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DNN-Leserbeirat in Berlin: Nachrichten-Welt wächst immer mehr zusammen

DNN-Leserbeirat in Berlin: Nachrichten-Welt wächst immer mehr zusammen

Einst rumorten hier schwere Aggregate, heute sind im früheren Maschinenhaus am Berliner Schiffbauerdamm moderne Medien und Kommunikationstechnik zu Hause: Ein paar Hundert Meter vom Reichstag hat die Madsack-Verlagsgruppe, zu der auch die "Dresdner Neuesten Nachrichten" (DNN) gehören, ihr Hauptstadtbüro eingerichtet.

Von Heiko Weckbrodt

Dort recherchieren erfahrene Korrespondenten aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus der Bundespolitik - auch die DNN-Leser sind dadurch auf dem neuesten Stand, wenn die Kanzlerin ein Machtwort spricht, sich die Parteien in den Haaren liegen oder ein Politiker danebenbenimmt. Unser Leserbeirat hat unter Führung von DNN-Chefredakteur Dirk Birgel das Hauptstadtbüro besucht.

Schon der erste Blick in das Büro von Thoralf Cleven verrät: Wenn sich Zeitungen aus dem ganzen Bundesgebiet vernetzen, ist moderne Technik gefragt. Der Hauptstadtbüroleiter gibt einen Code ein und der große Flachbildschirm, der die Seitenwand dominiert, füllt sich mit Gesichtern: Kiel schaltet sich zu, Leipzig, Lübeck, schließlich klinken sich auch die oberhessischen Kollegen mit einigem Stühlegetöse ein. Nun hat Cleven acht Kollegen aus ganz Deutschland auf dem Schirm. "Heute wird nicht gealbert, der DNN-Leserbeirat schaut zu!", warnt er augenzwinkernd und startet die tagtägliche 12-Uhr-Videokonferenz.

"Natürlich drehen wir heute Wulff weiter", beginnt Cleven - aus dem Journaille-Chinesisch übersetzt heißt das: Heute kommen neue Berichte über die Kredit- und Anruf-Affäre des Bundespräsidenten. "Wir wollen einen Medienwissenschaftler befragen, wie die Presse über diese Geschichte berichtet und was die Deutschen davon halten." Zustimmendes Nicken von den acht "Mini-Kollegen" auf dem Bildschirm. Der Leipziger Politikredakteur bittet, eine Emnid-Umfrage, die er gesehen hat, zu berücksichtigen.

Nachdem der Büroleiter all seine Vorschläge offeriert und die Wünsche aus Sachsen, Hessen und dem hohen Norden notiert hat, sind die Kollegen an der Reihe: "Wir berichten heute über eine mögliche Sturmflut", kündigt der Redakteur der Ostseezeitung an. Andere bieten den Kollegen Berichte über eine CDU-Klausur an, über ein örtliches Katastrophenjubiläum und weitere Storys. Nach 17 Minuten haben alle ihre Pläne und Wünsche vorgetragen, die Videokonferenz ist zu Ende, das Tageswerk geht weiter.

Die Dresdner Leserbeiräte löchern Cleven - oft auch sehr kritisch - mit ihren Fragen: Bringen bald alle Zeitungen die gleichen Politikberichte? Man habe ja schon gehört, dass Madsack wegen sinkender Anzeigeneinnahmen in der Leipziger Politikredaktion Personal abbauen wolle... Wozu braucht man überhaupt eine Videokonferenz? Wie hat man das früher gemacht? Hält man auch mit Kollegen von der Konkurrenz Kontakt?

"Klar ginge das prinzipiell auch per Telefon", sagt der einstige Chefreporter der Ostsee-Zeitung, der erst vor einem halben Jahr den Chefsessel am Schiffbauerdamm in Berlin übernommen hat. "Aber bei so vielen Partnern, die wir jetzt haben, kann man vieles per Video besser absprechen." Und nein, mit den Kollegen von "Bild" & Co. stimme man sich nicht ab: "Jeder will ja exklusiv berichten." Was die Frage nach einer drohenden Einheits-Berichterstattung betreffe: Er mache Angebote und nehme Bestellungen entgegen. Am Ende entscheiden aber die Chefredakteure der einzelnen Blätter, was sie vom Berliner Büro nehmen und was nicht, wo sie regionale Aspekte einbauen wollen und so weiter. Die zentrale Recherche biete Chancen: Acht gestandene Korrespondenten hat Madsack in Berlin zu einem Team zusammen gezogen, die Erfahrung, gute Kontakte und Ideen einbringen - das kann mehr bringen, als wenn Dutzende Journalisten der einzelnen Zeitungen mit ähnlichen Fragen in Berlin anrufen. Künftig will man dieses Team auf 25 bis 30 Redakteure aufstocken, die sich zum Beispiel auch um Kultur- und Wirtschaftsereignisse von überregionaler Bedeutung kümmern. "Dieses neues Modell kann für eine qualitativere und breitere Berichterstattung sorgen", sagt der 45-jährige Büroleiter.

Am Ende zeigen sich die Leserbeiräte zufrieden mit dem Gesehenen und Gehörten: Das habe manche Bedenken zerstreut, dass die Zentralisierung zu einer uniformen Berichterstattung führe, heißt es hinterher in der Beiratssitzung im Hauptstadtbüro, in der auch Kritik, Lob und Vorschläge an und für die DNN diskutiert werden. Und: "Das könnte in der Tat zu hochwertigerem Journalismus führen." Außerdem informierten sich die Leserbeiräte der DNN bei einem Besuch im nahen Reichstag über die Arbeitsabläufe im Bundestag. Tenor am Ende der Beiratsreise: "Hochinteressant".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2012

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