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DAS-System gegen dicke Luft - Dresdner Abgasreiniger sind in der Mikroelektronik-Branche begehrt

DAS-System gegen dicke Luft - Dresdner Abgasreiniger sind in der Mikroelektronik-Branche begehrt

Was die Mikroelektronik nicht so gerne laut herausposaunt: Chipfabriken erzeugen nicht nur tolle Computerherzen, sondern auch gefährliche Gase als Nebenprodukt.

Dresden.

Damit die nicht die Tierwelt ringsum vergiften oder Reinräume in Flammenmeere verwandeln, bietet Dr. Horst Reichardt aus Dresden eine raffinierte Lösung.

Dessen Unternehmen DAS steht für Umweltschutzanlagen, die weltweit zu Tausenden in Chip- und Solarfabriken eingesetzt werden. Und die Nachfrage nach Abgas-Reinigungsanlagen wächst, wie der Physiker und Firmenchef Reichardt gestern bei einem Besuch von Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) berichtete.

Dass die Dresdner Umweltschutztechnik international in der Halbleiterbranche so gefragt ist, hängt auch mit jahrzehntelangen Erfahrungen in der Mikroelektronik zusammen: Reichardt, der Schiffbau lernte, Physik studierte und dann bei der zentralen DDR-Chipentwicklungs-Schmiede ZMD landete, war das Problem schon früh aufgefallen. "Wir haben uns immer gewundert, warum am ZMD-Schornstein so viele tote Vögel herumlagen", erinnert er sich. Eine Analyse zeigte, dass Restgase verantwortlich waren, die bei der Chipproduktion entstanden: teils hochentzündliche, die bei bloßem Luftkontakt brennen, andere hochtoxisch für Mensch und Tierwelt.

Die ersten - noch vor der Wende erdachten - Reinigungsverfahren für diese Abgase entwickelte der Physiker nach dem Zusammenbruch der DDR-Mikroelektronik weiter, gründete dafür mit der DAS 1991 eine eigene Firma mit zunächst zehn Leuten. Heute sind es weltweit 246 Mitarbeiter, darunter etwa 130 in Dresden.

Die Anlagen, die hier konstruiert werden, haben den Dresdnern eine international führende Position verschafft: Sie verbrennen gefährliche Abgase und reinigen sie dann weiter in einem Laugebad, so dass am Ende leicht entsorgbare Reststoffe stehen. 75 Prozent gehen in den Export. "Phänomenal, wie aktiv unser Mittelstand im Ausland ist", freute sich Bürgermeister Hilbert beim DAS-Besuch im Zuge seiner Unternehmens-Sommertour.

Das hohe Technologie- und Qualitätsniveau der DAS-Geräte hat sich eben herumgesprochen: Erst kürzlich hat der weltweit größte Chip-Auftragshersteller TSMC aus Taiwan Neuentwicklungen bei den Dresdnern bestellt. Auch werden die DAS-Anlagen wahrscheinlich beim nächsten großen Technologiesprung der Halbleiterbranche, beim Umstieg von 300 auf 450 Millimeter große Siliziumscheiben (Wafer) zum Einsatz kommen.

Diese und weitere Aufträge aus Fernost, Amerika und Europa haben der Firma einen neuen Schub verschafft. Der Geschäftsführer rechnet in diesem Jahr mit etwa 25 Millionen Euro Umsatz, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch Reichardt ist auch ein vorsichtiger Mann, der viel Wert darauf legt, dass die DAS als inhaber- und familiengeführter Mittelständler innovativ bleibt und solide wirtschaftet. Daher hat die Firma mit der biologischen Abwasser-Aufbereitung ein neues Geschäftsfeld aufgemacht, dass für Sicherheit in Krisenzeiten sorgen soll. Bisher machen diese Umweltreaktoren für Lebensmittelindustrie und Pharmazie zehn Prozent des Umsatzes aus. In naher Zukunft soll dieses Segment aber mehr Geld einbringen als die Geschäfte mit der Chipindustrie.

Wofür die DAS nach außen steht, nämlich Umweltschutz, exerziert sie übrigens auch firmenintern vor: Im Zuge des "Ökoprofit"-Projektes stieg sie zum Beispiel auf beidseitige Dokumentenausdrucke um, reduzierte den Wasserdruck im Unternehmen und auch die Parkplatzbeleuchtung. Seitdem spart der Betrieb fast 100 000 Blatt Papier pro Jahr, 2660 Kubikmeter Abwasser pro Tag und 9800 Kilowattstunden Energieverbrauch im Jahr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.07.2013

Heiko Weckbrodt

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