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"Das Maß war voll" - BI Sowjetischer Garnisonfriedhof trennt sich vom Volksbund und geht eigene Wege

"Das Maß war voll" - BI Sowjetischer Garnisonfriedhof trennt sich vom Volksbund und geht eigene Wege

Für Insider kam die Nachricht nicht überraschend: Der Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof trennt sich vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), in dessen Dresdner Stadtverband er als Projektgruppe aktiv war.

"Es ging einfach nicht mehr", bedauerte Sprecher Holger Hase gegenüber DNN. Zwei Jahre lang war der Freundeskreis unter dem Dach des VDK für eine stärkere Wahrnehmung der Epoche der Sowjetischen Besatzung eingetreten und hatte das Gedenken zum 8. Mai 1945 als Zäsur für alle Deutschen wieder ins öffentliche Blickfeld gerückt. Doch damit stieß man nicht überall im VDK auf Gegenliebe.

Von persönlichen Enttäuschungen und einer Abkehr von demokratischen Prinzipien war in der Austrittserklärung vom Montag die Rede. Ein kleiner Personenkreis um den sächsischen Landesvorsitzenden Dieter Landgraf-Dietz und Geschäftsführer Dirk Reitz habe die Bürgerinitiative massiv bekämpft. Künftig will man nun eigene Wege gehen. Im Fokus stünden weiterhin der Erhalt des Sowjetischen Garnisonfriedhofes (SGF) an der Marienallee und die Verankerung der Epoche des Kalten Krieges in der Dresdner Gedenkkultur.

Schon länger stoben zwischen der Initiative und der konservativen Führung im Landesverband die Funken. Grund waren Differenzen über die Positionierung des VDK zur seitens des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) angedachten Umgestaltung des Nordflügels des SGF (DNN berichteten). Der Freundeskreis habe sich eigentlich in der Kriegsgräberfürsorge gut aufgehoben gewähnt, erklärt Hase, selbst 15 Jahre lang Mitglied im VDK - bis der ehemalige sächsische Landes-Vize und Mitbegründer des neuen Forums Erinnern Gestalten Dresden im April dieses Jahres aufgrund seiner Kritik am autoritären Führungsstil seines Vorsitzenden vor die Tür gesetzt wurde.

Als der Landesvorstand sich im Juni 2012 einstimmig gegenüber dem SIB für den Erhalt des Nordflügels aussprach, äußerte Dieter Landgraf-Dietz als einziger Bedenken, stimmte aber dennoch für den Antrag. "Allerdings hat er im Nachgang stets gegen uns gearbeitet, weil er auf demokratischem Wege keine Mehrheit für seine eigene Position fand", so Hase. Eigenmächtig und ohne Vorstandsbeschluss habe er die Position des VDK zum Nordflügel gegenüber dem SIB revidiert. "Herr Landgraf-Dietz entscheidet und repräsentiert gern, die harte Arbeit an der Basis kennt und würdigt er einfach nicht." Der 37-Jährige spricht offen von einem Klima der "Unterdrückung gegenüber missliebigen Stimmen und Impulsen" innerhalb des von Mitgliederschwund gebeutelten Volksbundes. "Wenn der Landesgeschäftsführer sich mit einem Anwaltsschreiben Zutritt zur Stadtvorstandssitzung verschafft und damit die Sitzung zum Platzen bringt, ist da gehörig etwas faul."

Dirk Reitz selbst wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. Ihm wirft Hase Versagen vor. "Die Zahlen sprechen für sich: Unter seiner Ägide brach der Umsatz des Landesverbandes innerhalb eines Jahres von 25 000 auf 18 000 Euro ein." Die Entfristung von Reitz' Anstellungsvertrag habe der Landesvorsitzende nur unter Aufbietung sämtlicher Tricks gegen massiven Widerstand im Landesvorstand durchpeitschen können - die Klage eines Vorstandsmitglieds dagegen wird derzeit am Amtsgericht verhandelt. In Kooperation mit dem SIB habe Reitz zudem nichts unversucht gelassen, den Freundeskreis systematisch zu diskreditieren und zu kriminalisieren. "Zuletzt wollte man uns einfach entfernen und dem Stadtverband Dresden jeglichen Umgang mit uns untersagen." Irgendwann sei das Maß des Erträglichen voll gewesen. Es sei ein Punkt erreicht, so Hase, an dem Machtinteressen einzelner Protagonisten Vertrauen und Ehrenamt erstickten.

In Konsequenz habe man sich daher nach monatelangen Überlegungen entschlossen, dem Volksbund den Rücken zu kehren. Wie der Freundeskreis weiterarbeiten möchte, ließ Hase gestern noch offen. "Sowohl die Gründung eines Fördervereins als auch einer Stiftung sind denkbar." Auf jeden Fall wolle man weiterhin als versierter Ansprechpartner für Behörden und Organisationen in Sachen Sowjetischer Garnisonfriedhof und Gedenkkultur fungieren. "Hier haben wir uns mittlerweile einen Namen gemacht und unter anderem auch eine fachliche Stellungnahme in den Entscheidungsprozess zur Zukunft des Nordflügels eingebracht." Derzeit beraten obere und untere Denkmalschutzbehörde über die Umgestaltungspläne des SIB. In einem ersten Prüfgang hatten beide dem SIB bereits eine Absage erteilt. Nun wird weiter verhandelt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2013

Jannke, Jane

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