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Chinesen bringen das Geschäft mit dem Phaeton ins Rollen - Dresden profitiert

Chinesen bringen das Geschäft mit dem Phaeton ins Rollen - Dresden profitiert

Nein, zum Anfüttern asiatischer Kundschaft sind die Koi-Karpfen im künstlichen Teich vor der Gläsernen VW- Manufaktur in Dresden nicht gedacht. Firmensprecher Christian Haacke winkt ab: „Die Fische hat jemand beim Hochwasser 2002 eingesetzt, weil er sie vor den Fluten in seinem Garten schützen wollte“.

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Der Phaeton wird in der Gläsernen Manufaktur in Dresden produziert.

Quelle: dpa

Haacke hat viele Anekdoten über die Oberklassen-Limousine Phaeton auf Lager. Auch die von einer Filiale in China. „Da kam eines Tages ein Mann mit zwei Einkaufstüten voller Geldscheine und wollte einen Phaeton. Am nächsten Tag war er wieder da, erneut mit viel Geld. Er brauchte noch einen Wagen für seinen Sohn“.

Haacke berichtet von Autos, deren Einstiegspreis in Deutschland bei 70.000 Euro liegt. In China kommt noch eine beträchtliche Steuer dazu. Dennoch gelangt der Phaeton in der Volksrepublik gut unters Volk. 70 Prozent der Luxuswagen verkauft VW nach Asien. China steht bei den Abnehmern noch vor Deutschland auf dem ersten Platz. Danach folgen Südkorea, Russland und Großbritannien. 2009 lieferte die Manufaktur 1614 Phaeton nach China, 2011 waren es schon 7827.

Im normalerweise markenbewussten China, wo Neureiche sonst gerne zeigen, was sie haben, ist der Phaeton ein Art Gegenmodell. „Unsere Kunden wollen nicht auffallen. Normalerweise sind es hohe Regierungsfunktionäre oder Manager von Staatsbetrieben“, berichtet der Pekinger Autohändler Kong Lifei. „Käufer des Phaetons sind meist reicher als jemand, der Mercedes oder BMW kauft. Das Image einer berühmten Marke haben sie nicht mehr nötig.“ Doch kursieren in China viele Witze, in denen der Phaeton mit einem Passat verwechselt wird.

Zum Beispiel: Parkt ein Mann seinen Phaeton. Ruft der Parkwächter: „Hey Du, mit dem Passat! Sei vorsichtig! Stoß nicht gegen den BMW neben Dir! Das könntest Du Dir nicht leisten.“ Der Phaeton-Fahrer ist sauer. Am nächsten Tag will er oktanreiches Superbenzin tanken. Sagt der Tankwart: „Muss beim Passat nicht sein. Sparen sie das Geld. Nur Luxusautos brauchen das.“ Langsam wird der Phaeton-Typ depressiv. Anderntags hört er zwei Männer, denen sein Auto auffällt: „Schau mal! Ein Phaeton! Wow!“ Der Phaeton-Mann ist glücklich. Endlich erkennt jemand sein Auto. Doch dann hört er den einen Mann noch sagen: „War jemand so blöd und hat sich tatsächlich einen Phaeton gekauft.“

„Unsere Kunden mögen diese Witze“, sagt Lifei. „Ihnen gefällt es, dass er wie ein Passat aussieht. Sie wollen nicht, dass andere den Phaeton als Luxusauto erkennen.“ Die großen Unterschiede seien erst für Insassen zu sehen. „Der Phaeton ist innen luxuriös, elegant, gewieft, wunderschön und hat ansonsten außen ein gewöhnliches Erscheinungsbild“, zitiert die Autoseite des populären Webportals Sohu einen Phaeton-Kunden. „So kann ich fühlen, dass die innere Schönheit allein mir vorbehalten ist, anstatt damit anzugeben.“

Die Begeisterung der Chinesen sichert Jobs in Sachsen, freut sich Hans-Joachim Rothenpieler, Sprecher der Geschäftsführung von VW in Sachsen. Man wolle Signale und Bedürfnisse des chinesischen Marktes sofort aufnehmen, um schnell auf individuelle Kundenwünsche reagieren zu können. Zwar stehen auch die Chinesen eher auf dunkle Autofarben, drinnen kann es aber durchaus extravagant zugehen. Da lassen sich manche Kunden einen Drachen als Intarsie in die Armatur schneiden. „Handmade in Germany - das finden Kunden in China gut“, ist Haacke überzeugt und sieht VW schon als Teil chinesischer Industriekultur.

Immerhin ist der Konzern seit 30 Jahren auf dem chinesischen Markt aktiv. Rothenpieler spricht von einer Erfolgsgeschichte. 10 Werke mit rund 50 000 Mitarbeitern hat VW im Reich der Mitte. Bis 2016 sollen 14 Milliarden Euro investiert sein. Dass der Phaeton in China und Südkorea ausschließlich als Langversion rollt, hat laut Haacke mit dortigen Befindlichkeiten zu tun. In beiden Ländern lassen sich gut betuchte Kunden gern von professionellen Fahrern durch den Verkehr lenken. „Asien ist ein Chauffeurmarkt. Wer dort lange im Stau stehen muss, hat es gern bequem und etwas mehr Beinfreiheit“, versucht der Sprecher die Vorzüge des Phaetons an den Mann zu bringen.

Bei ihrer Verkaufsstrategie sparen die Deutschen nicht mit wohlfeilen Worten. „Hergestellt mit Weisheit, für Leute die es zu schätzen wissen!“, heißt der Slogan für den Markt in China. „Dadurch treffen wir traditionelle, chinesische Werte wie zum Beispiel Understatement, innere Stärke und Insiderwissen“, sagt Haacke. Ohne die bisherige Präsenz mit anderen VW-Modellen wäre freilich auch der Phaeton nicht in der Erfolgsspur. Auch andere deutsche Luxusmarken profitieren vom Faible der Chinesen für deutsche Autos. Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie wurden 2012 eine Million „Premium-Pkw“ deutscher Hersteller in China abgesetzt.

„Luft nach oben“ gibt es in der Dresdner Manufaktur reichlich. Momentan fertigen die rund 500 Mitarbeiter in ihren weißen Overalls täglich 48 Autos - dreimal so viele könnten es sein. Das zumindest gibt das Fließband her, das in Dresden Schuppe heißt und mit kanadischem Bergahorn belegt sehr gediegen daherkommt. Mit 150 Wagen pro Tag hatte die Gläserne Manufaktur damals geplant, als sie 2001 an den Start ging. Doch die Nachfrage ließ anfangs zu wünschen übrig. Immerhin rollten 2011 im bisher besten Phaeton-Jahr 10 270 Wagen vom Band. 2012 ging der Absatz auf 9332 zurück - auch deshalb hofft man in Dresden weiter auf Kunden aus dem Reich der Mitte.

Andreas Landwehr und Jörg Schurig, dpa

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