Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
DNN zuhause bei Ingeborg Schöpf und Mario Radicke

"Wir sind gern zu Hause" DNN zuhause bei Ingeborg Schöpf und Mario Radicke

Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens öffnen den DNN wieder die Türen ihres Zuhauses. Heute sind wir bei Ingeborg Schöpf und Mario Radicke, Erste Solistin und Direktor für Technik und Ausstattung der Staatsoperette Dresden.

Voriger Artikel
Aengevelt sieht Dresdner Immo-Markt auf gutem Weg
Nächster Artikel
Dankeschön-Party für studentische Flüchtlingshelfer in Dresden

Ingeborg Schöpf und ihr Mann Mario Radicke im Wohnzimmer am Esstisch: Der kann quadratisch ausgezogen werden, dann haben mindestens zwölf Leute Platz daran. Auf dem Tisch steht eine köstliche Verführung der Hausherrin: Selbstgebackenes nach Rezepten ihrer Großmutter.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Im Frühling wäre dieser Besuch wahrscheinlich noch sinnlicher gewesen. Dann hätten der Garten und die Bäume an dem freundlich hell gestrichenen Haus geblüht und geduftet. Jedes Mitglied der Familie hat einen eigens für ihn gepflanzten Baum: Ingeborg Schöpf ganz österreichisch-typisch einen Marillen-, Mario Radicke einen Pfirsichbaum, und die neunjährige Tochter darf sich gleich über zwei Gewächse freuen: Zu ihrer Geburt haben die Eltern ihr einen Apfelbaum gesetzt, und seit der Taufe Magdalenas gedeiht auch ein Ginkgo im Vorgarten.

Immerhin, es scheint die Sonne an diesem vermeintlichen Wintertag, die Temperaturen sind eher frühlingshaft und lassen ahnen, welch Refugium aus Haus und Natur die Familie sich da geschaffen hat. Um zu ihrem Zuhause an der Grenze zwischen Prohlis und Torna/Leubnitz zu gelangen, überquert man die stark frequentierte Verkehrsader B 172, fährt ein Stück die Straße hinauf und ist - wie so oft in dieser Stadt - dem Lärm und der Hektik rasch entkommen. Eben dieses Gefühl gab für Ingeborg Schöpf und Mario Radicke den Ausschlag, dass sie sich vor zehn Jahren für dieses Gebäude entschieden. Da stand das Einfamilienhaus gerade mal drei Jahre und ließ noch viel Gestaltungsraum für die beiden, sich ihre ganz individuelle Wohlfühloase zu schaffen.

DNN zu Gast bei Ingeborg Schöpf und Mario Radicke

Zur Bildergalerie

Eine solche brauchen sie: Sie, erfolgreiche Sängerin, Erste Solistin an der Staatsoperette Dresden und Gast auf vielen anderen Bühnen und zu Konzerten, und ihr Mann, Direktor für Technik und Ausstattung an der Staatsoperette, der sein Wissen u.a. im Fachbereich Theatermaler/Theaterplastiker an der Dresdner Kunsthochschule an den Nachwuchs weitergibt. "Wir sind nicht so die Ausgeher, sondern gern zu Haus", sagen beide übereinstimmend, und wer sich vorstellen kann, wie durchorganisiert der Alltag der Familie sein muss, kann das absolut nachvollziehen.

An diesem Dezembervormittag werden die DNN-Gäste freundlich hereingebeten in die "gute Stube", die eigentlich ein großer offener Raum ist und durch eine breite Fensterfront den Blick in den Garten erlaubt. Die Garage steht dabei etwas beeinträchtigend in der Sichtachse. In der Seitenscheibe des VW-Käfers vor dem Tor spiegelt sich das flackernde Feuer wider, das gerade im Wohnzimmer im Kamin entfacht worden ist. Nicht als Attitüde der Gastgeber für die neugierigen Besucher, nein, das Holzfeuer wird wirklich zum wärmenden Mittelpunkt im Raum. Raumtemperatur überhaupt ist bei Schöpf/Radickes im weiterführenden Sinn ein wichtiges Stichwort, sie entsteht z.B. auch durch viele Kerzen, die auf Tische, Schränke und Fensterbretter gestellt worden sind, durch pastellfarbene Wände und die indirekte Beleuchtung, die Mario Radicke, ganz Fachmann, mit seinem jüngsten Sohn Paul ausgetüftelt hat. Der übrigens ist in die Fußstapfen des Vaters getreten und heute Assistent des Technischen Direktors und Leiter der Konstruktionsabteilung der Semperoper.

Auf dem Esstisch prangt ein Adventskranz mit roten Bändern und Kerzen, ein "Eigengewächs", das Vater und Tochter gemeinsam gestaltet haben, und ein großer Teller mit verführerischem Weihnachtsgebäck. Nussbusserl, Vanillekipferl - wenn Ingeborg Schöpf die Namen der Plätzchen aufzählt, die sie nach alten Rezepten ihrer Großmutter und zusammen mit Magdalena gebacken hat, kommt er zum Klingen, ihr wunderbarer steirischer Dialekt. Da schwingt sie mit, die Sprachmelodie ihrer Heimat, die Gemütlichkeit vermittelt, wie Schlagobers den Kaffee versüßt. Wenn die Sängerin mit sehr klarer Diktion, aber großer Empathie von ihrer Familie erzählt, hört man das Österreichische kaum noch; aber wenn sie mit ihrer Mutter spreche, die seit drei Jahren ganz in ihrer Nähe lebt, dann fühle man sich wie in der Steiermark, sagt Mario Radicke. Dort verbringen Eltern und Tochter jedes Jahr eine Woche Winterurlaub, und da geht's hinauf auf den hohen Berg, den schneesicheren, dann zeigen Tochter und Frau, dass ihnen das Skifahren in den Genen liegt. Mit jener Beweglichkeit, die sich der Vater und Mann erst aneignen musste, im Erzgebirge gibt's eben doch nur Hügel im Vergleich mit dem Alpenland. Aber Mario Radicke hat auch beim Abfahrtslauf bewiesen, dass er selbstgesteckte Ziele verwirklichen will und kann.

So wie er in seinem Beruf Lösungen für Herausforderungen sucht und findet. Kreativität ist ihm in die Wiege gelegt worden als Sohn eines Musikers und einer Tänzerin und als Bruder des Pianisten Camillo Radicke, und diese Gabe hat er auch für das Zuhause seiner Familie genutzt. "Holz ist mein Element", sagt Mario Radicke; er entdeckt in der Natur skulpturale Schönheit, die so belassen und bewahrt wird; er baut Möbel, die den ästhetischen Wünschen der Seinen entsprechen. Wenn denn Mobiliar gekauft wird, dann passt es in diese Konzeption der geraden Linien und harmonischen Klarheit. Sehr viel Buche findet sich in dem zweistöckigen Haus, Kirschbaum und als Kontrast zum Parkett schwarzer Granit im Treppenhaus.

Der große Spitzboden unterm Dach ist vorrangig das Arbeitszimmer Ingeborg Schöpfs, auch wenn umfangreiche Legoaufbauten darauf hinweisen, dass die Tochter gern und oft anwesend ist, wenn ihre Mutter hier probt. Über eine sehr schmale Treppe kommt man in diesen Bereich des Hauses, der durch Fenster in alle vier Himmelsrichtungen nicht nur viel Licht ein-, sondern auch den Blick hinaus schweifen lässt. So könne sie, freut sich die Sopranistin, beim Singen bis zum Fernsehturm und auf den Elbhang schauen.

Ein Kawai-Flügel steht auf der Galerie, darauf liegt an diesem Tag der Klavierauszug zu Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel". Sie müsse die Partie der Mutter wieder mal auffrischen, sagt Ingeborg Schöpf. Angesichts des engen Aufstiegs kommen dem Betrachter Zweifel, wie denn der Flügel hier überhaupt hoch gelangt sein mag. Millimeterarbeit, lächelt der Mann im Haus, und erinnert sich daran, dass danach doch so einiges zu reparieren war. Jetzt aber ist er vollkommen, der Raum. Auf dem Boden steht ein Grammophon, das haben sich einst Mario Radickes Großeltern gekauft. Ein herrlich nostalgisches Gefühl vermittelt sich, als er durch Kurbeln und also ganz ohne Energie aus der Steckdose die alte Schellack-Platte zum Drehen bringt und sich Wagners "Lohengrin"-Klänge mit silbrigem Knistern ausbreiten. "Eine gute Akustik", konstatiert die musikalische Hausherrin und überlegt, ob sie nicht mal eine Hausmusik hier oben veranstalten sollten.

Schallschutz braucht es nicht in diesem Haus. Denn die Familie hat eine freundlich gesonnene Umgebung - und vor allem eine musikliebende. Nebenan wohne ein Mathematikprofessor, der selber leidenschaftlich Pianist sei, ein anderer Nachbar spiele Klarinette, und auch Schlagzeug habe man bei offenem Fenster schon gehört. Es sei gerade diese gelöst unabhängige Situation, die sie durch den Kauf des Hauses zu finden gehofft hatten. Dieses Glück empfinden nun beide sichtlich intensiv.

Vom Dachboden geht es wieder hinunter, bewundert wird en passant die Wiege mit eingravierten Namen, die Ingeborg Schöpfs Vater, ein Holzbildhauer aus Rottenmann in der Steiermark, für seine Dresdner Enkelin Magdalena Christina geschaffen und die nun einen Ehrenplatz erhalten hat. Den Abstieg in den Keller begleiten Fotos an den Wänden, die Kinder, Eltern, Enkel, Großeltern, Verwandte und Freunde zeigen und deren Vielfalt darauf verweist, wie eng die familiären Bindungen der beiden sind. Zahlreiche gerahmte Dresden-Zeichnungen unterstreichen wiederum, dass das Paar hier wirklich seine Heimat gefunden hat; die Bilder stammen von Peter Handrick, einem langjährigen Theatermaler der Staatsoperette.

Im Untergeschoss empfängt den Besucher der aromatische Duft einer Sauna. Mindestens einmal in der Woche wird diese angeheizt und dann darin unter farblich wechselndem Sternenhimmel und bei dezenter Klaviermusik der Stress herausgeschwitzt. Vielleicht entstehen in diesem entspannten Zustand auch die Ideen für neue Kreationen, die Mario Radicke in seiner organisiert-aufgeräumten Werkstatt umsetzt.

Man könnte noch lange plaudern in dieser freundlich-offenen Atmosphäre, über Kunst und Kultur, über Kinder und Kindeskinder, über Werte und Kreativität. Auch über Erwartungen, es steht schließlich ein Jahreswechsel an. Dass es der Familie gut geht - beide sind sich sofort einig.

Ingeborg Schöpf freut sich auf künstlerische Herausforderungen und hofft, dass sie mit einer ihrer Lieblingspartien, der Hanna Glawari in Lehars "Die lustige Witwe", dereinst auch auf den Brettern der künftigen Staatsoperette im Kraftwerk Mitte stehen wird. Und für Mario Radicke wird eben dieser Theaterneubau die Erfüllung eines Wunschtraumes sein: Seit zehn Jahren war er an der Vorplanung und ist jetzt an der Umsetzung beteiligt. "Ich bin sehr oft auf der Baustelle, und wenn man dann rausfährt und sieht das kleine Gebäude auf der Pirnaer Landstraße, wächst die Vorfreude ... !"

von Kerstin Leiße

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
21.10.2017 - 10:17 Uhr

Uwe Neuhaus muss bei den Franken zwei Leistungsträger ersetzen. Personelle Alternativen im Mittelfeld sind aber vorhanden.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.