Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 18 ° Gewitter

Navigation:
Google+
DNN-Asylpaten: Omid Ahmadi lernt Deutsch, absolviert Praktika und hat eine Lehrstelle

Freunde fürs Leben DNN-Asylpaten: Omid Ahmadi lernt Deutsch, absolviert Praktika und hat eine Lehrstelle

Seit zwei Jahren kümmert sich Familie Hoffmann aus Dresden als DNN-Asylpaten um den afghanischen Flüchtling Omid Ahmadi. Mittlerweile hat er sogar eine Lehrstelle. Doch nach wie vor weiß der 26-Jährige nicht, ob er langfristig bleiben darf.

erald Hoffmann und Omid Ahmadi.

Quelle: Stephan Hönigschmid

Dresden. Seit zwei Jahren kümmert sich Familie Hoffmann aus Dresden als DNN-Asylpaten um den afghanischen Flüchtling Omid Ahmadi. Mittlerweile hat er sogar eine Lehrstelle.

Als Omid Ahmadi Anfang 2014 nach Deutschland kommt, liegt eine abenteuerliche Flucht hinter dem Afghanen. Auch Monate später ist er deshalb noch nervlich angespannt und kommt kaum zur Ruhe. Denn obwohl er endlich sein Sehnsuchtsziel Deutschland erreicht hat und gemeinsam mit sieben anderen Asylbewerbern in einer Dreiraum-Wohnung in Dresden-Leuben lebt, will keine rechte Freude in ihm aufkommen. Vielmehr fühlt er sich einsam und allein.

Zu diesem Zeitpunkt ahnt Ahmadi nicht, dass sich sein Leben schon bald zum Besseren wenden wird. Die Hauptrolle spielt dabei die Dresdner Familie Hoffmann. Diese hat in den Medien verfolgt, wie immer mehr Menschen nach Europa flüchten, und möchte gern etwas tun, um zu helfen. Als die Dresdner Neuesten Nachrichten schließlich Menschen suchen, die Patenschaften für Flüchtlinge übernehmen, sind Angelika und Gerald Hoffmann sofort interessiert.

Mittlerweile sind gut zwei Jahre vergangen und noch immer kümmern sich die Hoffmanns so gut sie können um „ihren“ Omid. Wenn man ihn inmitten der Familie erlebt und mitbekommt, wie Gerald Hoffmann mit ihm herumscherzt oder seine Tochter Pia ihn zur Begrüßung drückt, hat man das Gefühl, dass er inzwischen dazugehört und dass dort Menschen sind, die ihn wirklich mögen und alles dafür tun, damit er in Deutschland Fuß fasst.

Leicht ist das allerdings nicht. Denn nach wie vor weiß der 26-Jährige nicht, ob er langfristig bleiben darf. Seine Aufenthaltsgenehmigung gilt jeweils nur für sechs Monate und wird dann verlängert. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass der Asylantrag nach zwei Jahren noch nicht bearbeitet ist“, ärgert sich Gerald Hoffmann.

Schwierig ist die Situation aber nicht nur wegen der fehlenden Perspektive. Ohne Arbeit und folglich auch ohne eigenes Geld ist ein freies, selbstbestimmtes Leben kaum möglich. Omid Ahmadi merkt dies Ende Februar schmerzhaft, als ihn die Stadt gemeinsam mit anderen Flüchtlingen aus der Wohngemeinschaft schmeißt.

„Ich bin gegen 15 Uhr vom Deutschunterricht nach Hause gekommen, als ich erfahren habe, dass aus den zwei Wohnungen insgesamt 16 Leute raus müssen“, sagt Ahmadi. Die Stadt wollte in dem Mehrfamilienhaus lieber Familien einquartieren. Außerdem sollen sich einige der allein lebenden Männer zu laut verhalten haben. Keine guten Nachrichten für den 26-Jährigen, der sich bis zu diesem Zeitpunkt ein sechs Quadratmeter großes Zimmer mit einem anderen Afghanen geteilt hat. Das ist zwar winzig, aber immerhin kann man es abschließen.

„Mir ist schon klar, dass die Räume knapp sind. Das Schwierige an manchen Unterkünften ist jedoch, dass einige Flüchtlinge beispielsweise Deutschkurse besuchen, während andere den ganzen Tag nichts zu tun haben. Für zielstrebige Menschen wie Omid ist so ein Umfeld problematisch“, sagte Hoffmann damals.

Nachdem er seinen afghanischen Freund zu Gesprächen mit dem Sozialamt begleitet, muss dieser zwar nicht, wie zunächst vorgesehen, in eine Gemeinschaftsunterkunft nach Heidenau umziehen. Allerdings ist auch die neue Sechser-WG im Plattenbaugebiet Gorbitz ebenfalls meilenweit von dem entfernt, was er bisher gewöhnt war. „In der neuen Wohnung finde ich keine Ruhe zum Lernen. Ich habe dort nur ein Bett, das sich direkt am Übergang vom Wohnzimmer zur Küche befindet. Ständig läuft jemand vorbei“, sagte Ahmadi nach dem Einzug.

Weil Gerald Hoffmann die Situation ebenfalls belastet, bietet er dem Sozialamt zwischenzeitlich sogar an, dass Omid Ahmadi im Haus seiner Schwiegereltern ein Zimmer beziehen könne. Am Ende ist das aber nicht mehr notwendig. Als der Afghane schon nicht mehr damit gerechnet hat, bekommt er etwas später ein eigenes Zimmer in einer anderen WG und ist damit zufrieden.

Zum Guten haben sich die Dinge auch in anderer Hinsicht gewendet. Nachdem er sich lange Zeit Sorgen darüber gemacht hat, wie es nach dem Ende seines Sprachkurses im Sommer weitergeht, hat er vor kurzem auch beruflich sein Glück gefunden. Praktika in diversen Hotels haben sich ausgezahlt. Der Traum einer Lehrstelle als Hotelfachmann ist in Erfüllung gegangen.

„Es ist für uns ein kleines Wunder, dass er einen Ausbildungsplatz bekommen hat“, sagt Gerald Hoffmann. Bevor es jedoch soweit ist, gibt es kurz einen Schreckmoment. Als die Hoffmanns aus dem Sommerurlaub kommen, fallen sie aus allen Wolken, als Omid ihnen sagt, dass er den Ausbildungsplatz nicht antreten wird.

„Ursache war eine sehr unangenehme Situation auf dem Arbeitsamt, wo ihm erklärt wurde, dass er ja keinen klaren Status hat und damit anderen die Chance wegnehmen würde.“ Er habe aber zwei Jahre intensiv Deutsch gelernt und wollte jetzt natürlich auch die Initiative ergreifen, so Hoffmann. Zum Glück sind diese Probleme Schnee von gestern. Wenn nun auch noch der (positive) Asyl-Bescheid ins Haus flattern würde, wäre alles perfekt.

Von Stephan Hönigschmid

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
18.08.2017 - 19:24 Uhr

Ziegner-Elf bleibt mit nur zwei Punkten weiterhin im Tabellenkeller der dritten Liga.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.