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Commerzbank zieht in Dresden Kunden

Niedrigzinsen kosten seit 2009 jeden Dresdner 1000 Euro Kaufkraft Commerzbank zieht in Dresden Kunden

Während die Bankenkonkurrenz das Filialnetz ausdünnt, Milliardenlöcher meldet und Baufinanzierungen vorübergehend stoppt, arbeitet sich die Commerzbank Stück für Stück zurück in die Erfolgsspur. Für den Milliardengewinn 2015 gibt’s erstmals seit der Finanzkrise wieder eine Dividende. Daran haben auch die Filialen in und um Dresden ihren Anteil.

Erstmals seit Beginn der Finanzkrise hat der scheidende Chef der teilverstaatlichten Bank, Martin Blessing, für das zurückliegende 2015 einen Gewinn ausweisen können. Das Geldhaus wächst sowohl dank erweiterter Digitalgeschäfte wie auch dank zielstrebigen Kundenfangs vor Ort. Allein in der Region Dresden wuchs die Zahl der Kunden netto um 2600.
 

Quelle: dpa

Dresden.  „Die Zinsen sinken, Ihre Chancen nicht“, wirbt die Commerzbank auch in Dresden. In Zeiten, in denen die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Nullzinspolitik das so lange beschworene Sparen abstraft, fast ein kühner Slogan. Joachim Hecker, der bei der gelben Bank in der Region das Privatkundengeschäft verantwortet, rechnet vor: „Die Niedrigzinsen haben seit 2009 jeden Dresdner im Schnitt 1000 Euro Kaufkraft gekostet.“

Wohin also mit dem Geld, wenn Sparen mehr kostet als einbringt? Die Bank hat darauf offenbar Antworten gefunden. Denn allein im vergangenen Jahr steigerte sie in und um Dresden die Zahl ihrer Privat- und Geschäftskunden zwischen Pirna und Riesa um 2600 auf 119 100. Und sieht sich in ganz Sachsen bei einem Marktanteil von etwa zehn Prozent. Tendenz steigend. „In den ersten zehn Kalenderwochen kamen im Schnitt täglich 34 neue Kunden hinzu“, so Joachim Hecker. Zu seinem Einzugsbereich gehören die Niederlassungen mit Filialen in Meißen, Radebeul, Pirna und Riesa sowie die sieben Filialen in Dresden und Geschäftskunden-Beratungszentrum. Hecker verbucht nicht nur eine um 60 Prozent höhere Nachfrage nach Konsumentenkrediten, die gegenüber 2015 um 60 Prozent auf 18,7 Millionen angestiegen ist. Er untermauert mit seinen Zahlen auch den ungebrochenen Trend zum Betongold. „Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr in der Region Immobilien im Wert von 178,5 Millionen Euro finanziert“, sagt er. Im vergangenen Jahr seien es noch 150,5 Millionen gewesen.

So wie im gesamten Osten Deutschlands (plus 6,2 Prozent) haben auch die Preise für Häuser im Elbtal ordentlich angezogen. „Man kann in Dresden im Schnitt 1700 Euro pro Quadratmeter bezahlen“, erklärt Hecker, „ aber immer öfter werden auch 4000 bis 5000 Euro dafür aufgerufen“. Sogar in der Dresdner Neustadt seien solche Preise inzwischen zu erzielen – „noch vor wenigen Jahren undenkbar!“ Die Käufer kämen noch immer auch aus der Region – nicht wie in Berlin, Frankfurt oder München, wo die internationalen Geldmärkte inzwischen die Preise enorm in die Höhe schrauben.

Dass die ab Montag (21. März) gültige EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) den Beratungsaufwand noch einmal erhöht, schreckt die Commerzbanker nicht. „Unsere Bauberatung dauert schon heute zwischen 1,5 und 2 Stunden. Die neue Protokollpflicht zu den Risikoabwägungen und künftigen Zinsentwicklungen dauert nochmal 15 Minuten länger, aber dafür profitieren beide Seiten von mehr Transparenz und Sicherheit“, erklärt Hecker, warum seine Bank die Baufinanzierung nicht – wie andere Anbieter – vorübergehend auf Eis legt, sondern in vollem Umfang weiterführt.

Weil Sparen unattraktiv ist und Immobilien nicht für jedermann im Bereich des Möglichen liegen, spielen Wertpapiere eine wachsende Rolle. Das Anlagevolumen der von Hecker verwalteten Filialen wuchs hier auf 1,78 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,64 Milliarden).

Die Commerzbank will auch künftig weiter auf Kundenjagd gehen und investiert auch deshalb zusätzlich in digitale Angebote: Kontowechsel per App, Kreditantrag online, das nationale Bezahlsystem Paydirekt, das bei Einkäufen ohne zwischengeschalteten Dritten eine Verbindung zwischen dem Bankkonto des Kunden und dem Händler herstellt.

Auch an die großen Firmenkunden (ab 12,5 Millionen Euro Umsatz) wenden sich die neuen digitalen Angebote, erklärt Burkhard von der Osten, Leiter der hiesigen Mittelstandsbank. Die verzeichnete im vergangenen Jahr einen Neuzugang von 150 Kunden, musste allerdings beim Ertrag Federn lassen. „Die Negativzinsen sind ein echter Ballast“, sagte von der Osten. Allerdings verbuche auch sein Geschäftsfeld knapp fünf Prozent mehr neue Kreditkunden und begründete das mit den schnellen Zu- oder Absagen. Kreditanträge bis fünf Millionen Euro würden in Dresden vor Ort geprüft – ein Zeitvorsprung, der bei drei bis vier Entscheidungen täglich für ordentlich Umsatz sorge. Wo mehr Beratung nötig sei, nutze man inzwischen die Segnungen des Internets und schalte beim Kundenbesuch vor Ort die Spezialisten via Videoschalte hinzu. Langfristig sieht von der Osten seine Bank auch vor der Integration von Fintec-Systemen – online-banking-basierte Informations- und Zahldienste, die Prozesse langfristig vereinfachen könnten.

Von Barbara Stock

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