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Cool bleiben: Dresdner Kältetechniker führen Unternehmen in fünfter Generation

Cool bleiben: Dresdner Kältetechniker führen Unternehmen in fünfter Generation

Wenn Stanislaw Tillich in dieser Sommerglut nicht in Shirt und Shorts an seinem Staatskanzleischreibtisch präsidiert, dann hat das mit Wilhelm Miersch zu tun.

Dresden.

Der nämlich hat 1905 in Dresden eine Maschinenbauanstalt gegründet und sie auf Kühlanlagen spezialisiert - ein Geschäftsfeld, das seine Nachfahren noch heute erfolgreich beackern. Auf deren Dienste wiederum zählt die Baubehörde des sächsischen Finanzministeriums, das SIB. Resultat: Dank der "Wilhelm Miersch Kälte-Klima-Service GmbH" können Chefs und Mitarbeiter vieler sächsischer Ministerien im wahrsten Wortsinn einen kühlen Kopf bewahren. Allen voran Ministerpräsident Tillich.

Wir kühlen alles

"Wir kühlen, tiefkühlen und klimatisieren fast alles", sagt der aktuelle Geschäftsführer Wilfried Otto und zählt auf: "von Blumen über alle Lebensmittel, Technik- und Arbeitsräume, Wohn- und Konferenzräume, OP-Säle, Fahrzeuge, Medikamente, Plaste, Schuhcreme, Flugzeugteile, Akten, Microchips, Blut, Wasser, Milch, Bier, Wein, Sekt, Maschinenöl, Kerzen, Lippenstifte bis hin zu Toten". Dazu nickt Sebastian Otto. Der Sohn, Jahrgang 1975, ist seit März 2011 ebenfalls Geschäftsführer und steht damit für das Familiengeschäft in fünfter Generation.

Effektiv und familiär

Das Unternehmen bringt gegenwärtig inclusive Chefetage und Lehrling 13 Menschen Lohn und Brot, macht in guten Zeiten jährlich 2,5 Millionen Umsatz und kann mit dem, was an Gewinn hängenbleibt, gut auskommen. Gezahlt wird über Branchendurchschnitt, den Mitarbeitern werden Zuschläge zu Kitagebühren gewährt, und überhaupt könnte man sagen, dass es bei den Ottos so effektiv wie familiär zugeht.

Kunden kommen und bleiben

Wohl auch, weil den Ottos das Motto "höher, schneller, weiter" fremd ist. "Wir haben Kunden im Umkreis von 100 Kilometern", sagen sie. Alles andere sei, wenn man das Geschäft mit Einbau und Wartung ernsthaft betreibe, nicht sinnvoll zu bewältigen. Der Betrieb braucht auch kein gigantisches Marketing: Kunden kommen und bleiben. Akquise? Hat Wilfried Otto zuletzt Anfang der 1990er betrieben. Das Geschäft mit der Kälte ist keins, was langfristig planbar ist. Mal abgesehen von Sonderaufträgen, die die Miersch GmbH in Zusammenarbeit mit dem Institut für Luft- und Kältetechnik realisiert, stehen Aufträge selten länger als für ein Vierteljahr in den Büchern. Wenn Konditoren, Labore, Brauereien, Gaststätten, Versandlager oder die Elbe Flugzeugwerke eine Kühlstrecke für Schokoladenüberzüge, Medikamente, Bierzutaten, Lebensmittel oder Nieten und Schrauben brauchen, muss es oft schnell gehen. Und das garantieren die Ottos.

Klima für Obamas Security

Als damals im Juni 2009 Barack Obama nach Dresden kam und ein Saal in der Schießgasse flugs als Hauptquartier für die Sicherheitskräfte vorbereitet werden musste, dauerte es nach der Anfrage keine drei Tage, bis sie eine funktionierende Kühlung installiert hatten.

Plot für eine Familiensaga

Den Firmensitz in der Blasewitzer Jüngststraße, gleich neben ihrem Wohnhaus, haben die Ottos erst Ende 2003 bezogen. Es ist der fünfte in der fast 110-jährigen Geschichte der Kältefirma. Der zweite Dresdner Standort in der Annenstraße war 1945 ein Opfer der Bomben geworden - und mit ihm fast alle Geschäftsunterlagen. Nach dem Krieg gab es eine "Gebäudezuweisung" für Freital. Die letzte Werkstatt dort in der Dresdner Straße versank 2002 in der Jahrhundertflut. "Wir hatten schon Jahre vorher das Büro ausgelagert, Mitarbeiter und Transporter waren in Sicherheit", erklärt Wilfried Otto, warum trotz der Katastrophe kaum Gelegenheit blieb zum Hände-überm-Kopf-Zusammenschlagen. Nach dem Hochwasser gab es - wie für alle im Gewerbebau angesiedelten Firmen - irre viel zu tun. Die Ottos starteten durch.

Wenn Wilfried Otto - zugleich Obermeister der Landesinnung Kälte-Klima-Technik - heute zurückblickt, ergibt sich fast der Plot für eine Familiensaga. Miersch Kältetechnik überstand den Ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise, den Zweiten Weltkrieg, die Währungsreform, 40 Jahre Sozialismus als Privatunternehmen, die Flut 2002. Die Firma ist noch immer da, die Ottos haben ihr Auskommen, planen voraus.

"Ich werde mal Chef"

Das können sie, denn die sechste Generation steht schon in den Startlöchern. Wilfried Otto erzählt zufrieden lächelnd, wie sein heute elfjähriger Enkel Paul mit drei Jahren in seinen Bürosessel kletterte, sich auf den Schreibtisch aufstützte und laut rief: "Ich werd mal Chef".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.07.2014

Barbara Stock

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