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Christoph Bartsch leistet bei den Dresdner Johannitern seinen Freiwilligendienst

Christoph Bartsch leistet bei den Dresdner Johannitern seinen Freiwilligendienst

Dicht an dicht stehen die Einsatzwagen der Johanniter auf dem Betriebshof in Leuben. Jeden Tag sind sie in der ganzen Stadt unterwegs, um kranke und hilfsbedürftige Menschen ans Ziel zu bringen.

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Seit Juni arbeitet Christoph Bartsch als Bufdi im Fahrdienst der Johanniter. Er ist als Beifahrer tätig und kümmert sich während der Fahrt um die Passagiere.

Quelle: Dietrich Flechtner

Neben der Stammbesatzung ist bei den Touren auch Bufdi Christoph Bartsch mit an Bord. Er gehört zu den aktuell 123 Männern und 211 Frauen, die bei verschiedenen Trägern in Dresden Bundesfreiwilligendienst leisten.

Seit Juni arbeitet der 27-Jährige als Bufdi im Fahrdienst der Johanniter. "Ich bin als Beifahrer tätig und kümmere mich während der Fahrt um unsere Passagiere", sagt Bartsch. Das sei nicht immer einfach, vor allem, wenn es sich um verhaltensauffällige Kinder handelt, die wild um sich schlagen. "Die können ja nichts dafür. Man muss dann einfach die Ruhe bewahren", erklärt Bartsch seine Strategie.

Obwohl er mittlerweile routiniert ist, hatte er vor Antritt seines Dienstes Bedenken. "Ich wusste nicht, wie ich es wegstecken kann, wenn ich auf Menschen mit Mehrfachbehinderungen treffe. So was lässt einen ja schließlich nicht kalt", sagt Bartsch und fügt hinzu: "Ich habe mich aber schnell daran gewöhnt." Wichtig ist seine Aufgabe, weil der Fahrer sich während der Fahrt auf den Verkehr konzentrieren muss und in Notfällen nicht rechtzeitig einschreiten könnte. Christoph Bartsch weiß um diese Verantwortung und nimmt seine Arbeit sehr ernst.

Acht Stunden ist er jeden Tag ab 5.30 Uhr im Einsatz. Dafür bekommt er netto 450 Euro ausgezahlt. Außerdem wird ihm eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Trotz des Hungerlohns ist er dankbar für diese Chance. "Ich wollte schon immer mal im sozialen Bereich arbeiten, aber bei einer festen Anstellung ist es meistens sehr schwer, irgendwo hereinzukommen", weiß der 27-Jährige.

Ursprünglich hat Bartsch, der aus der Lausitz stammt, mal Bäcker gelernt. "Das ist aber sowohl von den Arbeitszeiten als auch vom Verdienst her nicht mehr so lukrativ", sagt er. Sein Ziel sei es jetzt, am Berufsschulzentrum in Freital eine Ausbildung zum staatlich geprüften Lebensmitteltechniker zu absolvieren. "Dieses Jahr war dort aber kein Platz mehr frei. Deshalb ist die Bufdi-Zeit für mich eine gute und sinnvolle Option, um die Zeit zu überbrücken", so Bartsch.

Obwohl die Zahl der Bufdis bundesweit starken Schwankungen unterliegt, ist sie bei den Dresdner Johannitern in den vergangenen Jahren konstant geblieben. "Wir haben im Schnitt zwei bis drei Bufdis. In diesem Jahr sind es sogar fünf", sagt Danilo Schulz, der bei den Johannitern Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Vertrieb betreut. Neben dem Fahrdienst kommen sie auch in Kindertagesstätten oder in der Sozialstation zum Einsatz. In der Regel erhalten die Freiwilligen dafür Einjahresverträge mit der Option, sie um ein halbes Jahr zu verlängern.

Da es beim Freiwilligendienst keine Altersbeschränkung gibt, sind auch schon mal weit fortgeschrittene Semester im Einsatz. "Der älteste Bufdi in unseren Reihen war 76 Jahre alt. Mittlerweile ist er 77 und ins Ehrenamt gewechselt", sagt Schulz.

Noch vor einigen Jahren war dieser Übergang ins Ehrenamt auch bei jungen Teilnehmern gang und gäbe. Inzwischen gibt es aber Probleme bei der Rekrutierung. "Der Wegfall des Wehrersatzdienstes war für uns ein Einschnitt. Früher konnte man fünf oder sieben Jahre Dienst leisten. Die meisten Mitstreiter sind uns anschließend treu geblieben", erinnert sich Fahrdienstleiter Denis Papperitz (34) und ergänzt: "Man merkt deutlich, dass uns das Zwischenalter fehlt. Während es bei den Jugendlichen bis 18 Jahre kein Problem ist, wird es danach nicht zuletzt aufgrund beruflicher Verpflichtungen schwierig."

Dennoch ist es kein Ding der Unmöglichkeit, sich über lange Jahre zu engagieren. Ein Paradebeispiel für jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit bei den Johannitern ist Ronny Paul (43). "Ich bin als Zugführer im Katastrophenschutz tätig. Im Dezember habe ich mein 25-jähriges Dienstjubiläum", sagt Paul, der den Sanitätsdienst bei großen Events wie zum Beispiel der Campusparty koordiniert.

Wie sehr Paul für seine Aufgabe brennt, wird auch daran deutlich, dass er hauptberuflich im Rettungsdienst des Brand- und Katastrophenschutzamtes der Landeshauptstadt arbeitet. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt er.

Obwohl er selbst mit Feuer und Flamme dabei ist, bereitet auch ihm die Nachwuchssituation Sorgen. "Die Fluktuation wird immer größer. Einige gehen zum Arbeiten in weit entfernte Bundesländer und andere sind mit Frau und Kindern bereits voll ausgelastet", so Paul. Von einst 70 aktiven Mitstreitern sind nur noch etwa 30 regelmäßig im Katastrophenschutz im Einsatz.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2015

Stephan Hönigschmid

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