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DDR-Pfusch nervt Dresdens Rathaus-Sanierer

DDR-Pfusch nervt Dresdens Rathaus-Sanierer

Die Schatten der DDR reichen weit. Sehr weit. Auch über 20 Jahre nach der Wende rächen sich noch immer die seinerzeit üblichen Bausünden. Markus Lenhart kann davon ein Lied singen.

Der 42-Jährige arbeitet als Projektleiter beim Hochbauamt der Stadt Dresden und hat bei der seit knapp zwei Jahren laufenden Sanierung des Rathauses den Hut auf. "Ich bin schon lange im Ingenieurbau tätig, aber das hier ist ein Quantensprung, da gerät man als Bauleiter an seine Grenzen."

Mit diesen deutlichen Worten warb Lenhart gestern bei einem Rundgang über die gigantische Baustelle um Verständnis für die ständigen Nachträge und dadurch stark gestiegenen Kosten. Erinnern wir uns: Der erste Bauabschnitt, der zunächst einmal nur den Ostflügel des 1910 eingeweihten Rathauses umfasst, schlägt nicht wie geplant mit 25 Millionen Euro, sondern mit knapp 33 Millionen Euro zu Buche, was jüngst die Rechnungsprüfer der Stadt ankreideten (DNN berichteten).

Markus Lenhart verteidigt sich und seine Mannschaft, spricht von einer "Vielzahl von Überraschungen", mit denen so im Vorfeld nicht zu rechnen gewesen sei. Zum Beispiel gleichen zahlreiche Decken einem Schweizer Käse, so durchlöchert sind sie. Elektrische Kabel wurden in den 1960er Jahren kurzerhand mitten durch den Estrich gezogen, andere Decken im Geschäftsbereich von Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) hingen bis zu 13 Zentimeter herunter.

"Zu DDR-Zeiten haben sich die Bauleute im Rathaus einerseits oft nicht an die genehmigten Pläne gehalten und verbaut, was gerade verfügbar war und andererseits das, was sie gebaut haben, extrem lückenhaft dokumentiert", ärgert sich Lenhart. "Das Ausmaß der Schäden und des kaum vorhandenen Brandschutzes ist uns dadurch erst nach Abbrechen des Estriches bewusst geworden."

Angesichts der gesammelten Erfahrungen im ersten Bauabschnitt traut sich bei der Stadt derzeit niemand, die zu erwartenden Gesamtkosten für die Rathaussanierung zu benennen. "Solch eine Schätzung wäre zum jetzigen Zeitpunkt einfach unseriös", räumt Finanzreferent Erasmus Wolff ein.

Unterdessen ist auf der Großbaustelle die erste wichtige Etappe fast geschafft, denn laut Lenhart sind die Arbeiten an der Fassade und auf dem Dach so gut wie beendet. Der große Turmdrehkran soll bereits in wenigen Tagen abgebaut werden, die Gerüste fallen voraussichtlich bis Ende Juli. Dann lüftet sich auch bald das Geheimnis um den künftigen Farbanstrich. Bereits gestern erfuhren die DNN, dass sich die Verantwortlichen für ein abgetöntes Weiß entschieden haben.

Während die Bauarbeiten an der äußeren Hülle kurz vor dem Abschluss stehen (bezogen auf den ersten Bauabschnitt), wird sich der Innenausbau des Ostflügels noch über reichlich zwei Jahre erstrecken. Unter anderem erhalten die Mitarbeiter des Steueramtes erstmals ein zentrales Aktenarchiv. Dafür müssen die Decken erheblich verstärkt werden, denn pro Quadratmeter ist dort mit Lasten von bis zu einer halben Tonne zu rechnen. Das nun wiederum konnte man zu DDR-Zeiten wirklich nicht ahnen.

iMehr Bilder auf www.dnn-online.de.

Stephan, Christoph

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