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DNN öffnen Türchen: Wie im Dentallabor Kronen, Brücken und Vollprothesen angefertigt werden

DNN öffnen Türchen: Wie im Dentallabor Kronen, Brücken und Vollprothesen angefertigt werden

24 Tage lang bis zum Weihnachtsabend öffnen die DNN wie bei einem Adventskalender jeden Tag ein ganz besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Pforten.

24 Tage lang bis zum Weihnachtsabend öffnen die DNN wie bei einem Adventskalender jeden Tag ein ganz besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Pforten. Dieses Mal werfen wir einen Blick ins Dentallabor.

Von Katrin Richter

Kennen Sie das auch? Als Patient hat man beim Zahnarzt in fast horizontaler Lage auf dem Behandlungsstuhl klaglos die Schmerzspritzen hingenommen, sich anschließend den kariösen Zahn abschleifen, einen Abdruck des selbigen nehmen lassen und eine gefühlte Ewigkeit lang mit einem Kunststoffprovisorium auf dem Zahnstumpf verbracht. Und dann, endlich, liegt sie da auf dem schwenkbaren Instrumententischchen, die zahnfarbene Keramikkrone, die den verbliebenen eigenen Beißerchen so verblüffend ähnlich sieht-

Doch was ist passiert, seit der Silikonabdruck die Zahnarztpraxis verlassen hat? DNN sahen sich im Geburtshaus der Kronen, im Dentallabor Lorenz an der Großenhainer Straße, um. Auf zwei Etagen hantieren hier 20 Zahntechniker mit Bunsenbrenner, Schere, Sonde und Pinsel. Auf manchem Arbeitsplatz liegen die Instrumente ganz akkurat nebeneinander, auf anderen Tischplatten herrscht eine kreative Unordnung gewissermaßen. Die Firma Lorenz-Dental besteht jetzt zwölf Jahre. Anfangs waren die beiden Zahntechnikermeister Sylvana Colosser und Markus Ungethüm zu zweit. "Heute beschäftigen wir 31 Mitarbeiter inklusive Fahrer und Azubis, darunter knapp 20 Zahntechniker", berichtet Ungethüm nicht ohne Stolz. Um die 40 Dentallabore gibt es in Dresden, schätzt der stellvertretende Geschäftsführer. Dazu gehören kleinere mit nur vier, fünf Zahntechnikern und größere wie die Firma Lorenz-Dental. Ihre Kunden kommen aus Dresden, aber auch Meißen, Radebeul und Freital.

Etwa 800 Prothesen aller Art bis zum künstlichen Gebiss und 2000 Kronen fertigen die Zahntechniker von Lorenz-Dental pro Jahr an. Und natürlich ist Krone nicht gleich Krone. Es gibt Kronen aus Metall und aus Keramik. Beim Metall wiederum kann es sich entweder um teures Zahngold (ein Gramm kostet immerhin 50 Euro!) oder um ein wesentlich preiswerteres sogenanntes Nichtedelmetall handeln. "Noch vor zehn Jahren haben wir zu 60 bis 70 Prozent Goldkronen angefertigt, heute geben die Kunden zur Hälfte Nichtedelmetall- und zur anderen Hälfte Keramikkronen in Auftrag", beschreibt Markus Ungethüm den Trend. Und ganze zehn Goldkronen würden noch pro Monat hergestellt. Manch ein Ästhet legt sich für ein blendendes Gebiss auch sogenannte Veneers zu - hauchdünne, lichtdurchlässige Keramikschalen, die mit einem Spezialkleber befestigt und im Besonderen über die Frontzähne gestülpt werden. Sieht gut aus, ist aber nicht billig (Kostenpunkt: zwischen 500 und 1000 Euro je Zahn).

Um eine Krone herzustellen, gibt es heutzutage vor allem zwei Möglichkeiten - die von Hand modellierte und die am Computer konstruierte Variante. Die ersten Schritte sind bei beiden gleich: Zunächst nimmt der Zahnarzt den Abdruck des Ober- oder Unterkiefers. Das ist der kritische Moment, wo mancher Patient das Gefühl hat, mit dem Silikon im Mund gleich ersticken zu müssen. Ist der Abdruck erst mal gelungen, wird er ins Labor chauffiert und vom Zahntechniker mit Gips ausgegossen. Anschließend sägt der Zahntechniker den Zahnstumpf, auf den einmal die Krone kommen soll, aus dem Gipsmodell und legt ihn frei.

Und jetzt tritt entweder Kollege Computer auf den Plan oder aber der Zahntechniker führt sein Werk per Hand fort. Im letzteren Fall modelliert er die Krone aus Wachs, so wie sie später einmal aussehen soll, bettet sie in eine feuerfeste Masse ein, brennt sie im Ofen bei 950 Grad Celsius aus, gießt flüssiges Metall in die heiße Hohlform, lässt das Ganze erkalten, schlägt das Metall aus der Hohlform heraus und befreit es mit dem Sandstrahler von den Gussformresten.

Am Bildschirm geht die Sache so: Modell einscannen, mit dreidimensionalem Programm virtuelle Krone konstruieren, Datei per E-Mail ans Fräszentrum schicken, zwei Tage später Krone aus der Post wieder in Empfang nehmen. Die restlichen Arbeitsgänge sind in beiden Fällen wieder gleich: Diverse Fräsen bringen die Krone in die richtige Form, bevor sie mit zahnfarbener Keramik verblendet wird. Dazu trägt der Zahntechniker keramische Malfarben auf, damit die Krone den Nachbarzähnen ähnelt, bevor die Farbe mit dem Glanzbrand festgebrannt wird. Vom Grundprinzip her geht diese Technik auf die Lasurmalerei des berühmten flämischen Malers Jan van Eyck aus dem 14. Jahrhundert zurück.

"Wir sind die Kopierer der Natur", resümiert Ungethüms Kollegin, die Zahntechnikermeisterin Petra Schöne. Man soll schließlich nicht sehen, dass die Zähne nicht echt sind. "Am Schwierigsten ist es, nur einen Zahn zu ersetzen, einen Schneidezahn vor allem", erklärt sie. Dann fahren die Zahntechniker schon mal in die Arztpraxis und fotografieren die verbliebenen Zähne des Patienten bei verschiedenem Licht, um die Krone täuschend echt hinzubekommen.

Und wie lange sollte eine Krone halten? "Im besten Fall haben die Patienten ihre Kronen ein Leben lang, 10 bis 15 Jahre sollten sie aber schon halten", sagt Markus Ungethüm, der selbst zwei Implantate und einige Inlays sein Eigen nennt. Wer häufig unbewusst mit den Zähnen knirscht oder aus Versehen auf einen Kirschkern gebissen hat, verkürzt das Leben seiner Krone. A und O ist natürlich, wie gut man seine Zähne putzt - mit (elektrischer) Zahnbürste, Zahnseide, Bürstchen etc. Die (DDR-)Zeiten, da mancher Zahnarzt alles zog, was nicht mehr ganz fest im Kiefer saß, sind vorbei. Im Gegenteil: Heutzutage können sogar zahnlosen Patienten Implantate in den Kieferknochen geschraubt werden, damit die Prothese fest sitzt. Ob das unbedingt sein muss, ist eine andere Frage, vor allem eine des Geldes-

In unserem Falle ist jetzt der große Augenblick gekommen, da der Zahnarzt die wunderschöne Krone mit Zement auf dem Zahnstumpf platziert. Auf dass sie ewig halte. Und beim Blick in den Spiegel fragt man sich irritiert: Welches war noch mal der Zahn mit der Krone?

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.12.2012

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