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Chinesischer Pavillon auf dem Weißen Hirsch steht vor Eröffnung

Chinesischer Pavillon auf dem Weißen Hirsch steht vor Eröffnung

Wer am Chinesischen Pavillon auf dem Weißen Hirsch vorbeispaziert, mag den Eindruck gewinnen, dass es nicht wirklich vorwärts geht mit den Bauarbeiten an dem Gebäude aus der Zeit des chinesischen Kaiserreichs.

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Von wegen, es tut sich nichts am Chinesischen Pavillon: 800 000 Euro seien bereits verbaut worden, berichtet Malte von Bargen. Der Vorsitzende des Vereins "Chinesischer Pavillon zu Dresden e.V." hofft, dass das einzigartige chinesische Bauwerk im Frühjahr wieder eröffnen kann.

Quelle: Dietrich Flechtner

Irrtum, sagt Malte von Bargen, Vorsitzender des Vereins "Chinesischer Pavillon zu Dresden e.V." Hier tut sich einiges.

Wie geht es weiter mit dem Chinesischen Pavillon?

Wenn kein schlimmer Frost dazwischen kommt, werden wir es bis Jahresende schaffen können, dass uns die Bauaufsicht eine vorläufige Betriebserlaubnis erteilt. Im Frühjahr wollen wir eröffnen.

Worauf können sich die Besucher freuen?

Der Pavillon soll ja eine Stätte des deutsch-chinesischen Austauschs werden. Wir planen Vorträge, Workshops, Musik- und Theatervorstellungen - zunächst einmal im Monat, später ein- oder zweimal pro Woche. Wir wollen langsam anfangen und dann zulegen und nicht umgekehrt.

Wird es Gastronomie im Pavillon geben?

Auf lange Sicht ja. Das ist auch Gegenstand des Kaufvertrags, den wir mit der Landeshauptstadt abgeschlossen haben. Bis es so weit ist, werden wir mit Catering arbeiten.

Für jene, die es noch nicht wissen: Wie kam denn der chinesischer Pavillon überhaupt nach Dresden?

Der Pavillon stammt aus dem Jahr 1911. Das Bauwerk wurde tatsächlich im alten chinesischen Kaiserreich gefertigt und in Einzelteilen nach Deutschland verschifft. Es ist das einzige original erhaltene Gebäude aus dieser Zeit in Deutschland. Als Ausstellungspavillon fand das Bauwerk auf der 1. Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden große Beachtung.

Und wie gelangte der Pavillon auf den Weißen Hirsch?

Nun, anschließend hat ihn die Gemeinde Weißer Hirsch für ihren Kurbetrieb erworben und auf ein massives Sockelgeschoss hier in den Rathausgarten an den Rand der Heide gesetzt. Der Pavillon diente als Lesecafé, es gab ja noch kein Fernsehen. Der Buchhändler vom Weißen Hirsch brachte täglich mehr als 50 europäische Tageszeitungen. Das hörte auf mit dem Zweiten Weltkrieg. Zum Ende der DDR-Zeit hatte die staatliche Handelsorganisation HO hier einen Lehrbetrieb für Gastronomiekräfte. Dass wir jetzt so viel restaurieren müssen, hängt mit einem Brand im Jahre 1997 zusammen. Damals war der Pavillon an einen Vietnamesen verpachtet, der hier ein ziemlich gutes China-Lokal namens "Jasmin" betrieben hat.

Weiß man heute, wie es zu dem Brand kam?

Nein. Das weiß man nicht. Fakt ist, dass der Pavillon innen ausbrannte. Dann kamen die Vandalen aus der Umgebung und haben zwei Monate lang das ungeschützte Haus geplündert und weiter zerstört. Es war ein schrecklicher Anblick. Nicht nur das Fensterglas, auch ein beachtlicher Teil des Holzwerks war zerschlagen.

Was ist seit damals alles schon repariert worden im Pavillon?

Der klassische chinesische Holzbau ist inzwischen restauriert. Entsprechend den Grundsätzen der Denkmalpflege musste der Tischler jedes zwar erhalten gebliebene, aber kaputte Holzstück einzeln wieder aufarbeiten. Eine Sisyphusarbeit. Interessant auch: Das Bauwerk stellt eine südchinesische Halle dar, verfügt aber über ein nordchinesisches Dach mit einem runden Dachfirst und einen halben Tee-Pavillon, wie er in den kaiserlichen Gärten in Peking üblich ist. Alles besteht aus Holz und Glas. Schrauben, Eisen und Stahl gibt es nicht. Auch das deutsche Sockelgeschoss, das sehr vom Wasser in Mitleidenschaft gezogen war, ist inzwischen saniert. Eine Heizung gibt es schon. Jetzt sind wir dabei, das Untergeschoss auszubauen.

Wieviel Geld ist denn in den Pavillon bislang geflossen?

Wir haben bisher gut 800 000 Euro verbaut. Sie müssen bedenken, dass wir auch das Dach neu decken mussten. Dabei handelt es sich um Spenden, aber auch Denkmalpflegemittel des Freistaats und eine Anschubfinanzierung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.

Wieviel Geld wird noch nötig sein, um den Pavillon fertigzustellen?

Eine Viertemillion Euro, wenn ich auch die Außenanlagen einbeziehe. Um den Pavillon im Frühjahr eröffnen zu können, werden wir zunächst noch 50 000 Euro brauchen. Dabei geht es um Sicherheitsdinge. Zum Beispiel muss der provisorische Treppenabgang fixiert werden. Auch der Umgang ist noch nicht fertig. Das ist ein ganz mühsa- mes Unterfangen. Wir haben anderthalb Jahre gebraucht, um jemanden zu finden, der uns die fehlenden Platten nach dem alten kostspieligen Handverfahren von 1912 anfertigt. Allein die Platten kosten 20 000 Euro, und dann müssen sie noch verlegt werden. Wir hoffen, dass wir sie Ende Oktober, Anfang November bekommen, so dass wir anfangen können, die Lücken auszufüllen. Auch der Handlauf entspricht noch nicht den Vorschriften. Weil das chinesische Geländer zu niedrig ist, müssen wir einen extra Gussstahl-Handlauf anfertigen lassen. Trotz allem bin ich guten Mutes, dass wir den Termin im Frühjahr halten können.

Am 3. November, 19 Uhr, findet anlässlich der fünfjährigen Partnerschaft Dresden - Hangzhou ein Vortrag im Chinesischen Pavillon an der Bautzner Landstraße 17a statt. Darin geht es um die aktuelle Situation in China. Der Eintritt ist frei, um eine Spenden wird gebeten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.10.2014

Katrin Richter

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