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DAS Environmental Expert GmbH aus Dresden wird 25 Jahre alt

Arbeitsplatz mit Swimmingpool DAS Environmental Expert GmbH aus Dresden wird 25 Jahre alt

Der Vater führte das Unternehmen 25 Jahre lang durch Höhen und Tiefen – jetzt übernimmt der Sohn. Bei DAS Environmental Expert GmbH ist ein Generationenwechsel angesagt. Der neue Geschäftsführer setzt sich ehrgeizige Ziele.

Der Pool dient als Demonstrationsobjekt für Kunden und ist an heißen Tagen bei den Mitarbeitern gefragt.

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Einmal, sagt Horst Reichardt, war es wirklich knapp. „Die Gesellschafterversammlung war schon terminiert. Ich sollte als Geschäftsführer abberufen werden.“ Er hatte für die finanzielle Konsolidierung seines Unternehmens auf Risikokapital zurückgegriffen. Als der Dresdner Betrieb lukrative Aufträge in Asien erhielt, wollten die Kapitalgeber Kasse machen und verkaufen. „Ich wollte das Unternehmen aber privat weiterführen.“ Da wurde die Einlage fällig gestellt. „Ich brauchte auf einen Schlag 1,3 Millionen Euro, die ich natürlich nicht hatte.“

Ein guter Geschäftspartner aus Japan, dem Reichardt 2000 eine Lizenz verkauft hatte, sprang ein und sicherte das Kapital zu. „Ich habe 5 vor 12 aus Tokio ein Fax geschickt, dass ich zahlen werde.“ Zwölf Jahre ist die Rettungsaktion her, die den Grundstein dafür legte, dass die DAS Environmental Expert GmbH heute ihr 25-jähriges Jubiläum feiern kann. Am Firmenstandort auf der Goppelner Straße, der trotz eines im vergangenen Jahr eingeweihten Anbaus schon wieder zu klein geworden ist. „Wir haben die vergangenen vier Jahre 20 bis 25 Prozent Wachstum pro Jahr geschafft. Dieses Jahr wird es nicht anders sein“, erklärt der Unternehmer die Platzprobleme.

An ein 300 Mitarbeiter starkes Unternehmen mit Niederlassungen in Asien, Süd- und Nordamerika war 1991 nicht zu denken, als der ZMD-Mitarbeiter mit Kollegen und Elektromat-Mitarbeitern die DAS GmbH gründete. „Wir waren blauäugig und mit einer großen Portion Naivität ausgestattet“, blickt Reichardt lächelnd zurück. Geld war so gut wie nicht vorhanden, das Startkapital von einer Million Mark kam per Fördermittel und Kredit. Dafür hatte DAS einen Plan: „Ich hatte im ZMD mit problembehafteten Gasen gearbeitet, die in der Halbleitertechnik entstehen. Wir haben uns gefragt, wie diese Gase gereinigt werden können.“

Verbrennen oder waschen waren die gängigen Technologien. Die DAS brachte Feuer und Wasser in einer Kammer zusammen und entwickelte mit diesem Prinzip ihre Produkte. Trotz aller Naivität war Reichardt schon 1991 klar: „Ein Unternehmen muss das entwickeln, was der Markt braucht.“ Der Markt brauchte die DAS-Anlagen. Als erstes ostdeutsches Unternehmen nahm DAS in den frühen 1990er Jahren an einem europäischen Förderprojekt teil. „Das war der erste Schritt in Richtung Internationalität. Das hat uns sehr viele Kontakte eingebracht.“

Damals saß das Unternehmen noch in einem ZMD-Gebäude in Klotzsche. 1993 wechselte es in das Technologiegründerzentrum Süd in der Gostritzer Straße in die Räume einer ehemaligen Ziegelei. „Als Siemens 1995 seine große Fabrik in Dresden errichtete, erhielten wir den ersten Großauftrag über 50 Anlagen. Das war schon ein Meilenstein“, blickt der Unternehmer zurück. Mit dieser Referenz wagte er den Schritt nach Asien. Erst Taiwan, dann Japan, schließlich China – DAS stellte sich international auf. Heute exportiert der Anlagenhersteller 98 Prozent seiner Anlagen in nichteuropäische Länder. Der Grund: „Die Halbleiterindustrie in Europa spielt keine Rolle mehr. In China, Taiwan oder Korea gibt es ganze Städte, die um die Fabriken entstehen. Dort spielt die Musik.“

René und Horst Reichardt in der Produktionshalle.

René und Horst Reichardt in der Produktionshalle.

Quelle: Anja Schneider

Als zweites Standbein hat DAS die Abwasserreinigung für sich entdeckt. „Wir waren zu sehr abhängig von den Zyklen in der Mikroelektronik“, erläutert Reichardt, „da gibt es fette Jahre und magere Jahre.“ Kosmetik- oder Getränkehersteller hätten da mehr Kontinuität und würden kontinuierlich Abwasser produzieren, das gereinigt werden muss. Zehn Prozent des angepeilten Jahresumsatzes von 60 Millionen Euro gehen auf das Konto von Abwasserreinigungsanlagen.

Das neue Geschäftsfeld hat einen schönen Nebeneffekt für die 140 Mitarbeiter starke Belegschaft am Standort an der Goppelner Straße: Auf dem Betriebsgelände befindet sich unter Palmen ein Swimmingpool. Das Wasser wird mit einem Rieselstrom-Bioreaktor gereinigt. Ein Demonstrationsobjekt für Kunden, das von den Mitarbeitern und auch ihren Kindern an heißen Tagen gerne genutzt wird.

Horst Reichardt ist der letzte noch aktive Mitarbeiter der ersten Stunde, heute aber will der 65-Jährige den Staffelstab an seinen Sohn René übergeben. Der 39-Jährige hatte eigentlich nie vor, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. „Ich habe mich erst in einigen Berufen ausprobiert, dann studiert und bin über diese Umwege wieder zu DAS gekommen“, erklärt er. Während seine Schwester Anke die Niederlassung in Argentinien leitet, übernahm er Verantwortung für die Abwasserreinigung und den Vertrieb, ehe er Erfahrungen in der operativen Geschäftsführung sammelte. „Jetzt bin ich bereit, die neue Aufgabe zu übernehmen.“

Wie wird DAS in 25 Jahren aussehen? Diese Frage mag René Reichardt nicht beantworten. „Das ist zu weit weg. Für die nächsten fünf Jahre kann ich mir schon vorstellen, dass wir uns verdoppeln“, meint er. „Unsere Kunden wachsen und haben einen enormen Bedarf an Anlagen. Wenn wir nicht mitwachsen, gehen sie zu anderen Anbietern“, erklärt Horst Reichardt, warum sich DAS nicht auf dem Status Quo ausruhen kann. Für die nächste Erweiterung hat die Geschäftsführung vorgesorgt und sich eine Fläche im benachbarten Bannewitz gesichert.

Horst Reichardt überlegt noch, wie er sich künftig ins Unternehmen einbringen wird. „Ganz zurückziehen werde ich mich nicht“, sagt der Vater von drei Kindern. Tochter Ilka arbeitet als Biologin in Wien. Sie ist als einzige der Kinder nicht für DAS tätig. „Noch nicht“, sagt der Vater lächelnd.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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