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Butler aus Dresden zahlte hohen Preis für seinen Beruf

Dienstleistung Butler aus Dresden zahlte hohen Preis für seinen Beruf

Günther Wolf stellte sich als Butler Jahrzehntelang in den Dienst anderer – und gab dafür sein Leben auf. Doch er hat noch mehr vor, als in der Einsamkeit zu versinken.

Dresden.  Günther Wolf sitzt allein vor einer Tasse Kaffee an einem kleinen runden Tisch in seinem Arbeitszimmer. Er verrührt zwei Stück Würfelzucker und glättet nebenbei ganz unbewusst eine fast unsichtbare Falte in der Tischdecke. Er hält inne, blickt nach oben und stellt fest: „In letzter Zeit bereue ich es wirklich, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe. Aber es gibt kein Zurück, wer A sagt, muss auch B sagen.“ Günther Wolf entschied sich vor fast 20 Jahren für ein Leben als Butler. Was sich damals als Beruf mit guter Perspektive auftat, führte den heute 66-Jährigen schrittweise in die Einsamkeit. Eine Frau lässt sich in seinem Alltag genauso vergeblich suchen, wie der Kontakt zu seiner Familie.

„Als Butler sind soziale Kontakte unpraktisch“, sagt Wolf. Seine damalige Freundin verbreitete intime Details seiner Arbeitgeber und sorgte damit fast für seinen Rausschmiss. „Wenn sich so etwas einmal rumspricht, bist du weg vom Fenster. Ich habe noch einmal Glück gehabt“, sagt er. Generell gehöre Verschwiegenheit zu den wichtigsten Eigenschaften seines Berufes, die Angst vor Erpressungen oder gar Entführungen schwinge bei den Reichen immer mit – diese suchten deshalb bewusst nach alleinstehenden Butlern. So sei es nahezu unmöglich, private Beziehungen zu Freunden oder der Familie zu unterhalten. Zudem ist man als Butler praktisch rund um die Uhr für seinen Arbeitgeber im Einsatz.

Jahrelang stellte sich Wolf als „Einzelkämpfer“ und passionierter Butler über diese Tatsache, redete sich ein, seinen Weg unbeirrt zu gehen. Das tat er auch – und zahlte einen hohen Preis. Nicht zuletzt, als sich auch seine Familie von ihm abwandte.

Der Dienst für fremde Menschen

Eine wohlhabende Dame machte ihn 1998 zudem, was er heute ist. „Ich hatte sehr große Freude daran, Veranstaltungen und Empfänge zu organisieren“, so Wolf. Als ihn die Wahldresdnerin fragte, ob er als Butler für ihre Familie tätig sein wolle, sagte der damals 48-Jährige zu. Die Großindustriellen bezahlten dem gebürtigen Leipziger eine Ausbildung an der neu geschaffenen Butler Akademie in Berlin – für 26 000 Deutsche Mark.

Über seine Zeit davor spricht Wolf ungern. „Ich habe verschiedene Assistenzberufe im Bereich Medizin und Industrie ausgeführt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, so der Butler. Heute gibt er vorwiegend Seminare, bildet Hotel- und Fachpersonal, aber auch Geschäftsleute oder Neureiche in Stil und Etikette aus. „Das reicht vom richtigen Schuheputzen bis hin zur Stilberatung“, sagt Wolf. Die Idee dazu kam bei einem erneuten Besuch der Butler Akademie in Berlin im Jahr 2002.

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Der Dresdner Günther Wolf ist ein erfahrener Butler, aber er zahlte einen hohen Preis für seinen Beruf.

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Bei seinen Seminaren vergisst es Wolf nicht, seine Kursteilnehmer auch darauf hinzuweisen, dass das Leben als Butler ein Einsames sein kann. Dennoch gibt es sowohl in Deutschland als auch weltweit eine Renaissance des Berufes, Akademien melden steigende Ausbildungszahlen seit Jahren. Und auch Günther Wolf ist neben seinen Seminaren noch im Geschäft – auch deshalb, weil er sonst von seiner Rente nicht leben könnte.

Buchen kann man Dresdens erfahrensten Butler für Privatveranstaltungen, Präsentationen, Reise- oder sogar Shoppingbegleitung. Letzteres führt Günther Wolf regelmäßig in die Welten, die normalverdienende Menschen, wenn überhaupt, nur aus dem Fernsehen kennen. „Die Superreichen kaufen in Läden ein, die für uns nicht sichtbar sind. Beispielsweise in Hamburg sind die wahren Nobelläden nicht die mit Schaufenster in der Innenstadt. Oftmals führt ein fast versteckter Zugang zu einem Fahrstuhl, mit dem man in die dritte oder vierte Etage gelangt. Dort hängen dann die Sachen direkt vom Designer, für normale Menschen unerreichbar“, erinnert sich Wolf. Obwohl diese abwechslungsreichen Tätigkeiten zu den Sonnenseiten des Berufes gehören, könnte sich Wolf auch wieder ein festes Engagement für eine einzelne Familie vorstellen.

Das hat er bis jetzt dreimal gemacht, zuletzt allerdings vor mehr als zehn Jahren. „Wenn ein wirklich gutes Angebot kommt, wäre ich sicher nicht abgeneigt.“ Doch da er den Großteil seiner Zeit mit diesen Menschen verbringen würde, muss es für Wolf auch menschlich passen.

Beziehung zum Arbeitgeber wichtig

Vor allem für „Neureiche“, wie er sie nennt, will der 66-Jährige nicht arbeiten. Das liege vor allem am zunehmenden Stil- und Etikettverlust. „Neureiche haben kein Interesse an klassischen Butlern, oder verkennen dessen ursprüngliche Funktion“, sagt Wolf. Ihn störe, dass viele von ihnen nur protzten und mit ihrem Geld um sich werfen würden, ohne Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. „Die Altreichen oder Großindustriellen sind ganz anders. Sie sind sparsam im eigenen Haushalt, nach außen fast unsichtbar und engagieren sich vor allem finanziell sehr stark für soziale Zwecke“, sagt der Butler. Deshalb komme für ihn nur ein Arrangement bei einer solchen Familie in Frage. Und das braucht es laut Wolf auch: „Man gibt sich selbst für andere auf. Da muss alles passen.“

Genau diese Opferbereitschaft machte den 66-Jährigen einst zu einem gefragten Butler, der einen Tagessatz von bis zu 1200 Euro verlangt. „Selbstdisziplin“ sei es, worauf es im Großen und Ganzen ankäme. „Das fängt um 6.30 Uhr beim Kaffeekochen und Tischdecken an und endet am Abend 22 Uhr, wenn du den Geschäftsmann vom Meeting abholst“, sagt Wolf.

Früher redete er sich ein, Butler sei ein Beruf mit zwei Gesichtern und er könne sich im privaten Umfeld so geben, wie er ursprünglich sei – bis dann das zweite Gesicht immer mehr verschwand. Er wurde schweigsam, misstrauisch und zog sich immer weiter zurück, bis hin zur sozialen Isolation. Doch schlecht reden will der Einzelkämpfer seinen Beruf deshalb nicht. Als Butler sei man Freund, Vertrauensperson und Seelsorger, man fühle sich stets als Teil der Familie. Von Wolf wurde auch noch nie etwas verlangt, was er nicht tun wollte – das verbiete sich durch den gegenseitigen Respekt.

„Es gab schon das Eine oder Andere, bei dem ich mich etwas unwohl fühlte“, erzählt Wolf. Beispielsweise die „Geschäftsausflüge“ eines Ehemannes bei einer Familie, für die er tätig war. „Im Bordell sah ich zu, wie er sich betrank und mit den Damen vergnügte“, so Wolf. Anschließend sorgte er als guter Butler dafür, dass der Geruch nach Schnaps und billigem Parfum vom Ehegatten verschwand und schwieg gegenüber dessen Frau.

„Butler sein ist meine Berufung“, sagt Wolf. Für ihn gebe es jetzt sowieso kein Zurück mehr, weshalb er alle seine Seminare und Aufträge noch immer mit voller Leidenschaft ausführe. „Ich will die Welt auch ein kleines Stückchen besser machen, den Verfall von Stil und Etikette ein bisschen bremsen.“ Immerhin bleibt ihm fast nichts anderes mehr übrig, zu hoch war der Preis, den er persönlich für seinen Berufswunsch zahlte.

Von Sebastian Burkhardt

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