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„Das Kindswohl ist gefährdet“

In Dresden fehlen Amtsvormünder „Das Kindswohl ist gefährdet“

94 Minderjährige in Obhut des Dresdner Jugendamtes haben keinen Amtsvormund. Dem Jugendamt fehlt das Personal, teilte Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke) dem Stadtrat mit. CDU-Stadträtin Daniela Walter sieht das Kindswohl gefährdet.

Ein junger Asylbewerber aus Eritrea am Fenster seiner Unterkunft.

Quelle: dpa

Dresden. 94 Kinder und Jugendliche, die sich in Obhut des Jugendamtes befinden, haben keinen Vormund. Das erklärte Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke) auf Anfrage von Daniela Walter, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, vor dem Stadtrat. Bis zum 15. September würden drei neue Stellen im Jugendamt besetzt werden, kündigte Kaufmann an. „Jedes Amtsmündel soll einen Vormund erhalten.“ Eine Entspannung verspreche sie sich auch von Ehrenamtlichen. Beim Familiengericht würden 30 Anträge auf Bestellung zum ehrenamtlichen Vormund vorliegen.

Im Jugendamt würden mit Stand 17. August 640 Kinder und Jugendliche in Vormundschaft betreut. Für diese Aufgabe seien 16 Stellen vorgesehen, von denen gegenwärtig von 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 13 Vollzeitstellen besetzt würden. Somit kämen 49 Mündel auf einen Amtsvormund, rechnete Kaufmann vor. Das Gesetz schreibt ein Verhältnis von 1:50 vor, der Stadtrat hat aber einen Schlüssel von 1:40 beschlossen.

„Die Zahlen sind schöngerechnet“, erklärte Walter gegenüber DNN. Das Jugendamt könne tatsächlich keine ausreichende Betreuung der Kinder und Jugendlichen gewährleisten. „Wir müssen uns Gedanken machen, ob wir es mit einer Kindswohlgefährung zu tun haben“, so Walter. Von den 13 besetzten Stellen müsse eine abgezogen werden, da eine Mitarbeiterin dauerhaft erkrankt sei, wie Kaufmann erklärte. Die Sachgebietsleiterin könne nur in der Hälfte ihrer Arbeitszeit Mündel betreuen und habe auch administrative Aufgaben zu erledigen. „Ich komme auf 11,5 Stellen. Rechne ich jetzt noch die 94 Kinder und Jugendlichen ohne Vormund dazu, dann beträgt der Schlüssel nicht 1:49, sondern 1:64.“ Das liege deutlich über den gesetzlichen Vorgaben, die Alarmglocken müssten schrillen, so Walter.

Das Jugendamt müsse dringend personell aufgestockt werden, die Sozialbürgermeisterin sollte sich sowohl für mehr Personal als auch für die erforderlichen räumlichen Arbeitsplätze einsetzen. „Der Vormund tritt an die Stelle der Eltern der Betroffenen. Er soll ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbauen und sie in allen Belangen unterstützen. Wie soll das funktionieren, wenn 64 Kinder oder Jugendliche betreut werden müssen?“, fragt die CDU-Stadträtin.

Die Zahl der Amtsvormundschaften ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Im November 2015 gab es 442, davon 61 für unbegleitete ausländische Minderjährige. Ende März waren es bereits 634 Amtsvormundschaften, davon 247 für junge Flüchtlinge. Im Juni kletterte die Gesamtzahl auf 676, darunter 271 für junge Ausländer, rechnete die Verwaltung vor.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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