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„Das Erbe unter unseren Füßen“ - Kreisgrabenanlagen in Nickern

„Das Erbe unter unseren Füßen“ - Kreisgrabenanlagen in Nickern

Ein Platz mit 50 Metern Durchmesser, darum vier Ringe aus vier Meter tiefen Gräben, vielleicht umgeben von Wällen oder Eichenstämmen. Dort wo heute in Prohlis Wohnungen, Baumärkten und Autohäuser stehen, lagen vor 7000 Jahren vier Kreisgrabenanlagen und Siedlungen aus der Jungsteinzeit.

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Steffen Bösnecker erklärt den Aufbau der Kreisgrabenanlagen in Dresden Nickern

Quelle: Franziska Viebach

Doch diese Funde sind außer Hobby-Archäologen kaum jemanden bekannt. Deshalb will die Fraktion Bündnis Freie Wähler nun prüfen lassen, inwieweit das Gebiet in Prohlis und Nickern für Archäologieinteressierte zugänglich gemacht werden kann und welche Möglichkeiten bestehen, den Dresdnern die Frühgeschichte zu vermitteln.

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Steffan Bösnecker am Standort einer der Kreisgrabenanlagen.

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Vorreiter der Aktion ist Steffen Bösnecker. Er will das Wissen um die Grabenanlagen einem breiten Publikum zugänglich machen. Die Augen des 57-Jährigen funkeln, wenn er von seinen Ideen berichtet, wie Nickern mit dem frühgeschichtlichen Erbe umgehen könnte: Einen Wanderweg über die Anlagen, Veranstaltungen für Kinder mit Ausgrabungen und Lagerfeuern, Nachbauten steinzeitlicher Häuser, ja sogar einen archäologischen Park oder Trauungen unter freiem Himmel, im Zentrum einer rekonstruierten Anlage, hält Bösnecker für vorstellbar. Ob und wie diese Wünsche jemals realisiert werden können, steht in den Sternen. Am Freitag wird der Antrag der Fraktion Bündnis Freie Bürger eingereicht. Er beinhaltet das Anlegen eines Rundwegs zu den Kreisgrabenstätten, die Erhaltung der noch nicht zerstörten Teile und eine Prüfung, inwieweit eine Rekonstruktion auf freien Flächen möglich ist.

Die Kreisgrabenanlagen in Nickern sind schon seit vielen Jahren bekannt. Reste neolithischer Siedlungen wurden in den 90er Jahren und beim Bau des Kaufpark Nickern entdeckt. Nur wenige Segmente sind heute noch unter der Erde. Zu DDR-Zeiten wurde meist ohne archäologische Untersuchungen gebaut. Beim Bau der Autobahn 17 stieß man zwar auf Teile der Anlagen und ließ Grabungen durchführen, am Verlauf der Schnellstraße und ihrer Zubringer änderte das aber nichts.

Beim Landesamt für Archäologie begrüßt man den Vorschlag, die Ausgrabungsstätten für Besucher interessant zu machen zwar, distanziert sich aber von der Idee der Rekonstruktion der Anlagen. Hinweistafeln, zum Beispiel, hält Christopher Heiermann vom Landesamt für Archäologie für eine gute Sache. Ein Wiederaufbau der Anlage in Nickern käme aber nicht in Frage, denn: „Wir wissen nicht, wie die Anlagen tatsächlich ausgesehen haben. Dazu gibt es bis jetzt nur wissenschaftliche Theorien“. Auch, wer genau die Anlagen gebaut hat und wozu sie gedient haben, liegt im Dunkeln.

Welche Vorschläge letztendlich umgesetzt werden, was das alles kosten würde und woher das Geld kommen könnte, ist derzeit unklar. Man sei noch am Anfang, sagt Bösnecker. Wichtig ist ihm vor allem, bei den Dresdnern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, „was da für ein geschichtliches Erbe unter unseren Füßen in Prohlis liegt."

Franziska Viebach

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