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DDR-Medikamententests: Dresden hält sich bei Aufarbeitung zurück

DDR-Medikamententests: Dresden hält sich bei Aufarbeitung zurück

Mit Ausnahme von Dresden wollen sich alle Universitäten der Region an der Aufarbeitung der Medikamententests westlicher Pharmafirmen in der DDR-Zeit in einem mitteldeutschen Forschungsverbund beteiligen.

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Mit Ausnahme von Dresden wollen sich alle Universitäten der Region an der Aufarbeitung der Medikamententests westlicher Pharmafirmen in der DDR-Zeit in einem mitteldeutschen Forschungsverbund beteiligen. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Nach Informationen der DNN planen die Universitäten von Jena, Leipzig und Halle-Wittenberg dazu ein gemeinsames Forschungsprojekt.

Die Uni Magdeburg hat ihre Mitarbeit angekündigt. „Wir wollen sehr rasch mit der konkreten Arbeit beginnen", sagte Professor Florian Steger vom Lehrstuhl für Geschichte und Ethik in der Medizin an der Universität Halle, der das Projekt in den nächsten drei Jahren leitet. In dem mitteldeutschen Forschungsverbund wollen die Wissenschaftler Licht in das Dunkel um die westlichen Pharmaversuche in der DDR bringen. Geklärt werden soll unter anderen, welche Medikamententests durchgeführt wurden, welchen Standarts sie entsprachen und inwieweit die Patienten aufgeklärt worden sind. Außerdem wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie viele Devisen sich die DDR-Führung über die westlichen Medikamentenstudien verschafft hat.

Uniklinikum Dresden will Vorgänge aufklären - Absage an länderübergreifendem Projekt

Das Uniklinikum Dresden wird sich als einzige Uniklinik in Sachsen, Sachen-Anhalt und Thüringen nicht an dem länderübergreifenden Projekt beteiligen. „Das Klinikum ist als Nachfolgeinstitution der Medizinischen Akademie (Medak) sehr daran interessiert, die Vorgänge vor 1989 aufzuklären. Jedoch ist das nach der derzeit verfügbaren Aktenlage leider nicht möglich", sagte Sprecher Holger Ostermeyer. Bislang seien keine Akten gefunden worden, „die Auskunft über Studien aus der Zeit vor 1989 geben". Zudem sei die Aufbewahrungsfrist von 20 Jahren abgelaufen. Die anstehende Vernichtung weiterer Akten ist laut Ostermeyer aber im Mai gestoppt worden. Klinikum und Fakultät würden in dieser Frage weiter recherchieren.

Bislang haben jedoch weder die Forscher der Pilotstudie in Jena noch der mitteldeutsche Forschungsverbund einen Anruf aus Dresden erhalten. „Es ist nicht davon auszugehen, dass die Zulassung von Medikamenten in der DDR an Dresden vorbeigegangen ist", erklärte Projektleiter Steger. „Unsere Türen sind offen". Viele Kliniken hätten sich auf Eigeninitiative gemeldet. Dabei wäre eine Aufarbeitung in Dresden nicht unrelevant. Insgesamt mindestens 44 Medikamentenstudien sind in der ehemaligen Medizinischen Akademie (Medak) durchgeführt worden. Das sind nach der Berliner Charité Berlin die meisten Pharmaversuche in der ehemaligen DDR. Dies belegen Forschungsergebnisse des Medizinhistorikers Rainer Erices, der an der Pilotstudie der Uni Jena mitgearbeitet hat.

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Daher ist die Brücke noch in einem sehr guten Zustand.

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Zahlreiche Künstler und Kreative haben im Wächterhaus günstigen Raum zum Arbeiten gefunden.

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Dieser Waschbär hatte sich an einem Sandsteinbau verklettert. (Archiv)

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Auch am Sonntag herrschte ein großer Andrang auf der eröffneten Waldschlößchenbrücke.

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Der Untergrund der Kappen wurde mit Bitumen isoliert. Dazwischen kam der Asphalt für die Autos.

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Klara Jurisch aus Dresden: "Die Waldschlößchenbrücke bringt etwas Modernes nach Dresden. Und ich glaube, noch unauffälliger hätte man sie kaum bauen können."

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Die anatomische Sammlung der Kunsthochschule könnte bald für Besucher geöffnet werden

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Längster Bus wird Star in MDR-Beitrag

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Getestet wurden Erices zufolge unter anderem das Medikament „Sandimmun" des Pharmakonzerns „Novartis" zur Behandlung vom Autoimmunkrankheiten und zum Einsatz nach Transplantationen sowie das Medikament „Jatrox" zur Analyse von Magen-Bakterien in Gewebeproben. Betroffen sind laut Erices jedoch auch andere Krankenhäuser der Region. Im Städtischen Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt Krankenhaus sind mindestens zehn Medikamentenstudien durchgeführt worden, in vier Studien haben Ärzte des Krankenhauses für Psychiatrie und Neurologie Arnsdorf Antidepressiva getestet, im Krankenhaus Coswig wurden fünf, in Görlitz sechs, in Radebeul und Bautzen jeweils eine Testreihe nachgewiesen worden. „Selbstverständlich sind wir bereit, die Aufklärung der Arzneimittelversuche in der DDR zu unterstützen", sagte Matthias Grimm, Verwaltungsdirektor des Krankenhauses Arnsdorf. „Wir verfügen dazu über ein umfangreiches Archiv, welches sicher von Nutzen sein wird." Allerdings müsste der Datenschutz um die sensiblen Patientenakten gewahrt werden.

Das Uniklinikum Dresden peilt hingegen eine Zusammenarbeit mit der Charité Berlin an. Das Institut für Geschichte der Medizin der TU Dresden würde sich am Projekt der Charité beteiligen, hieß es aus dem Klinikum. Forscher Erices sieht diese Absicht eher skeptisch: „Mit zwei halben Stellen reicht die Kapazität gerade für die Aufklärung in Berlin. An der Charité war bereits im Sommer ein Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der Medikamentenversuche gestartet, nachdem öffentlich wurde, dass Boeringer-Mannheim dort das verbotene Dopingmittel Epo erproben ließ und Bayer Versuchsmedikamente für Alkoholiker lieferte. Der mitteldeutsche Forschungsverbund soll mit Förderung der Unikliniken Jena, Leipzig und Halle-Wittenberg finanziert werden.  Auch das Land Thüringen will sich an der Finanzierung beteiligen. Eine Absage gibt es hingegen vom Freistaat Sachsen.

Keine Gelder vom Sächsischen Sozialministerium

„Aus unserer Sicht gibt es für lokale Aktivitäten zu diesem Thema keinen Grund", hieß es aus dem Sozialministerium. In Abstimmung mit der Bundesregierung sei das Medizingeschichtliche Institut an der Charité Berlin mit der Aufarbeitung der Problematik beauftragt. Dies schließe Testreihen in Sachsen ein. „Ein Handlungsbedarf für unser Haus kann erst dann geprüft werden, wenn der Abschlussbericht des Instituts vorliegt", sagte Sprecher Ralph Schreiber.

Katrin Tominski

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