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DNN-Adventskalender: Bootsmanufaktur im Norden Dresdens

DNN-Adventskalender: Bootsmanufaktur im Norden Dresdens

Diese Frage stellen sich besonders Männer: Warum können Handtaschen nie groß genug sein? Diese Frage fällt Einem sofort ein, hier in dieser Halle auf dem Gelände der Zeitenströmung im Dresdner Norden.

Von Adina Rieckmann

Hier oben hat sich vor einem Jahr eine kleine, aber feine Manufaktur angesiedelt, die Bootsmanufaktur Schaaf. Die wenigsten Dresdner kennen die Bootsbauer um Jörg Schaaf, umso mehr dafür aber Menschen in Cannes, auf Mallorca, in Düsseldorf.

Diese Halle jedenfalls ist 240 Quadratmeter groß, und trotzdem ist es hier viel zu klein, kommt man immer wieder ins Stolpern, holt sich sogar blaue Flecken. Schuld daran ist dieses 9,50 Meter lange und 2,55 breite Boot aus Aluminium. Es passt gerade so in diese riesige Halle hinein. Weder vorn am Bug, noch am Ende gibt es Spielraum. Stellt sich nur die Frage, wie viel Stunden hat die Crew gebraucht, um das Boot genau an diese einzig mögliche Stelle zu platzieren.

Es muss eine Fummelarbeit gewesen sein. "Stimmt", antwortet Jörg Schaaf lachend und sagt im gleichen Atemzug: "Das soll uns aber nicht daran hindern, eines Tages noch größere Boote zu bauen. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg." Das klingt nach Allgemeinplätzen, scheint aber für diesen Mann zu stimmen.

Die Idee für die Bootsmanufaktur hatte der gebürtige Senftenberger in Brasilien. Dort lebte er für viele Jahre, sah an den Stränden Yacht für Yacht, Boot für Boot. Diese Fahrzeuge waren alle hübsch anzusehen, auch ihr Motor ließ oftmals nichts zu wünschen übrig. Diese Motorboote hatten nur einen Makel: Sie waren nicht perfekt genug. Nicht für ihn. In Brasilien skizzierte er so lange seine Idee von einem perfekten Boot, bis sie ausgereizt war, bis die Form stimmte, das Design konsequent genug war und auch der Genussfaktor nichts mehr zu wünschen übrig ließ. Schaaf beließ es nicht bei den Skizzen. Er suchte sich Gesellschafter, überzeugte sie und ging nach Deutschland zurück.

Deshalb ist er jetzt hier und flucht. Sein erstes Boot war auf der Internationalen Bootsmesse in Düsseldorf ein Renner. Die Aussteller belächelten ihn und sein motorisiertes Beiboot noch am ersten Tag, die Kunden aber stürmten den Tender 31, staunten darüber, dass ein Boot so anders aussehen kann als alle anderen. So eckig, so kantig, so zackig. "Schreiben Sie lieber so kompromisslos, denn das ist es doch, was uns von den anderen Firmen unterscheidet. Wir machen kein Chi-Chi, wir bauen ein Boot, nicht mehr, aber auch nicht weniger", meint der 41-Jährige.

Jetzt aber flucht er erstmal, steht in dieser großen Werkstatt, diskutiert mit seinen drei Männern und steht sichtlich unter Druck. Kein Wunder. In einem Monat ist wieder Messe in Düsseldorf, und anders als beim ersten Mal bespielt er jetzt eine deutlich größere Fläche. Nur, die neueste Arbeit der Manufaktur ist immer noch nicht aus Hamburg zurück, genauer gesagt, aus der Galvanisierungswerkstatt.

Dabei wird genau dieser Crossover ein absoluter Hingucker werden. So viel ist sicher. Dieses Boot jedoch soll die Messebesucher nicht nur mit seinem zeitlosen Design an den Stand locken, sondern auch mit seinem Luxus. Es soll glitzern, glänzen, funkeln: Das Lenkrad, die Armaturen, die Klampen, jede einzelne Schraube und Mutter. Alles an diesem Boot, was aus Chrom und Edelstahl besteht, egal, ob es auf dem ersten Blick zu sehen ist oder nicht, wird in einem Galvanisierungsbad vergoldet. Anschließend lackiert, nanoversiegelt und verbaut. Die ersten Teile liegen schon auf dem einzigen Tisch in der Werkstatt. Vier erwachsene Männer stehen davor und staunen wie kleine Kinder.

Auf dem Tisch scheinen pure Nuggets zu liegen, anders ist ihr glückli- ches Lächeln nicht zu verstehen. Wohl auch deshalb berühren sie diese vergoldeten Teile ganz vorsichtig und nur mit weißen Handschuhen. Besonders die Klampen haben es Mitstreiter Andy Krüger angetan: "Schauen Sie mal, unsere Klampen sind sowieso schon technisch de luxe, jetzt aber sind sie mit hochkarätigem Gold überzogen. Das aber dürfen wir nicht mal ein My zerkratzen. Das gehört schließlich auch zu unserem Anspruch, dass wir ein makelloses Boot herstellen wollen."

Keiner der vier Männer hier ist gelernter Bootsbauer. Trotzdem bauen sie Boote. Stück für Stück. Der goldene Daycruiser aber soll limitiert werden. Nur neun Stück will die Manufaktur herstellen: "Uns geht es schon um Exklusivität. Unsere Kunden können sich in der Regel alles leisten. Da will man auch mal etwas haben, was der Nachbar nicht hat. Und sei es ein Boot aus Gold", erklärt Andy Krüger.

Der edle Tender übrigens, der soviel Platz in der Werkstatt einnimmt, kostet ohne Gold schon 95 000 Euro, mit Gold zahlt der Kunde gleich noch einmal 100 000 Euro drauf.

Firmengründer Jörg Schaaf jedoch sorgt sich nicht um den Preis. Er ist mit der Manufaktur erst seit diesem Januar auf dem Markt. Trotzdem kennt er seine Kunden, unter ihnen auch Franziska van Almsick, schon genau genug. "Auch wenn das jetzt paradox klingt, viele haben uns deutlich gesagt, dass wir mit unseren Booten zu billig sind. Unsere Goldedition jetzt ist die Antwort darauf." Die Frage nach der Handtasche stellt sich an diesem Tag nicht mehr, eher die, wann das Boot ins Wasser gelassen wird, am besten in die Elbe. Und ob man mitfahren darf. Aber das ist eine andere Geschichte.

Finale! 23 Tage lang haben die DNN wie bei einem Adventskalender täglich ein ganz besonderes Türchen geöffnet. Wir blickten hinter die Fassaden, in sonst unzugängliche Räume und hinter geheime Türen. Heute nun ist der krönende Abschluss dieser vorweihnachtlichen Serie. Diesmal werfen wir einen Blick auf die Bootsmanufaktur des gebürtigen Senftenbergers Jörg Schaaf auf dem Gelände der Zeitenströmung im Dresdner Norden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.12.2011

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