertig angelieferten Speisen. Das sei zum einen preiswerter und schone gleichzeitig die historische Bausubstanz. "Für eine Vollküche müssten noch zusätzlich erhebliche Einbauten wie etwa ein Fettabzug realisiert und das Brandschutzkonzept umgearbeitet werden", so Uwe Töpfer.

Pünktlich zum neuen Schuljahr sollen in der Grundschule die Lichter angehen, Kita und Krippe folgen voraussichtlich im ersten Quartal 2013. Von den neuen Schul- und Kita-Plätzen wird nicht nur die Bundeswehr profitieren: "Bedarf haben sämtliche Behörden entlang der Stauffenbergallee angemeldet", weiß Wolfgang Spindler. Und auch vor dem Hintergrund der defizitären Betreuungssituation in der Dresdner Neustadt dürfte der Standort eine echte Lücke füllen.

Das Gebäude Marienallee 12 wurde 1894/95 als eines der letzten Kasernengebäude der Albertstädter Militärgarnison errichtet. Nach der Fertigstellung diente es als Mannschaftshaus für das 12. Königlich-Sächsische Infanterieregiment Nr. 177 und hieß nach dem sächsischen Kronprinzen Prinz-Friedrich-August-Kaserne. Auch während der Weimarer Republik und des Dritten Reiches wurde es militärisch genutzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam der Bau ab 1947 in zivile Nutzung durch die Sächsische Landesbibliothek. 1952 eröffnete das Buchmuseum, 2002 erfolgte der Umzug an den Zelleschen Weg. Bis heute wird das Haus als Depot der Staatlichen Kunstsammlungen und Außenstelle der Bibliothek genutzt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.05.2012

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