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Cyberheizung aus Dresden - Unternehmen setzt auf Computerwärme

Cyberheizung aus Dresden - Unternehmen setzt auf Computerwärme

Dort, wo bei vielen Häusern die Heizanlage ist, steht bei Christof Fetzer ein Serverschrank. Ein mannshoher Blechkasten, aus dem dicke Rohre ragen. Im Inneren surren 17 Rechner.

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Mit Servern lassen sich auch Häuser heizen.

Quelle: dpa

„Und das reicht aus, um das Haus das ganze Jahr über mit Warmwasser und Wärme zu versorgen“, erklärt der Informatikprofessor. Beim Bau seines Passivhauses suchte Fetzer nach einer Möglichkeit, energiesparend zu heizen. Weil der Wissenschaftler an der TU Dresden viel mit Computern und Rechenzentren zu tun hat, kam er auf die Idee, deren Abwärme dafür zu nutzen.

Computer als Heizung der Zukunft - um das umzusetzen, holte Fetzer den Physiker Jens Struckmeier und den Unternehmer René Marcel Schretzmann ins Boot. 2011 gründeten sie in Dresden die AoTerra GmbH. Seit diesem Jahr heißt das Unternehmen Cloud & Heat. Das beschreibt die beiden Märkte, in denen die Firma punkten will und die eigentlich wenig miteinander zu tun haben: Heizungstechnologie und Cloud-Service. Denn die Rechner vor Ort müssen ausgelastet werden, um Wärme zu erzeugen. Beim Cloud-Computing können Firmen ihre IT-Infrastruktur auslagern und über das Internet Software und Rechenleistung buchen. Meist stehen die Server dafür in einem zentralen Rechenzentrum, wo sie mit viel Energieaufwand gekühlt werden müssen. „Verschwendung“, nennen das die Dresdner. Deshalb stellen sie die Rechner dort auf, wo die Wärme gebraucht wird - etwa in Einfamilienhäusern.

Über das Internet sind die Server mit der Unternehmenszentrale vernetzt. Die Wärme wiederum kann lokal genutzt werden. Uwe Kluge, Energieberater bei der Sächsischen Energieagentur SAENA, erklärt, mit der „Internetheizung“ lasse sich doppelt Energie einsparen - die für Kühlung und Heizung. Berechnungen zufolge könnten mit der Abwärme von einem Quadratmeter Rechenzentrum bis zu 300 Quadratmeter Altbauwohnung geheizt werden. Die Gebäude müssten allerdings entsprechend saniert sein. Außerdem habe die Technologie Grenzen: Um die Serverschränke mit dem virtuellen Rechenzentrum zu verbinden, braucht man schnelles Internet. „Das ist in manchen ländlichen Regionen schwierig“, sagt Kluge.

Und wie funktioniert die Cyberheizung? Der Hausbesitzer kauft den Serverschrank für 12 000 Euro, Cloud & Heat übernimmt dessen Wartung und die Kosten für den Ökostrom. 15 Jahre lang bekommt der Kunde die Wärme kostenfrei, danach werde neu verhandelt, hieß es. In die Serverschränke passen bis zu 17 Rechner. Laufen sie auf Hochtouren, wird die Wärme in einen Pufferspeicher eingespeist, der für warmes Wasser sorgt. Zusätzlich wird die Abwärme zum Heizen des Hauses genutzt. Wenn sich jemand unberechtigt Zugang verschaffen will, schlägt ein Alarmsystem an.

35 Mitarbeiter beschäftigt die Firma, rund 100 Heizsysteme wurden den Angaben zufolge bisher ausgeliefert. Serverschränke stehen etwa in Hamburg, Dresden, Berlin und München. Künftig sollen auch größere Objekte versorgt werden. Eine Dresdner Wohnungsgenossenschaft etwa setze zum Heizen auf die Serverschränke, erklärt das Unternehmen, auch Verhandlungen mit Hotels gebe es. Abnehmer könnten auch Kliniken sein, so Schretzmann. Zu Umsatz und Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben.

Bis 2016 seien die Auftragsbücher gut gefüllt, hieß es. Geplant sei nun, vor allem die Cloud zu vermarkten. Die Ziele sind ehrgeizig: „Wir wollen von Google oder Microsoft Marktanteile gewinnen“, sagt Struckmeier. Um den Ausbau voranzutreiben und sich internationaler aufzustellen, versucht das Unternehmen, über Crowdfunding rund fünf Millionen Euro einzuwerben. Vom 11. Dezember an soll die Kampagne, bei der Einzelpersonen über das Internet Geld in das Projekt stecken können, auf dem Portal „Seedmatch“ freigeschaltet werden. Schretzmann ist optimistisch: „Wir hoffen, das Geld innerhalb von einem Monat zusammenzubekommen.“

Christiane Raatz, dpa

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