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DNN-Wirtschaftspreis: Die Heizung aus der Rechnerwolke von "Cloud & Heat"

DNN-Wirtschaftspreis: Die Heizung aus der Rechnerwolke von "Cloud & Heat"

Seine innovative Geschäftsidee verdankt das junge Dresdner Unternehmen "Cloud & Heat" dem Hausbau eines seiner Gründer. Professor Christof Fetzer, der an der Technischen Universität Dresden (TU) zum Thema Cloud-Systeme lehrt, suchte vor sechs Jahren nach einer passenden Heizungsanlage für sein Eigenheim.

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Die Lobby des Firmensitzes im Dresdner Gewerbegebiet "Zeitenströmung". Hier entsteht die Rechnerwolke, bei der die Abwärme kein lästiger Nebeneffekt mehr ist.

Quelle: DNN

Weil er alles, was er auf dem Markt fand, für überdimensioniert hielt, dachte er gemeinsam mit einem Kollegen, dem promovierten Physiker Jens Struckmeier, darüber nach, ob es nicht möglich wäre, Abwärme aus dem Rechenzentrum der Uni zu nutzen. Die beiden holten den IT-Berater René Marcel Schretzmann ins Boot und gründeten zwei Jahre später die Firma "AoTerra".

Für Fetzers Problem haben die Firmengründer eine clevere Lösung gefunden. Sie leiten nicht Wärme aus Rechnerräumen in Wohnhäuser, sondern bringen gleich die Server dorthin - eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Die Dresdner, die Rechenleistungen in der Cloud anbieten, können so darauf verzichten, Serverräume anzumieten und aufwändig zu kühlen. Bis zu 90 Prozent der für die Cloud benötigten Energie wird so heute noch meist als Abwärme in die Luft geblasen. Das Modell, diesen "Abfall" jetzt sogar zu verkaufen, erlaubt es, Rechenleistung und Wärme zu jeweils sehr günstigen Preisen anzubieten. In "Cloud & Heat" umbenannt habe sich das Unternehmen, um "die Verbindung zweier bisher völlig getrennter Geschäftsfelder - der Rechnerwolke und des Heizens - auf den ersten Blick sichtbar zu machen", erklärt Nicolas Röhrs, der inzwischen die Geschäftsleitung verstärkt. Im alten Namen, der das Wort "Wolke" in der Sprache der Maori (Ao) enthielt, war das etwas versteckt.

Was 2011 mit einem Pilotprojekt und fünf Mitarbeitern in Räumen der TU begann, ist heute ein schnell wachsendes Unternehmen. Ende 2012, als die ersten Serverheizungen auf den Markt kamen, hatte es schon 26 Mitarbeiter. Heute sitzt "Cloud & Heat" im Gewerbegebiet "Zeitenströmung", hat 40 Leute in Lohn und Brot, und bereits mehr als 100 Serverschränke heizen Gebäude. In fünf Jahren, sagt Röhrs, sollen es 900 Schränke und mindestens 70 Mitarbeiter sein.

"Die Nachfrage nach der Serverheizung ist so groß, dass wir uns die Projekte derzeit per Ausschreibungsverfahren aussuchen können", sagt Schretzmann. Eines der bislang größten ging im Frühjahr 2014 im nordrhein-westfälischen Hamm in Betrieb. 36 Einfamilienhäuser nutzen dort Rechnerwärme für Heizung und Warmwasserbereitung. Rund 40 Tonnen CO2 werden dank des patentierten Verfahrens allein dadurch pro Jahr weniger in die Atmosphäre geblasen. Seit Ende September 2014 decken in der Dresdner Wallotstraße 20 Serverschränke im Auftrag der Drewag zur Hälfte den Wärmebedarf von 56 Wohnungen eines Mehrfamilienhauses der Wohnungsge-

nossenschaft

"Aufbau". CO2-Einsparung: rund 5,8 Tonnen pro Jahr. 34 weitere Rechnerschränke sollen demnächst in der Tannenstraße zum Einsatz kommen.

Die Wärmeabnehmer müssen sich über Stomversorgung und Internetanschluss für die Serverheizung keine Gedanken machen. Sie zahlen einen Festpreis. Der ist abhängig von der Größe der Wohnanlage oder Immobilie und liege, sagt Röhrs, um mindestens zehn Prozent unter den marktüblichen Heizkosten. "Unsere Serverheizung ist mit vielen herkömmlichen Heizanlagen kompatibel", erklärt er. Im Zusammenspiel mit diesen kann über das ganze Jahr verteilt eine konstante Wärmemenge geliefert werden, und die Rechenleistung der Server muss nicht je nach Wärmebedarf hoch- oder heruntergefahren werden.

"Am Anfang", erzählt Röhrs, "beschlich manchen potenziellen Kunden ein mulmiges Gefühl bei dem Gedanken, dass die Computer, die für ihn rechnen, bei irgendwem im Keller stehen sollen". Aber die Dresdner haben gute Argumente. Ihre Wolke aus Servern, die ausschließlich in Deutschland stehen, wird auch vor dem Hintergrund der NSA-Spähaffäre für viele Kunden zunehmend interessant. Zudem werden die Daten vor Ort sofort gelöscht, sollte einer der Panzerschränke, in denen die Computer stecken, unbefugt geöffnet werden. Verlorengehen können Daten dabei dank der Backups nicht, Speicherung und Übertragung erfolgen verschlüsselt. Die hohen Standards von "Cloud & Heat" in puncto Datenschutz und Datensicherheit sind durch den Tüv Rheinland zertifiziert. Für die patentierte Gesamtlösung wurde das Unternehmen mit dem Deutschen Rechenzentrumspreis 2015 in der Kategorie "Neu gebaute energie- und ressourceneffiziente Rechenzentren" ausgezeichnet. Zudem unterstützen die Dresdner das europäische Datenschutzprojekt "SeReCa" und arbeiten an weiteren Forschungsprojekten mit, die sich mit dem Internet der Zukunft beschäftigen..

"Der Markt ist riesig", sagt Schretzmann. Obwohl "Cloud & Heat" allein in Dresden alle Hände voll zu tun haben könnte, muss die Firma als Cloud-Anbieter darauf achten, dass ihre Server über die ganze Republik verteilt sind. Nur so kommen die Vorteile der Rechnerwolke voll zum Tragen. Deshalb heizen Serverschränke der Dresdner auch Häuser in Chemnitz, Reichenbach, Hannover, Hamburg, Friedrichshafen und Freising. Als im Mai die Deutsche Börse Cloud Exchange an den Start ging, war "Cloud & Heat" mit dabei. Damit können Interessenten die Rechenleistungen der Dresdner inzwischen so einfach kaufen wie Rohstoffe.

Jetzt wollen die Vorreiter bei der Serverheizung auch auf dem amerikanischen Markt Fuß fassen. Als erster großer Kunde setzt dort Cloud Pharmaceuticals, ein Unternehmen, das Molekülberechnungen durchführt, auf die Speicher-, Rechen- und Netzwerkleistungen der Sachsen, die auch mit weiteren großen Interessenten in Europa und den USA im Gespräch sind. Bei der Suche nach Investoren für die Expansion setzt "Cloud & Heat" auf strategische Partnerschaften mit großen IT-Konzernen und auch auf Risikokapital. "Wir bleiben aber ein Anbieter von Rechenleistung", sagt Röhrs, "Nur in dem Maß, wie wir die verkaufen, können wir auch Heizungen liefern." Im vergangenen Jahr brachten Rechnen und Wärme aus der grünen Cloud rund 400 000 Euro Umsatz. In diesem Jahr soll sich diese Zahl bereits verdoppeln.

www.cloudandheat.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.08.2015

Holger Grigutsch

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