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Damit sich Frust nicht am Baby entlädt: Neues Hilfsprojekt: Familienhebammen beugen Überforderung junger Eltern vor

Damit sich Frust nicht am Baby entlädt: Neues Hilfsprojekt: Familienhebammen beugen Überforderung junger Eltern vor

Die Verdachtsmeldungen auf vernachlässigte oder misshandelte Kinder steigen - wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Rund 1750 entsprechende Hinweise gingen im vergangenen Jahr bei Dresdner Ämtern ein, drei Prozent mehr als im Vorjahr beziehungsweise ein Drittel mehr als im Jahr 2010. 178 Meldungen bezogen sich auf Säuglinge, weitere 381 auf Kleinkinder.

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Familienhebamme Ramona Blümel und ihre Kolleginnen betreuen Mütter und deren Kinder auch über die acht Wochen hinaus, die Krankenkassen normalerweise für Hebammen finanzieren.

Quelle: CAROLA FRITZSCHE

Zwar stellen sich die meisten Meldungen letztlich als falscher Alarm heraus, dennoch sind die Ämter über den Anstieg besorgt und bauen ihr Netzwerk aus vorbeugenden Hilfen für junge, kranke und überforderte Eltern aus. Ein neuer Knoten sind speziell geschulte Familien-Hebammen, die solche Eltern seit Kurzem auf Wunsch besuchen und Tipps und Hilfe geben.

Marina* ist 17 und - mehr oder minder ungeplant - Mutter geworden. Ihr Amtsvormund weiß, dass minderjährige Mütter schnell in Situationen geraten, in denen sie weder ein noch aus wissen und mit ihrem Baby überfordert sind. Er organisierte den Kontakt zu den neuen Familienhebammen, die nicht weit von Marinas Wohnung in Prohlis eine Außenstelle eingerichtet haben. "Ich passe zum Beispiel auf, dass sie lernt, ihr Kind zu füttern und das nicht der Oma überlässt", erzählt Familienhebamme Ramona Blümel, die Marina seitdem betreut und ein bis zweimal pro Woche besucht. "Ich habe ihr aber zum Beispiel auch erklärt, dass es keine so gute Idee ist, das Kind auf der Couch liegen zu lassen, damit es die ganze Zeit fernsieht." Auch habe sie der jungen Frau Baby-Massagetechniken beigebracht und bei vielen Alltagsproblemen geholfen.

"Die meisten Eltern nehmen diese Hilfen sehr dankbar an", betont die Hebamme. Das liege wohl auch daran, dass es Hebammen sind, die da auf Wunsch kommen. "Das wird von den Leuten eher akzeptiert als ein Besuch vom Jugendamt", meint Blümel.

Gestartet ist das neue Projekt im Dezember, zu den Initiatorinnen gehören Koordinatorin Viviane Röhr vom Jugendamt und Dr. Elke Siegert vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst. Der Bund finanziert das neue Projekt mit zunächst 350000 Euro in Dresden bis 2015, danach soll es über einen Fonds von Bund und Kommunen gespeist werden. Mittlerweile sind in Dresden vier Hebammen und eine Kinderkrankenschwester an Bord, die bisher 20 Familien betreuen.

"Wir sind zum Beispiel für minderjährige Mütter da, für psychisch kranke oder suchtkranke Eltern, für Familien mit Frühchen oder mit Migrationshintergrund", umreißt Blümel die Klientel. Die Familien-Hebammen werden da aktiv, wo die klassische Hebamme, die für maximal acht Wochen von der Krankenkasse bezahlt wird, aufhört. Sie betreuen auf freiwilliger Basis Eltern mit Problemen bis zu einem Jahr nach der Geburt des Kindes weiter, geben nicht nur Praxis- und Alltagshilfen, sondern arbeiten auch an der Eltern-Kind-Bindung.

All dies sind kleine Bausteine, die dabei helfen sollen, dass es gar nicht erst zu Gewalt gegen Kleinkinder kommt. Denn die eskaliert, so zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit, meist dann, wenn Eltern sich über einen längeren Zeitraum überfordert fühlen. Dann genügt manchmal ein kleiner Auslöser und ein junger Vater beginnt zum Beispiel entnervt, das schreiende Kind zu schütteln - mit oft schlimmen Folgen für das Baby.

*Name geändert, Fall verfremdet

iTelefon Familienhebammen: 488-8248

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.02.2013

Heiko Weckbrodt

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